Title Page

a leading, independent classical record label

Kommentar

Tenebrae hat sich in seiner kurzen Laufbahn bereits einen bedeutenden Namen durch seine ebenso originellen wie einschneidenden Neuinterpretationen klassischer Werke im Chorrepertoire erworben. Diese Aufnahme bietet jedoch ein innovatives und weniger bekanntes Repertoire, das aus modernen Quellen zusammengestellt wurde. Die Auswahl reflektiert den explorativen Ansatz der Gruppe und rückt somit ihren künstlerischen Pioniergeist stärker ins Rampenlicht. Die CD enthält eine außergewöhnliche Sammlung von Werken verschiedener lebender Komponisten, unter denen viele erst seit jüngster Zeit zur kreativen Spitze der Chorszene gehören.

Jonathan Dove (geb. 1959) ist für seine Arbeit in verschiedensten Musikmedien bekannt, darunter Orchester-, Kammer-, Theater- und Filmmusik. Da er instinktiv ein dramatischer Komponist ist, haben seine Opern vielleicht das größte kritische Aufsehen erregt. In seiner zehnjährigen Zusammenarbeit mit Glyndebourne hat Dove drei groß angelegte Gemeinschaftsopern verfasst, unter denen Flight wahrscheinlich die bekannteste ist. Sie wurde 1998 von der Glyndebourne Touring Opera uraufgeführt und stieß bei Kritikern und Publikum auf einhellige Begeisterung. Als Komponist für Kirchenmusik hat er eine ganze Reihe von Auftragsarbeiten erhalten, u.a. für das Spitalfields Festival, den Eton College Chapel Choir und den Chor von King’s College, Cambridge (‘Festival of Nine Lessons and Carols’ im Jahr 2000). Aufgrund seiner Vorliebe für starke Betonung und lebhafte Rhythmen (Eigenschaften, durch die sich sein Werk allgemein auszeichnet), hat er sich als idealer und erfolgreiche musikalischer Mitarbeiter im Tanz erwiesen. Seek him that maketh the seven stars ist die Vertonung von Texten aus dem Buch Amos und aus Psalm 139. Die Verwendung von Ostinati in der Orgelstimme, welche die oft durch ‘flehende’ Figuren (‘Seek him’) gekennzeichneten verschlungenen Vokalstimmen durchkreuzen, beschwört sowohl den sternenübersäten Himmel als auch die ‘suchende’ Anrufung des Propheten herauf. Der spätere Teil (ein ‘Halleluja’) ist bejahender und triumphierender und das Ende strahlt eine zuversichtliche Ruhe aus. Das 1995 von der Royal Academy of Arts in Auftrag gegebene Werk wurde im Juni des gleichen Jahres in der St. James’s Church, Piccadilly, uraufgeführt, und zwar unter der Leitung von Adrian Peacock, einem Mitglied von Tenebrae, und mit dem Organisten Jeremy Filsell (dem Begleiter des Chors).

Francis Pott (geb. 1957) war Chorknabe am New College, Oxford, und Musikschüler am Winchester College, und er studierte musik an der Universität von Cambridge sowie Komposition unter Hugh Wood und Robin Holloway und ist zur Zeit Direktor für Musik und Komposition am London College of Music and Media (Thames Valley University). Aufgrund seiner Verbindung mit der Kirchenmusik von Kindheit auf erhält er immer wieder Aufträge für Kathedralen, Kollegien und Kirchen. Als überragender Pianist hat er ein umfangreiches Oeuvre für das Klavier geschaffen, doch er ist vor allem für seine Orgelwerke bekannt, die zu den bedeutendsten Kompositionen des späten 20. Jahrhunderts für dieses Instrument zählen. Die zweieinhalbstündige, fünfsätzige Orgelsinfonie Christus stellt einen schöpferischen Beitrag zum Kanon des Orgelsolisten dar und knüpft in ihrer tiefsinnigen Thematik direkt an Potts Oratorium A song on the end of the world an—ein Auftragswerk für das Three Choirs Festival von 1999. Sein Musikstil ist von einer Reihe bedeutsamer Quellen abgeleitet: der Polyphonie der italienischen, spanischen und (insbesondere) der englischen Renaissance, den Klavierkompositionen von Medtner und Rachmaninow und vor allem von dem formalen und harmonischen Stil des dänischen Sinfonisten Carl Nielsen.

