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A Songbook for Isabella
Music from the circle of Isabella
d’Este
Musica Antiqua
directed by Philip Thorby
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"a very satisfying compilation combining scholarship with sensuous
pleasure"
Peter Grahame Woolf, Musical Pointers |
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"a very civilized disc with music to charm and excite"
Gary Higginson, Ludwig Van Web |
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"pleasurable and abundant discoveries await the more
adventurous listener"
Michael Cookson, Music Web
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Kommentar ‘Wir haben
begonnen, die Viola zu erlernen, und hoffen, damit gut voranzukommen, denn
in den zwei Tagen, die wir uns nun damit beschäftigen, haben wir uns
überlegt, bei unserer Rückkehr nach Ferrara den Tenor zu Don Alfonso,
unserem Bruder, zu spielen.’ Mit diesen Worten offenbarte Isabella
d’Este (neun Jahre lang mit Francesco Gonzaga, dem Markgrafen von Mantua,
verheiratet) 1499 in einem Brief zwei wichtige Aspekte ihrer Rolle als
Musik-Mäzenin: sie war nicht nur Zuhörerin,
sondern auch Teilnehmerin, und sie spielte Saiteninstrumente, keine
Blasinstrumente. Isabellas musikalische Neigungen waren geprägt durch
ihre Kindheit und Jugend am herzöglichen Hof ihres Vaters Hercule d’Este
in Ferrara. Dieser wusste genau um die politische Bedeutung eines großen
musikalischen Haushalts und beschäftigte sowohl eine Capella als auch eine
Gruppe von Hofmusikern unter der Leitung des Brabanter Komponisten
Johannes Martini. Dieser war darüber hinaus für die musikalische
Unterweisung von Hercules Kindern zuständig, und Isabella lernte Singen
sowie Laute und Cembalo. Zeitgenössische Urteile über das Talent
aristokratischer Laien sind oft eher schmeichelhaft als wahrheitsgetreu,
aber Isabella schien wahre musikalische Begabung zu besitzen. Nach
ihrer Heirat im Jahr 1490 verwandelte sie den relativ bescheidenen
musikalischen Haushalt der Gonzagas nach dem Vorbild des väterlichen Hofs
und bat sogar darum, ihr den alten Lehrer Martini leihweise zu überlassen.
Und im Jahr 1499 wurde auch sie—wie ihr Brief bezeugt—von der neuesten
musikalischen Mode des Hofs von Ferrara ergriffen: Consorts der neuen
viole in ‘allen Größen dieser Welt’, wie ihr Bruder Alfonso es in einem
Brief ausdrückte. (Alfonso spielte 1502—zur Feier seiner Vermählung mit
Lucrezia Borgia—in einem Consort aus sechs viole.) Isabella begann
Instrumente für sich selbst und ihre Musiker zu erwerben, Lauten, Violen,
Tasteninstrumente—aber ganz sicher keine Blasinstrumente. Zwar
beschäftigte sie Piffari (‘Pfeifer’) und ließ ihre Gemächer im Palast von
Mantua mit Intarsien von Blasinstrumenten schmücken, aber es wäre ihrer
Wesensart und ihrem Geschlecht höchst unangemessen gewesen, selbst Flöte
oder Blockflöte zu spielen (im Gegensatz zu ihrem Fast-Zeitgenossen, dem
englischen König Henry VIII.), und ihr Rang verbot es ihr, etwa mit dem
Krummhorn oder der Schalmei zu musizieren. Im Kampf zwischen dem
Flötenspieler Pan und Apollo mit der Lyra stand Isabella ganz und gar auf
der Seite des mythischen Lyra-Spielers, und für sie war die viola
diesbezüglich die beste Entsprechung. Apollo sang zu seiner Lyra, und
die viola entwickelte sich nicht nur zum bevorzugten Medium
aristokratischer Instrumentalmusik, sondern auch zur idealen
Gesangsbegleitung. Unter Isabellas musikalischer Gönnerschaft entwickelte
sich die Tradition des improvisierten Liedes, bei dem der Sänger von einer
