| ||||||||||||||||||||||
|
Un'alma innamorata Linda Perillo (Soprano) with Cordaria As featured on the cover of Classic FM magazine, March 2003
Die Einführung des Basso continuo war einer der entscheidenden Momente in der Geschichte der Musik. Der Generalbass, über dem ein Tasteninstrument oder eine Laute Harmonien anhand eines Figurensystems improvisieren konnte (und das im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts mit zunehmender Virtuosität), erübrigte schlagartig die Notwendigkeit großer Ensembles. Anstelle eines Chors mit Bläser- und Streichergruppen konnte eine beliebige andere kleine Gruppe alle gewünschte Musik spielen. Eine geringere Anzahl von Spielern bedeutete, dass nun die Melodie statt dem Kontrapunkt in den Mittelpunkt rückte, und aufgrund der Intimität der Gruppe konnte man auch freier mit dem Tempo umgehen. Im Zuge der Entwicklung virtuoser Techniken und improvisierter reicher Verzierungen in den frühen Jahren des 17. Jahrhunderts erschienen zahlreiche äußerst komplizierte Solomotetten und -sonaten. Die Kombination von Solostimme mit einem Instrument und Continuo wurde gang und gebe, wobei wahrscheinlich Stücke für Violine am meisten verbreitet waren. Der deutsche Komponist Nicolaus Bruhns führte das Genre angeblich an die äußerste Grenze des Minimalismus, indem er die Solostimme sang, die Begleitung mit Doppelgriff auf seiner Violine zum Besten gab und die Bassstimme mit den Füßen auf den Orgelpedalen spielte! Samuel Capricornus (1628-1665) gehört zu denjenigen Komponisten, die zu früh sterben. Bevor er sich 1657 als Kapellmeister in Stuttgart niederließ, hatte er in Wien, Straßburg und Preßburg (heute Bratislava) gearbeitet. Obwohl einige seiner veröffentlichten Werke groß angelegt sind, war Capricornus in erster Linie ein Meister der Miniatur. Sein Surrexit pastor bonus (die Vertonung einer Stelle aus dem Evangelium des Johannes) ist in der Düben-Manuskriptsammlung überliefert, die sich in der Universitätsbibliothek von Uppsala in Schweden befindet. Nach einer kurzen Einleitung ahmen Violine und Singstimme einander dialogisch nach. Daraufhin übernimmt die Singstimme eine rezitativartige Passage, gefolgt von einer erneuten Zusammenführung mit der Violine und einem abschließenden Halleluja im tanzenden Dreitakt. Tarquinio Merula (c.1595-1665) war Organist an mehreren bedeutenden Orten Italiens, darunter an der S. Maria Maggiore in Bergamo. 1623 wurde er eingeladen, eine ähnliche Rolle am Hof des Königs von Polen zu übernehmen. Seine Motette für Sopran, Violine und Continuo, die Cantate jubilate, stammt aus Il primo libro de motetti e sonate concertati, Op. 6, veröffentlicht in Venedig im Jahr 1624 von dem bekannten Drucker Vincenti. Die Tatsache, dass der Band einem Mitglied der einflussreichen Gonzaga-Familie gewidmet war, deutet darauf hin, das er darum bemüht war, seine Beziehungen in Italien weiterhin zu pflegen, und in der Tat kehrte er 1628 zurück in sein Heimatland. Er muss ein etwas komplizierter Charakter gewesen sein, da er allerorts auf Schwierigkeiten stieß. Merula war nicht nur einer der ersten venezianischen Komponisten, der Streichinstrumente mit Solostimmen kombinierte, er stand auch an der Spitze neuer musikalischer Entwicklungen. Dies zeigt seine Motette, in der das immer wiederkehrende Halleluja im Dreitakt an ein Ritornello erinnert. Buxtehudes (c.1637-1707) Singet dem Herrn ein neues Lied (Bux WV98, eine Vertonung der Verse von Psalm 98) stammt ebenfalls aus der Düben-Sammlung. In der Tat waren Buxtehude und Gustav Düben (der die Sammlung begann) befreundet, und viele von Buxtehudes Kompositionen sind deshalb überliefert, weil er sie seinem Freund in Schweden zuschickte. Die Motette weist in ihrem Aufbau Ähnlichkeiten mit der von Capricornus auf: nach der einleitenden Sonate werden Stimme und Violine im Dialog zusammengeführt und daraufhin folgt ein rezitativartiger Teil nur für Singstimme und Continuo. Doch dann nimmt das Stück eine andere Wendung, und zwar in Form eines virtuosen Zwischenspiels für die Violine. Dies führt zu einem weiteren Dialog und Rezitativ, gefolgt von einer Passage, in der Singstimme und Violine Ideen austauschen. Nun wird die einleitende Sonate wiederholt, woraufhin Sänger und Violine sich mit dem Bass zu dem ‘singet, rühmet und lobet’ im Dreitakt