The souls of the righteous wurde von David Bushnell in Angedenken an seine verstorbene Frau Sheila in Auftrag gegeben. Beide waren über dreißig Jahre mit der Winchester Cathedral assoziiert, und Sheilas Asche wurde im Dombereich verstreut. Pott schöpfte seine Inspiration für das Werk nicht nur aus der Erinnerung an seine eigenen Eltern, sondern auch aus der Atmosphäre von William Byrds Vertonung (als Justorum animae) dieser Worte, eine Motette, die für Pott seit seiner Zeit als Chorknabe am New College eine besonders tiefe Bedeutung hat. Er hat immer versucht, in seiner Chormusik etwas von der Empfindsamkeit der geistlichen Musik vom England des 16. Jahrhunderts (statt dem 19.) einzufangen, und in diesem Fall war ihr Einfluss ganz besonders spürbar. The souls of the righteous wurde im Jahr 2000 an der Winchester Cathedral uraufgeführt.

Giles Swayne wurde 1946 geboren und bereits als Teenager von seiner berühmten Kusine Elizabeth Maconchy zum Komponieren angeregt. Zu den einflussreichen Vorbildern für Swayne in Cambridge zählten Nicholas Maw und Raymond Leppard, und später, an der Royal Academy of Music in London, Alan Bush sowie Harrison Birtwistle. Das Magnificat wurde 1982 von Francis Grier für den Chor von Christ Church, Oxford, in Auftrag gegeben und von der Southern Arts Association gesponsert. Aufgrund der einzigartigen Vertonung dieser bekannten Worte ist das Magnificat heute zu einem klassischen Werk des Chorkatalogs geworden. Das Loblied nimmt eine zentrale Rolle in den Vespern und dem anglikanischen Abendgottesdienst ein, und Swaynes Vertonung des lateinischen Textes für Doppelchor ist die kühne Umgestaltung eines Kriegsgesangs der Zulus, eingebettet in eine Strawinsky entlehnte, von Ostinati beherrschte Polyphonie. Sein Ansatz der Distanzierung von spezifischen textlichen Nuancen weist gewisse Ähnlichkeiten mit dem der großen Magnifikatvertonungen des 16. Jahrhunderts auf (Vittoria, Palestrina, Vivanco, Ortiz usw.), doch die pointillistischen Farbtupfer, die Ostinati und die immer mehr auseinander klaffenden Linienführungen verleihen dem Werk eine eindeutig zeitgenössische Note.

Sir John Tavener (geb. 1944) hat sich durch die Originalität seines Konzepts und die Entwicklung eines sehr persönlichen Musikstils einen Ruf erworben, der für einen zeitgenössischen Komponisten klassischer Musik ungewöhnlich weit verbreitet ist. Sein Interesse an der russisch-orthodoxen Kirche (der er 1977 beitrat) schlägt sich in einem kompositorischen Stil nieder, der alte Traditionen aufgreift und eine Besinnlichkeit übermittelt, die in erfolgreichem Einklang mit den geistigen Interessen unseres modernen Zeitalters steht. Laut Taveners eigener Aussage ist er darum bemüht, eine ‘Ikone des Klangs’ zu schaffen, und für die außerordentliche Popularität seiner Musik sprechen die zahlreichen Kunstfestivals, bei denen seine Werke aufgeführt werden. Das Londoner South Bank Centre veranstaltete im Oktober 2000 ein bedeutendes dreiwöchiges Festival unter dem Titel Ikons of light, das allein seiner Musik gewidmet war. Im Jahr 2000 wurde Tavener als Ritter für seine ‘Dienste an der Musik’ in die königliche Ehrenliste aufgenommen.

Mother and child wurde 2002 von Tenebrae in Auftrag gegeben und im gleichen Jahr beim Salisbury Festival uraufgeführt. Der universale Aspekt der Mutterschaft und insbesondere der von Maria als Mutter Gottes (als Miterlöserin) ist eine Idee, die Tavener in seiner Musik immer wieder aufgegriffen hat. Doch hinter diesem Konzept verbirgt sich das des unendlichen theophanischen Lichtes, ein Gedanke, der in allen religiösen Traditionen zu finden ist. Tavener verbindet hier ein Gedicht von Brian Keeble mit griechischen und sanskritischen Zitaten, letzteres in Form eines dramatischen Anrufes von ‘ATMA’, ein Begriff, der laut Taveners eigenen Worten für ‘die höchste Wirklichkeit, das wahre Selbst, glänzend und ewig, den einzigen Gott’ steht. Die zu einem Crescendo angewachsene Musik wird nun mit massiven Orgelakkorden untermauert und entwickelt sich zu einer überwältigenden pulsierenden Textur, an deren Höhepunkt ein gewaltiger Hindu-Tempelgong erschallt. Der Lärm verklingt beim letzten Anruf ‘Hail Maria’, der die Form eines besinnlichen Gebets annimmt.