lira da braccio begleitet wird (in direkter Imitation des Apollo), zur
neuen Kunstform der frottola mit ihrer notierten, zwischen zwei, drei oder
gelegentlich auch vier Violen aufgeteilten Streicherbegleitung (Forte cosa
[29]). Isabella beschäftigte italienische Komponisten, führte ihre Musik
auch selbst auf und spielte damit eine wesentliche Rolle in der
Entwicklung dieser neuen, weltlichen Musik und des Violen-Consort, das
sich zur gleichen Zeit heranbildete. Die Instrumente Was genau waren
also diese viole, die die d’Este-Familie so in ihren Bann schlugen? Leider
sind uns keine Instrumente dieser Zeit überliefert, wir sind also für
Rekonstruktionen auf andere Quellen, schriftlich und in Bildern,
angewiesen. Schriftliche Hinweise (darunter viele Briefe an und von
Lorenzo da Pavia, Instrumentenbauer Isabellas) sind faszinierend, aber oft
vage und vieldeutig. Es geht nicht immer klar hervor, ob es sich bei einer
bestimmten viola nun um eine viola da gamba, eine viola da braccio, eine
lira da braccio mit flachem Steg oder sogar eine gezupfte viola da mano
handelt! Aber selbst diese Ungenauigkeit ist vielsagend, denn sie erinnert
uns daran, dass die Instrumente zu jener Zeit noch viel zu neu waren, um
feste Namen zu haben. Stattdessen wird der Sammelbegriff Viola durch eine
Beschreibung der Spielart ergänzt—mit der Hand, mit einem Bogen, in
Armhaltung oder Kniehaltung. Grundsätzlich waren die Instrumente fast
identisch, unterschiedlich war nur die Technik des Spielens. Im Laufe der
Zeit variierten Instrumentenbauer und Spieler die anfängliche Bauform, um
sie der jeweiligen Spielart anzupassen—ein flacher Steg zum Zupfen,
Einbuchtungen im Korpus des Instrument in Anpassung an den Bogen, ein
tieferer Korpus zum Spielen da gamba als zum Spielen da braccio usw. Aber
um 1500 befinden wir uns noch im Anfangsstadium dieser Entwicklung.
Anhand dieser Informationen wird es uns möglich, die bildlichen Zeugnisse
zu bewerten. In Bildern dieser Zeit erscheinen tatsächlich verschiedene
Formen der gestrichenen viole, mehr oder weniger naturalistisch und
gekonnt wiedergegeben. Jene von offensichtlich unglaubwürdiger Bauart—die
zumeist recht phantasievolle Interpretationen der klassischen Lyra zu sein
scheinen—können wir von vornherein ausklammern. Ferner suchen wir nach
einer direkten Verbindung mit dem Kreis um Isabella d’Este sowie nach
einer Form, die mehr als einer Art von viola gemein ist. Zu den von
Isabella unterstützten Künstlern gehörte auch Lorenzo Costa, und eines
seiner Gemälde zeigt ganz deutlich zwei mit Bünden versehende viole einer
Form, die auch in anderen zeitgenössischen Gemälden auftaucht. Dieselbe
Form erscheint darüber hinaus als Dekoration in Isabellas eigenem Gemach
in Mantua als eine lira da braccio. Das Instrument ist flach, mit konkaven
(d.h. geschnitzten) Zargen, und zeigt viele Gemeinsamkeiten mit späteren
Violen, Violinen und Vihuelas sowie früheren Fideln—ein idealer Kandidat
für unsere generische viola. Ein Gemälde, egal wie kunstvoll ausgeführt,
kann jedoch niemals alle strukturellen Elemente wiedergeben, die
letztendlich für Klang, Lautstärke und Spielweise des wirklichen
Instruments so ausschlaggebend sind. War die Rückseite flach oder
geschnitzt? Hatte das Instrument einen Stimmstock? Hatte der
Resonanzkörper Stützstreben? In Gesprächen mit Roger Rose am West Dean
College (Sussex, England) wurde beschlossen, die Instrumente mit
geschnitzten Rücken- und Vorderteilen sowie Zargen zu bauen, wodurch
weitere Verstärkung durch einen Stimmstock oder Streben im Resonanzkörper
überflüssig wurden. Statt der später üblichen sechs Saiten erhielten diese
Instrumente fünf, gestimmt nach einer Beschreibung von Ganassi aus dem
Jahr 1545, welche die typische Stimmlage des Repertoires um 1500
widerspiegelt. Das Ergebnis sind Instrumente (gebaut in der
Instrumentwerkstatt von West Dean), bei denen es sich nicht um ‘Kopien’
handelt (denn das wäre unmöglich), sondern um Nachbildungen nach dem
besten Stand des heute verfügbaren Wissens. Die Musik Unter den vielen
Schätzen der Bibliothèque Nationale de Paris befindet sich ein
handschriftliches Liederbuch (Ms. Rés. Vm7 676), das im Oktober 1502 von
oder für einen gewissen Ludovico Milliare zusammengestellt wurde. Es
enthält Hinweise, die darauf schließen lassen, dass es in Ferrara oder
noch wahrscheinlicher in Mantua entstand. Über Milliare wissen wir nichts—vielleicht
war er der Sängerknabe Ludovico aus Mailand, der um diese Zeit Mantua
besuchte und sehr bewundert wurde. Das Geheimnis um den Namen tut jedoch
der wunderbar reichhaltigen Sammlung von Vokal- und Instrumentalstücken,
so beliebt im Kreis der d’Estes, keinen Abbruch: die geehrte Burgunder
Tradition, unter anderem vertreten durch Carons Helas que pora [5] und
Busnois Fortuna desperata [2]; Stücke im italienischen Stil von flämischen
Komponisten in Italien (wie z.B. Josquins In te Domine [27] und Isaacs La
Mora [26]); Beispiel für die neue Frottole, gesungen mit Violen-Begleitung
(A la cazza [9], Or su corere [1], Forte cosa [29] usw.); und carmine sine
verbis, ideal für das instrumentale Viola-Spiel (z.B. El piove [13], Si
dedero [14], Absque verbis [24]). Hercule d’Este wird in diesem Manuskript
mit dem feierlichen Lied O triumphale diamante [18] geehrt, dessen
eingeschränktes Register und Piffari-ähnlicher Stil auf Krummhörner
schließen lassen. Aufgenommen wurde außerdem das Lied La mi [16] von
Isaac, das dem Herzog in einem Brief von seinem Gesandten empfohlen wurde;
obwohl es nicht im Manuskript enthalten ist, besteht eine enge Verbindung
mit Hercule sowie mit der anonymen frottola La mi la sol la mi gia vol
[17] aus dem Liederbuch, welche die Einbeziehung rechtfertigt. Ein
attraktives Merkmal der Sammlung sind ihre geistlichen Lieder, zumeist
nicht liturgisch und anscheinend für private Andachten bestimmt, vom Kyrie
leison [10], in dem Anrufungen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes mit Gebeten an die Heilige Jungfrau abwechseln, über zwei
Vertonungen des Ave maris stella (zu einem Lied verschmolzen in [15]) bis
zum lebhaften, zweistimmigen Weihnachtslied Ne la digna stalla [21]. Die
CD wurde durch einige weitere Stücke ergänzt, die nicht aus dem Liederbuch
stammen. Die Tänze und Lautensolos wurden anderen zeitgenössischen Quellen
entnommen, und die Verbindung von Ockeghems Kanon Prenez sur moy [4] mit
dem Hof von Mantua ist ganz eindeutig belegt: Isabella bewunderte das Lied
so sehr, dass sie es als Fries um die Wände ihres Gemachs malen ließ!
Philip Thorby, Dezember 2002 Gesangstexte
1. Or su corere
Or su corere voglio à morte
e satiare la mia fortuna
Ne pigliar vo scuxa alcuna
Per impire questa mia sorte.
Or su…
Se mia sorte e ancora mio stato
Cusi vol amor chio mora
E cosi sia ancora destinato
Trare lalma meza fora
Questo e quello che più machora
Che consenti alla mia morte.
Or su…
Palesare piu chiaro non voglio
Basta assai a chi m’intende
Ma ben moro di cordoglio.
Che’l dol mio lei non apprende
Ne il core manchante difende
Patientia vol mia sorte
Or su corere vo a la morte.
Or su…
La mia morte fia notoria
Ne le gente saran mute
Sara facto al mondo historia
Fra li monti e silve tute
Lasaran le lingue asciute
A parlar de la mia morte.