Alexander L’Estrange (geb. 1974) ist Sänger, Komponist, Arrangeur und Jazzbassist, der sich in den verschiedensten Musikstilrichtungen zuhause fühlt. Er war Chorknabe am New College, Oxford, und als Student am Merton College Mitglied des Chors vom Magdalen College. Seine Arrangements für mehrere bekannte Gruppen sind bei Faber erschienen, und sein preisgekröntes Musical Hello, Life! für eine Frauenstimme wurde 2002 im Greenwich Theatre und im Mai 2003 beim Brighton Festival aufgeführt. L’Estrange ist Musikdirektor des National Youth Music Theatre und ein Mitglied von Tenebrae. Lute-book Lullaby gehört zu einer Reihe von Stücken, die er für die Gruppe geschrieben hat. Seine berückende Schlichtheit täuscht über die Verwendung der achttönigen Tonleiter in homophonen Passagen hinweg. Über den Wellenbewegungen der unteren Stimme, die das Wiegen der Krippe darstellen, erhebt sich ein Sopransolo von sehnsüchtiger Schönheit. Durch die bittersüße Dissonanz wird die Stimmung einer überwältigenden Zärtlichkeit noch gesteigert.

Jeremy Filsell (geb. 1964) ist ein bekannter Konzertpianist und Organist, der große kritische Anerkennung für eine Reihe von Aufnahmen erhalten hat (zuletzt für die Uraufnahme der gesamten Orgelwerke von Marcel Dupré). Er studierte Orgelspiel am Keble College, Oxford, sowie Klavier und Gesang am Royal College of Music. Zur Zeit verbindet er eine große internationale Karriere als Solointerpret mit einer Dozentur an der Royal Academy of Music. Im Sommer 2001 komponierte er eine Sammlung von Morgen- und Abendgesängen für Jonathan Rees-Williams und den Chor der St. George’s Chapel, Windsor Castle, die im Mai 2002 über BBC Radio 3 ausgestrahlt wurden. O be joyful in the Lord (Jubilate; Psalm 100) ist eine liebevolle Huldigung an eine Reihe einflussreicher Werke, insbesondere an Sebastian Forbes’ brillante und zu Unrecht vernachlässigte Lobgesänge Aedis Christi, die Filsell in den letzten Takten zitiert. Ferner lassen sich in bestimmten rhythmischen und melodischen Formen Anklänge an die Musik von Graham Whettam und William Walton erkennen.

Richard Rodney Bennett (geb. 1936)—ein äußerst produktives musikalisches Chamäleon—studierte zunächst an der Royal Academy of Music und dann zwei Jahre in Paris unter der Obhut von Pierre Boulez. Bennetts erste Jazzkomposition für einen Film stammt aus jener Zeit, und es ist diese Seite seiner musikalischen Veranlagung, die—in Verbindung mit einem eindrucksvollen musikalischen Formverständnis—seinen späteren Sinfonien, Konzerten, Opern, Instrumental- und Chorwerken eine einzigartige erfrischende Note verleiht. Bennett, der Tonalität nur selten als Arbeitsprinzip meidet, hat eine ganz eigene harmonische Palette entwickelt, die Zugänglichkeit mit kompositorischer Kunstfertigkeit verquickt. Sermons and devotions wurde von den King’s Singers anlässlich ihres 25. Jubiläums in Auftrag gegeben. Die Aufnahme enthält eine der fünf Vertonungen von John Donnes metaphysischen Meditationen. The seasons of his mercies ist eine silbenzählende Vertonung in einer breit angelegten ternären Form, die von einem zentralen Teil für Tenorsolo artikuliert wird. Die bittersüße Harmonie in den langsam geführten Linien beschwört die poetische Intimität des Textes überzeugend herauf.