Or su…
Nun will ich in meinen Tod eilen
Und mein Schicksal erfüllen.
Ich werde nicht davor scheuen,
Dies Geschick zu erleiden
Nun will ich…
Da mein Geschick und mein Zustand
die Liebe so ersehnen wie den Tod,
bin ich bereits dafür ausersehen,
meine halbe Seele hinzugeben.
Doch was mir den Todesstoß gibt, ist,
Dass du meinem Tod beistimmst.
Nun will ich…
Ich will es nicht klarer aussprechen,
Dies ist genug für die, die mich verstehen,
Doch ich sterbe wirklich vor Schmerzen,
Weil sie meine Pein nicht versteht
Und mein ermattetes Herz nicht schont.
Mein Schicksal erfordert Mut und Stärke.
Nun will ich in meinen Tod eilen.
Nun will ich…
Mein Tod wird bekannt werden,
Und man wird darüber reden.
Alle Welt wird davon wissen,
Und alle Berge und alle Wälder.
Ihre Zungen werden vertrocknen,
Durch ihr Reden über meinen Tod.
Nun will ich…
3. Facia ognon in fin che pò
Facia ognon in fin che pò,
che fortuna presto pasa
E s’alcun fugirne lasa,
spese in van la segue po’.
Pigli exemplo ogne mortale
de la amara penna mia
el pentir tardo non vale,
se fortuna fuge via.
Chi non fa fin che ha in alle,
quando vol non pò poi far.
Facia ognon in fin che pò
Per ho ne òl da biasimar,
chi non fa per fin che pò
Facia ognun in fin che può…
In un puncto il cielo sereno,
pò cangiarsi e farsi sano
Chi più pensa ne scia meno,
de le cosse del [sorazo]
Facia ognun in fin che pò…
Quel che ne quelo si sciano,
ogno indusio prende a vano
Per ho merta gram suplitio,
chi non fa per fin che pò
Facia ognun in fin che pò...
Le disgratie sono apresso
sempre all’hom in ogne loco,
Per ho quel e’ben da poco,
che non fa per fin che può.
Facia ognun in fin che pò,
che fortuna presto pasa
Le disgratie sono apresso .
Tue es jeder, solang er kann,
denn das Glück eilt schnell davon,
und lässt es einer leicht entflieh’n,
dann hat das Jagen keinen Sinn.
Drum sei gewarnt ein jedermann,
durch meine eigne bittre Pein,
denn was nutzt die Reue schon,
wenn das Glück dir ist entfloh’n.
Wer es nicht tut zur rechten Zeit,
kann es nicht tun, wenn er bereit.
Tue es jeder, solang er kann,
denn ich klage jeden an,
der es nicht tut, solang er kann.
Tue es jeder, solang er kann…
Der heitre Himmel kann im Nu
mit Sturmeswolken sich verdunkeln.
Wer zu viel denkt, versteht nicht viel
von Dingen, welche Freude bringen.
Tue es jeder, solang er kann...
Wer sich nicht schnell entscheiden kann,
dem hilft sein langes Zögern nicht.
Wer es nicht tut, solang er kann,
verdient zurecht die bittre Pein.
Tue es jeder, solang er kann…
Das Unglück, das holt jeden ein,
zu jeder Zeit, an jedem Ort,
drum ist ein jeglicher ein Tor,
der es nicht tut, solang er kann.
Tue es jeder, solang er kann,
Denn das Glück eilt schnell davon
Und das Unglück folget schon.
4. Prenez sur moy
Prenez sur moy vostre exemple amoureux
commencement d'amours est savoureux.
E le moyen plein de peine et tristesse,
et la fin est d'avoir plaisant maitresse.
Mis au saillir sont les pas dangereux.
Meine Fibel der Liebe ist beispielhaft, köstlich ist der Anfang der Leidenschaft.
Die Mitte ist voller Schmerz und Pein, der Endlohn ist ein Liebchen fein, doch
der 'Angriff' erfordert mufige Kraft.
6. Or che son di pregion
Or che son di pregion fora,
lamentare non mi vo’ più.
Cantare voglio
il turlurù turlurù turlurù,
lamentare non mi vo più.
Vise un gran tempo in tormento,
di speranza al tutto privo.
Tra suspiri e gran lamento,
facto som del mio mal schivo.
Or che son de pregion fora…
Hor ch’al mondo sciolto io vivo
lamentare non mi vo più
Turlurù, Turlurù…
Ogno ucelo sul verde ramo,
dolze più morire le labia
che in pregio afflicto e gramo,
col cantare sfoga sua rabia.
Sì che essendo fora di gabia,
lamentare non mi vo più.
Turlurù, turlurù…
In pregion molt’anni ho spexo
sotto ingrata accerba sorte.
Fu chel vivere non intexo
che chiamare potea morte.
Or che son de pregion morte,
or ch’a pecto me l’à prexo
lamentare non mi vo più.
Turlurù, turlurù…
Se fu mæsto or som jocundo
de penseri affanni cargo
poi ch’el celo m’è facto parco.
Tanto il vento m’è segondo
ch’a piacere mi trovo il vargo.
Lamentare non mi vo più.
Turlurù, turlurù…
Nun, da ich dem Kerker entflohen bin,
Will ich nicht mehr klagen.
Ich möchte singen
das Turluru, Turluru, Turluru
Ich will nicht mehr klagen.
Ich habe lange Qualen erlitten,
jeder Hoffnung beraubt,
Ich war umgeben von Seufzern und Wehklagen,
doch davon will ich nicht sprechen.
Nun, da ich dem Kerker entflohen bin ….
Nun, da ich frei in der Welt atme,
will ich nicht mehr klagen.
Turluru, turluru…
Jedem Vogel erscheint es süßer
auf dem grünen Zweig zu sterben
als voller Kummer und Gram
in einem elenden Käfig zu singen.
Nun, da ich dem Kerker entflohen bin,
will ich nicht mehr klagen.
Turluru, turluru…
Ich habe viele Jahre im Kerker geschmachtet,
war Opfer eines harten Geschickes.
Mein Leben war kein Leben,
mein Leben war wie der Tod.
Nun, da ich dem Kerker entflohen bin,
jetzt, da mein Herz sich wieder freut,
will ich nicht mehr klagen.
Turluru turluru…
Meine Verzweiflung hat sich in Freude verwandelt, seitdem mich der gütige Himmel
befreit hat von bittren Gedanken und Sorgen.
Da sich der Wind nun gewendet hat
und ich jetzt dem rechten Kurs folgen kann,
will ich nicht mehr klagen.
Turluru turluru…
9. A la cazza
A la cazza a la cazza su su,
su su, ogn’or se spazza.
A questa nostra cazza venite volontera
cum li brachi e levreri,
chi vol venire se spazza,
che l’è tempo d’andare.
Sona lo corno capo di cazza.
Spazza spazza spazza
A la cazza a la cazza
A la cazza a la cazza!
Te qui Balzan, te qui Liom,
te qui Fasan te qui Falcon,
te qui Tristan, te qui Bigon,
te qui Alan, te qui Carbon,
chiama li brachi dal monte Babion.
te qui Pezole, te qui Spagnolo
habi bon ochio al capriolo.
A te Bigeto, a te Pasalaqua,
videlà, videlà, videlà, videlà, videlà.
Al colo, al colo, pigliala,
’che li cani non la straza!
Te qui Balzan, te qui Liom!
Auf zur Jagd, auf zur Jagd, kommt mit,
kommt mit zur lustigen Jagd.
Brecht freudig auf zu unserer Jagd,
mit euren Jagd- und Hasenhunden.
Wer Lust hat, der komme zur Jagd,
Denn dies ist die rechte Zeit.
Das Horn des Jagdmeisters erschallt
Juchee, Juchee, Juchee,
Auf zur Jagd, auf zur Jagd!
Auf zur Jagd, auf zur Jagd!
Du hier, Balzan! Du hier, Liom!
Du hier, Fasan! Du hier, Falcon!
Du hier, Tristan! Du hier, Bigon!
Du hier, Alan! Du hier, Carbon!
Ruft eure Meute vom Berg Babion.
Du hier, Pezole! Du hier, Spagnolo!
Haltet Ausschau nach dem Hirsch!
Und du, Bigeto! Und du, Pasalaqua!