Francis Potts My song is love unknown ist eine Vertonung aller Verse von Samuel Crossmans berühmtem Gedicht (bis auf einen, dessen Metrik nicht für die gesangliche Darbietung geeignet ist). Die Musik beginnt mit wiederholten Off-Beat-Akkorden, die—was nicht unangemessen ist—der Einleitung des Tongedichts Tod und Verklärung von Richard Strauß entlehnt sind. In den frühen Stadien des Werkes sind nur die Sopran- und Altstimmen vernehmbar. Der gleichmäßige Fluss von Crossmans Gedicht wird bald zugunsten einer dramatischen Entwicklung unterbrochen. Nach einer scheinbar zaghaften harmonischen Verzerrung der einleitenden Akkorde hebt sich das ‘Crucify’ (kreuzige) zunächst als ein Murmeln von den niedrigeren Stimmen ab, und zwar zeitlich so abgestimmt, dass es Assonanzen mit anderen Worten in den oberen Stimmen bildet und daher, kaum hörbar, wie eine Einbildung scheint. Nach einer Weile begeben sich jedoch Rufe von ‘Hosanna’ auf Kollisionskurs mit einer anschwellenden Woge von ‘Crucify’, woraufhin die Hosanna-Stimmen allmählich den Mut verlieren und wie Schafe zum Feind überlaufen. Zuletzt erdreistet sich nur noch eine einzige klagende Sopranstimme, das ‘anstößige’ Wort zu wiederholen, doch sie geht in einem mörderischen Aufschrei unter. Etwas später erscheint das ‘Crucify’ in Form eines zweiten Zornesausbruchs, der dann von der Musik der Einleitung abgelöst wird, die sich diesmal zu einem breit angelegten polyphonischen Finale für Doppelchor und SATB-Solisten entwickelt. Der eigentliche Höhepunkt des Werks klingt zu einer Art von Epilog ab, über dem die klagende Stimme eines Soprans schwebt, an den die Musik insgesamt große Anforderungen gestellt hat. Der Chorgesang endet in der Tonart und Stimmung seiner Einleitung. Die anspruchsvolle Orgelstimme deutet auf eine mögliche zukünftige Orchestrierung hin.

My song is love unknown wurde in Angedenken an Michael Renton verfasst, ein Handwerker und größtenteils autodidaktischer Mann der Renaissance, der nicht nur Mitglied der Gemeinde von Winchester Cathedral, sondern auch der Steinmetz des Doms war. Er erfreute sich in der Domgemeinschaft allgemeiner Beliebtheit—ein wahrer und bescheidener Künstler des Schlages, von dem Traherne sicherlich sprach, als er folgende Worte schrieb: ‘Wer immer an dem Mysterium des Glücks teilnehmen will, muss die Gegenstände seines Glücks wahrnehmen und die Art und Weise, auf die er sie genießen kann, und er muss auch die Seelenkräfte erkennen, durch die er sie genießen kann’. My song is love unknown wurde für das Southern Cathedrals Festival von 2002 in Winchester verfasst.

Jeremy Filsell, Januar 2003
Anmerkungen zu My song is love unknown
© Francis Pott, 2002

Gesangstexte

1. Dove: Seek him that maketh the seven stars

Seek him that maketh the seven stars and Orion.
Seek him that turneth the shadow of death into the morning.
Alleluia.
Yea, the darkness shineth as the day, the night is light about me.

Suchet ihn, der das Siebengestirn und Orion gemacht hat.
Suchet ihn, der die Finsternis in Morgenlicht verwandelt hat.
Halleluja.
Ja, die Dunkelheit glänzet wie der Tag, und die Nacht umgibt mich wie Licht.

2. Pott: The souls of the righteous

The souls of the righteous are in the hand of God and there shall no torment touch them. In the sight of the unwise they seemed to die: and their departure is taken for misery, and their going from us to be utter destruction: but they are in peace. Amen.

Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand, und keine Qual kann sie berühren. In den Augen der Toren sind sie gestorben, ihr Heimgang gilt als Unglück, ihr Scheiden von uns als Vernichtung; sie aber sind in Frieden. Amen.

3. Swayne: Magnificat

Magnificat anima mea Dominum.
Et exultavit spiritus meus in Deo salutari meo,
Quia respexit humilitatem ancillae suae, ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.
Quia fecit mihi magna qui potens est, et sanctum nomen eius.
Et misericordia eius a progenie in progenies timentibus eum.
Fecit potentiam in bracchio suo, dispersit superbos mente cordis sui.
Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles.
Esurientes implevit bonis, et divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiae suae.
Sicut locutus est ad patres nostros, Abraham et semini eius in secula.
Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto.
Sicut erat in principio et nunc et semper: Et in secula seculorum. Amen.

Meine Seele erhebt den Herrn:
Und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.
Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.
Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer ausgehen.
Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war am Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit: Welt ohne Ende. Amen.

4. Tavener: Mother and child

Enamoured of its gaze
the mother’s gaze in turn
contrives a single beam of light
along which love may move.
Through seeing, through touch,
through hearing the new-born heart
conduits of being join.
So is the image of that heaven within started into life.
As in the first was adoration
another consciousness has come to praise
the single theophanic light
that threads all entrants here:
this paradise where all is formed of love
as flame to flame is lit.

Entzückt von seinem Blick
erzeugt der erwidernde Blick der Mutter
einen einzigen Lichtstrahl,
über den die Liebe führt.
Durch Sehen, Berühren und Hören
des neugeborenen Herzens treffen
sich Kanäle des Seins.
So wird das Bildnis jenes darin liegenden Himmels ins Leben geführt.
Da in dem ersten Anbetung lag, ist ein anderes Bewusstsein entstanden, um das einzigartige theophanische Licht zu preisen, das alle Beteiligten hier hin führt: in dieses Paradies, in dem alles durch Liebe geformt wird, indem eine Flamme die nächste entzündet.

5. L’Estrange: Lute-book lullaby

Sweet was the song the virgin sang,
when she to Bethlem Juda came and was delivered of a son, that blessed Jesus hath to name:
lulla, lulla lullaby.
‘Sweet babe,’ sang she, ‘my son, and eke a saviour born,
who hast vouchsafed from on high to visit us that were forlorn:
lulla, lulla lullaby’.
And rocked him sweetly on her knee.

Süß war das Lied, das Maria sang,
als sie nach Bethlehem in Judäa kam und dort ihren Sohn gebar,
der Jesus, unser Heiland, war:
Lulla, lulla lullaby.
‘Mein Kind,’ sang sie, ‘mein Sohn und Retter aus der Höh’,
der du versprochen hast
zu stillen unser Weh:
lulla, lulla lullaby’.
Und wiegte ihn sanft auf ihrem Knie.

6. Filsell: O be joyful in the Lord

O be joyful in the Lord all ye lands.
Serve the Lord with gladness and come before his presence with a song.
Be ye sure that the Lord he is God.
It is he that hath made us and not we ourselves.
We are his people and the sheep of his pasture.
O go your way into his gates with thanksgiving, and into his courts with praise.
Be thankful unto him and speak good of his name.
For the Lord is gracious, his mercy is everlasting, and his truth endureth from generation to generation.
Glory be to the Father and to the Son and to the Holy Ghost. As it was in the beginning, is now and ever shall be, world without end. Amen.

Ruft vor Freude zu dem Herrn, alle Welt.
Dient dem Herrn mit Freude, kommt vor sein Angesicht mit frohen Liedern.
Erkennet, dass der Herr Gott ist.
Er hat uns gemacht und wir sind Sein.
Wir sind sein Volk, die Schafe auf seiner Weide.
Tretet ein in seine Tore mit Danken und in seine Vorhöfe mit Loben.
Dankt iIhm und lobt seinen Namen.
Denn der Herr ist gut und seine Liebe wäret ewig. Seine Treue gilt für alle Generationen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

7. Bennett: The seasons of his mercies

God made sun and moon to distinguish seasons, and day and night,
and we cannot have the fruits of the earth but in their seasons;
but God hath made no decree to distinguish the seasons of his mercies.
In Paradise the fruits were ripe the first minute, and in Heaven it is always autumne.
His mercies are ever in their maturity.
If some King of the earth have so large an extent of dominion, in north and south,
as that he hath winter and summer together in his dominions,
so large an extent east and west as that he hath day and night together in his dominions, much more hath God mercy and judgement together.
He brought light out of darknesse, not out of a lesser light:
he can bring thy summer out of winter, though thou have no spring;
though in the ways of fortune or understanding or conscience, thou have been benighted till now;
wintered and frozen, clouded and eclipsed, damped and benummed, smothered and stupefied till now.
Now God comes to thee, not as in the dawning of the day,
not as in the bud of the spring,
but as the sun at noon, to illustrate all shadows, as the sheaves in harvest to fill all penuries.
All occasions invite his mercies, and all times are his seasons.