Seht dort, seht dort, seht dort, seht dort!
Trefft den Hals, trefft den Hals, packt ihn,
So dass die Hunde ihn nicht zerreißen!
Du hier, Balzan! Du hier, Liom!
10. Kyrie leison
Kyrie leison
Pater de celis deus miserere nobis
Sancta Maria ora pro nobis.
Kyrie leison
Filius redemptor mundi miserere nobis
Sancta virgo virginum ora pro nobis.
Kyrie leison
Spiritus sanctus deus miserere nobis
Sancta dei genitrix ora pro nobis.
Herr, erbarme Dich,
Vater im Himmel, erbarme Dich unser,
Heilige Maria, bete für uns.
Herr, erbarme Dich,
Sohn Gottes, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser,
Heilige Jungfrau unter den Jungfrauen, bete für uns.
Herr erbarme Dich,
Heiliger Geist Gottes, erbarme Dich unser,
Heilige Mutter Gottes, bete für uns.
11. Colomba senza fielle
Colomba senza fielle in corpo humano
Soccori per pietade el misero servo.
Porge al mio aiuto la tua biancha mano
Leva quel foco che mi strugie esnerva.
In me senso non è che sia più sano:
Si como al fin si trova el stanco cervo.
La forza cercho de pietade in vano.
Lasso per sol penar la vita servo.
Taube ohne Bitterkeit in menschlicher Gestalt,
Erbarme dich deines Dieners und helfe ihm.
Strecke mir deine weiße Hand hilfreich entgegen, tilge das Feuer, das mich
zerstört und meine Kräfte verzehrt.
Ich bin mir keiner klaren Gefühle mehr mächtig, Wie der Hirsch, der am Ende der
Jagd ermattet.
Vergeblich suche ich nach der Kraft deines Mitleids.
Ich Armer! Ich lebe wie ein Sklave, nur um zu leiden.
15. Ave maris stella
Ave maris stella
Dei mater alma
Atque semper virgo
Felix coeli porta.
Sumens illud Ave
Gabrielis ore,
Funda nos in pace,
Mutans Evae nomen.
Solve vincla reis,
Profer lumen caecis:
Mala nostra pelle,
Bona cuncta posce.
Monstra te esse matrem:
Sumat per te preces,
Qui pro nobis natus,
Tulit esse tuus.
Virgo singularis,
Inter omnes mitis.
Nos culpis solutos,
Mites fac et castos.
Vitam praesta puram,
Iter para tutum:
Ut videntes Jesum,
Semper collaetemur.
Sit laus Deo Patri,
Summo Christo decus,
Spiritui Sancto,
Tribus honor unus. Amen.
Heil Dir, Stern des Meeres,
Milde Mutter Gottes,
Ewige Jungfrau,
Gesegnetes Himmelstor.
Du, die das ‘Ave’ vernommen hat
Von den Lippen Gabriels,
Erhalte uns in Frieden,
Verwandlerin des Namens Eva.
Löse die Ketten der Schuldigen,
Erleuchte die Augen der Blinden;
Vertreibe unsere Übeltaten,
Gib uns alles Gute.
Erweise Dich als unsere Mutter;
Möge er unsere Gebete durch Dich erhören,
Er, der für uns geboren,
Sich Dir gegeben hat.
Jungfrau ohne Gleichen,
Mildeste unter allen Frauen,
Führe uns, erlöst von unseren Sünden,
Zur Güte und Reinheit.
Schenke uns ein reines Leben,
Bereite uns einen guten Weg,
so dass wir im Angesichte Christi,
uns ewig freuen können.
Ehre sei Gott dem Vater,
Und Jesus Christus im Himmel,
Und dem Heiligen Geist,
Der Dreieinigkeit. Amen.
17. La mi la sol la mi già vol
La mi la sol la mi già vol lei non vogl’io mò.
Mì sul mio e lei sul sò,
mi si lei no mì no lei sì.
Quando il ferro era afocato,
martelar doveasi alora.
Mo che l’è in so’ primo stato
ch’il percotte in van lavora.
Corsi io già lei fu qual scoglio,
vol or lei mi qual colona.
Se gia voles or più non voglio
non li scrazzo più la gona.
Mì mio homo lei sua dona,
più non passo per de lì.
La mi la sol la mi…
La mi la sol, sie begehrt mich jetzt, doch ich begehre sie nicht.
So ist sie alleine und ich bin alleine.
Sage ich Ja, sagt sie Nein, sage ich Nein, sagt sie Ja.
Man sollte das Eisen schmieden,
wenn es heiß ist.
Doch nun ist es kalt, und kein Schmieden hilft.
Früher habe ich sie umworben, doch sie war wie Marmor, jetzt begehrt sie mich,
doch ich bin wie eine Säule aus Stein.
Wenn sie mich begehrt, begehre ich sie nicht mehr, ich hänge nicht mehr an ihrem
Rockzipfel.
Ich bin mein eigener Herr und sie ihre eigene Dame. Ich gehe nicht mehr in ihre
Nähe.
La mi la sol la mi…
18. O triumphale diamante
O Triumphale diamanto nobile e lucento,
colona di forteza et de vigore,
O fonte de prudentia almo e posento
di tuta Italia forza et sumo honore.
Ciascun nel mondo di tue lolde scriva.
El Papa cum la Franza alta e patento
tieco ligati sono cum gran amore.
Viva il grand’Hercule col diamante,
viva viva!
Oh, triumphaler Diamant, edel und glänzend,
Stützpfeiler voller Stärke und Kraft,
Oh, lebensspendender Born der Weisheit,
Stärke und höchste Ehre von ganz Italien.
Alle Welt soll dich lobpreisen.
Der Papst und das edle, mächtige Frankreich
sind dir in großer Liebe ergeben.
Lang lebe der große Herkules mit dem Diamanten!
Lang möge er leben!
21. Ne la digna stalla
Ne la digna stalla sta lo dolze bambino
cantan li angielli in’ torno al picolino.
Fan festa e ridon gli anzolli dilecti
tuti reverenti timidi et sugieti
al belo bambino principe di electi
che nudo iace sul pongente spino.
E quel iace nudo de senza copertura
ognuno canta gloria in altura.
E tuti stupiscon che in tanta bassura
sia declinato il verbo in bambino.
Il verbo divino che sumo sapiente
in questo giorno par non sia niente.
Questo e il verbo incarne ha mandato
de sponte suo il volere divino.
O bonta divina o padre che pensasti
quando il fiolo Jhesu incarnasti?
Questo cecho mondo tu ricomparasti
crucifixendo quel corpo si fino.
E lo fino corpo del sangue de Maria
è dato inguardia a sancta compagnia.
Al vecchio Joseph con la virgene pia
con grande ardore mira il fiolino.
A la dolze madre vergene Maria,
coremo tuti col cor tanto pia.
Ch’aiuta e difenda l’anima mia
de per amore del suo dolze picino
Adoremo tuti il verbo incarnato:
Jhesu bambino ch’a noi è hogi nato.
In dem edlen Stall liegt das süße Kind,
Die Engel singen um es herum.
Sie jauchzen und lachen die lieben Engel,
voller Ehrfurcht und voller Zartheit,
da sie das schöne Kind sehen, den erkorenen Prinzen,
der nackend liegt auf den stechenden Dornen.
Er liegt bloß und ohne Kleider
und alle singen ‘Ehre sei Gott in der Höhe’.
Und jeder verwundert sich, dass das heilige Wort
als Kind zu dieser niedrigen Stätte gekommen ist.
Das göttliche Wort, den Weisesten unter den Weisen, der heute in ärmster Gestalt
erscheint.
Ihn und das fleischgewordene Wort
Hat der göttliche Wille selbst gesandt.
Oh, göttliche Güte, oh Vater, was dachtest Du,
Als Du Deinen Sohn Fleisch werden ließest?
Du hast diese blinde Welt gerettet
durch die Kreuzigung dieses herrlichen Leibes.
Und der herrliche Leib von Marias Blut
wrd von den Scharen der Heiligen betreut.
Mit tiefer Inbrunst schaut der kleine Sohn
zum alten Joseph und zur heiligen Jungfrau empor.
Zur holden Mutter, der Jungfrau Maria
Lasst uns eilen, denn sie ist heilig.
Möge sie meine Seele erretten und schützen,
oh, um die Liebe des süßen Kindes.