Gott schuf Sonne und Mond, um Tag und Nacht zu unterscheiden;
und die Früchte der Erde reifen nur in ihrer Jahreszeit:
aber Gott hat keine Verfügung erstellt, um die Zeit seiner Gnaden zu unterscheiden;
im Paradies waren die Früchte von vornherein reif, und im Himmel ist immer Herbst, seine Gnaden sind stets ‘reif’.
Wenn sich das Reich eines Königs so weit von Nord nach Süd erstreckt,
dass dort Sommer und Winter zugleich herrschen,
und so weit von Ost nach West, dass dort Tag und Nacht zugleich herrschen, so herrscht doch Gott noch viel mehr über Gnade und Gerechtigkeit.
Er schuf Licht aus der Dunkelheit, nicht aus weniger Licht:
er kann Winter in Sommer verwandeln, auch wenn es für dich keinen Frühling gibt;
obwohl du in deinem Schicksal, deinem Verständnis oder Gewissen,
bisher umnachtet warst, verwintert und vereist, umnebelt und umschattet, benommen und betäubt, erstickt und abgestumpft.
Nun kommt Gott zu dir, nicht im Morgengrauen des Tages,
nicht in den Knospen des Frühlings,
sondern in der Sonne des Mittags, um alle Schatten zu erhellen, wie die Garben bei der Ernte, um alle Scheunen zu füllen.
Jeder Stunde schenkt er seine Gnade und alle Zeiten sind seine Jahreszeiten.

8. Pott: My song is love unknown

My song is love unknown; my saviour’s love to me;
love to the loveless shown, that they might lovely be.
O who am I, that for my sake
my Lord should take frail flesh and die?

He came from his blest throne, salvation to bestow,
but men made strange, and none the longed-for Christ would know.
But O, my friend, my friend indeed,
Who at my need his life did spend.

Sometimes they strew his way, and his sweet praises sing;
resounding all the day hosannas to their king.
Then ‘crucify’ is all their breath,
And for his death they thirst and cry.

Why, what hath my Lord done? What makes this rage and spite?
He made the lame to run, he gave the blind their sight.
Sweet injuries! Yet they at these themselves displease, and ’gainst him rise!

They rise and needs will have my dear Lord made away;
a murderer they save, the prince of life they slay.
Yet cheerful he to suff’ring goes,
that he his foes from thence might free.

Here might I stay and sing, no story so divine;
never was love, dear king! Never was grief like thine.
This is my friend, in whose sweet praise
I all my days could gladly spend. Amen.

Mein Lied ist Liebe unbekannt; die Liebe meines Herrn,
der Liebe den Lieblosen gab, um liebevoll werden.
Oh wer bin ich, dass, ach, für mich, mein Herr bereit zu sterben ist?

Er kam vom höchsten Thron, als Heil zu uns hinab,
doch wir waren verstockt und wendeten uns ab.
Doch, oh, mein Freund, mein Freund der Not, durch deinen Tod wurd’ ich erlöst.

Sie streuten Palmen auf den Weg, lobsangen ja so gern;
sie riefen lauthals voller Kraft: ‘Hosanna unserm Herrn’.
Doch ‘Kreuz’ge ihn’ ist dann ihr Schrei und seinen Tod, den fordern sie.

Was hat mein Herr getan? Woher die Wut, der Hohn?
Er macht’ die Lahmen geh’n, die Blinden macht er sehn.
Oh süßes Leid! Doch sie ereifern sich und wollen sein Verderb!

Voll Eifer steh’n sie auf, den Herrn verschmähen sie;
Sie retten Barabas, den Heiland töten sie.
Doch freudig geht er in den Tod, um seine Feinde zu befrei’n.

Ich will hier steh’n und singen von deiner heil’gen Tat;
solch’ Lieb und Schmerz wie Deinen, es nie gegeben hat.
Er ist mein Freund, und Lob und Dank will ich ihm ewig bringen. Amen.

 
Title Page
Programme Notes
    Texts
Commentaire
    Textes Chantés
Kommentar
    Gesangstexte
Reviews
Credits
Tenebrae
Nigel Short
Release date: 6th June 2003
Order code: SIGCD501
Barcode: 635212052125
 

 

1 Jonathan Dove: Seek him that maketh the seven stars [6:28]
2 Francis Pott: The souls of the righteous [9:34]
3 Giles Swayne: Magnificat [4:05]
4 Sir John Tavener: Mother and Child [12:44]
5 Alexander L’Estrange: Lute-book lullaby [4:17]
6 Jeremy Filsell: O be joyful in the Lord [2:16]
7 Richard Rodney Bennett: The seasons of his mercies [6:23]
8 Francis Pott: My song is love unknown
[17:31]
 
Total running time: [63:22]

 


 

[images/index.htm] 03 August 2008