Lasset uns alle das fleischgewordene Wort anbeten: das Kind Jesus, das uns heute
geboren ist.
27. In te, Domine, speravi
In te, Domine, speravi
per trovar pietà eterno;
ma in un tristo e scuro inferno
fui, e frusta laboravi.
Suspir, lachryme m’avanza
del mio tristo sperar tanto;
fu’ ferito, se non quanto
tribulando ad te clamavi.
Et hor poco al dolor mio
per mio dir vien proveduto.
Deh! Signor, porgime adiuto,
quia de me iam desperavi.
In te Domine speravi
per trovar pietà eterno.
Auf Dich, oh Herr, hoffe ich,
auf Dein ewiges Erbarmen.
Doch ich war in der finstersten Hölle,
und habe mich vergeblich bemüht.
Mir bleiben nur noch Seufzer und Tränen
von all meinen traurigen Hoffnungen;
Ich bin verwundet worden, doch
ich habe Dich in meinem Kummer angerufen.
Und nun, trotz meiner Klagen,
werden meine Schmerzen kaum gelindert.
Oh Herr! Schenke mir Deine Hilfe,
denn ich habe mich meinem Schicksal ergeben.
Auf Dich, oh Herr, hoffe ich,
auf Dein ewiges Erbarmen.
29. Forte cosa è la speranza
Forte cosa è la speranza,
che mantene ogno arse core.
E crescendo el nostro ardore,
col sperare sol m’avanza.
Questa fa parer, con questa alevia ognun
che viva in pene et in doglie.
E fa crescere nostre voglie.
Ni per lei mai si distoglie
un amor fido e sincero,
cusì tiene tra noi l’impero,
questa dea dicta speranza.
Forte cosa è la speranza…
Questa sol pasce li amanti,
e li induce a novi fochi,
e li fa nel mal constanti,
che li strugie a pocho a pochi.
Cusì regna in ogne loci,
questa dea nel ben sperare.
No si pò mai bene amare,
se non s’à ferma speranza.
Forte cosa è la speranza…
Chiunque vive senza spene,
lasi pur d’amor l’impresa.
Se non vol accrescere penne,
e l’ardore che tant pesa.
Che non si pò far difesa
contra amore perfido e crudo,
se non fusse sto forte scudo,
de la ferma e ver speranza.
Forte cosa è la speranza…
Dunque su questa prendiamo,
questa sie la nostra guida.
Se volemo nui che amamo,
e haver scrota bona e fida.
Chi in questa si confida,
presto presto il porto prende.
Or non più che si comprende,
quanto val questa speranza. Die Hoffnung ist eine große Macht,
und nährt jedes entflammte Herz.
Und wenn unsere Inbrunst wächst,
ist die Hoffnung unsere einzige Stütze.
Hoffnung schafft Glauben und erleichtert die Bürde aller, die in Liebe
dahinschmachten. Sie steigert unser Verlangen.
Dank ihr gerät treue, ehrliche Liebe
niemals ins Schwanken,
denn sie regiert über uns,
die Göttin der Hoffnung.
Die Hoffnung ist eine große Macht …. Sie allein ernährt die Liebenden,
und führt sie neuen Flammen entgegen,
so dass sie die gleichen Fehler begehen,
die sie langsam verzehren.
Diese Göttin regiert überall dort,
wo es etwas zu hoffen gibt.
Niemand kann wirklich lieben,
ohne die Hilfe der Hoffnung.
Hoffung ist eine große Macht ….
Wer immer ohne Hoffung lebt,
sollte das Spiel der Liebe meiden.
Um seinen Schmerz nicht zu steigern
und nicht vor Leidenschaft zu vergehen. Nur der kann sich wehren gegen
die verräterische und grausame Liebe,
der das mächtige Schild
Fester und echter Hoffnung besitzt.
Hoffung ist eine große Macht …. Daher sollten wir sie
zu unserer Schutzherrin ernennen.
Wenn wir lieben möchten
und eines guten, treuen Schutzengels bedürfen.
Dann werden alle, die auf sie bauen,
endlich ihr Ziel erreichen.
Nun werdet Ihr verstehen,
wie groß die Macht der Hoffung ist. |