vereinen. Besonders verblüffend ist jedoch das ungewöhnliche Ende! Es mag vielleicht ein wenig überraschend sein, dass der Violinenvirtuose Antonio Vivaldi (1678-1741) scheinbar nur eine Kantate für Singstimme mit Solo-Violinbegleitung komponiert hat. Lungi dal vago volto (RV 680)—wiederum eine Schilderung der unerfüllten Liebe eines Schäfers—folgt dem traditionellen Muster von zwei gepaarten Rezitativen und da capo Arien. Im ersten Paar kontrastiert er den herrlichen Gesang der Vögel im Walde mit seinen eigenen Tränen. Im zweiten Paar, in dem die Violine mit Doppelgriff spielen muss, ist er entschlossen, sein Glück erneut zu versuchen, und schwört unsterbliche Treue. Daniel Purcell (c.1664-1717) stand immer etwas im Schatten seines älteren Bruders. Seine Kantate Amintas hält sich an die traditionelle Form: den beiden Arien gehen zwei relativ kurze Rezitative voran. Merkwürdigerweise wird jedoch von dem Sänger erwartet, dass er sowohl die Rolle des Erzählers als auch die der beiden Figuren in dieser Minioper übernimmt. Das einleitende Rezitativ schildert die vergeblichen Bemühungen des unglücklich verliebten Amintas, seine Nymphe von seiner Treue zu überzeugen; nach seiner Arie erfahren wir, dass sie halb bereit ist, nachzugeben, doch in der letzten Arie fragt sie sich, warum sie ihre Freiheit aufgeben sollte. Purcells Kantate stellt seine Fähigkeit als Komponist unter Beweis, vor allem in der Art, wie er die Violine einsetzt—manchmal als Begleitung, manchmal als Basslinie (wenn der Continuo ausfällt) und manchmal als Hauptstimme. Seine Six Cantatas von 1713 zählen zu den ersten Beispielen des Genres mit englischen Texten. Da zu der Zeit die italienische Oper in Mode war, hatten Komponisten, die sich für dieses Medium nicht interessierten, kein leichtes Spiel. Obwohl die Kantaten etwas kürzer sind als ähnliche spätere Werke von Arne und Stanley (und sogar englische Lieder von seinem älteren Bruder), erinnern sie dennoch an Stücke von Alessandro Scarlatti und seinen neapolitanischen Zeitgenossen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Hamburg ging der junge sächsische Komponist, Georg Friedrich Händel (1685-1759) nach Italien, um seine Karriere zu fördern. Er hatte das Glück, einige der führenden Persönlichkeiten des Kulturlebens von Rom als Schirmherren zu gewinnen und dadurch Kontakte mit ein paar der hervorragendsten Virtuosen des Landes zu knüpfen—nicht zuletzt mit dem Violinisten Arcangelo Corelli. Zu Händels außergewöhnlich zahlreichen Kompositionen aus dieser Zeit zählen das hervorragende Oratorium La Resurrezione, weitere Kirchenmusik (wie etwa die Psalmvertonungen und -motetten, bekannt unter dem Namen Carmelite Vespers) sowie eine frühe Oper. Ebenfalls überliefert sind kleinere Werke wie etwa die Kantate Un’ alma innamorata (HWV 173). Diese ist länger als die anderen Werke des 18. Jahrhunderts auf dieser Aufnahme, da sie aus drei Paaren von Rezitativ und Arie besteht. Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass die dritte Arie einer Sarabande ähnelt (ein Tanz im Dreitakt mit einem starken zweiten Taktschlag) und Violine und Sänger durchweg vereint bleiben. Die Kantate wurde am 30. Juni 1707 kopiert und zur Unterhaltung für den Marchese Ruspoli verfasst—einer der Schirmherren des Komponisten in Rom. Georg Philipp Telemann (1681-1767) war ein scharfsinniger Komponist. Nicht nur schrieb er mehr Musik als alle seine Zeitgenossen, es gelang ihm auch, Geld damit zu verdienen, indem er seine Werke gravieren ließ und sie dann auf Abonnementbasis oder in Serienform verkaufte. Die 72 Kantaten der ersten Ausgabe des Harmonischen Gottesdienstes, der 1725 und 1726 in Hamburg herausgebracht wurde, sind für Solostimme mit verschiedenen Soloinstrumenten und Continuo komponiert—eine für jeden Gottesdienst des lutheranischen Kirchenjahrs. Zwei Arien sind durch ein etwas ‘deklamatorisches’ Secco-Rezitativ unterteilt (das heißt, dass das Soloinstrument während dem Mittelsatz aussetzt). Gott will Mensch und sterblich werden war für das Fest von Maria Verkündigung vorgesehen. Brian Clark, Juni 2002 [1] Surrexit Pastor Bonus Surrexit pastor bonus, Der gute Hirte, der sein Leben für seine Schafe gegeben hat und dazu auserkoren war, für seine Herde zu sterben, ist auferstanden. Halleluja. [2] Cantate Jubilate Cantate, jubilate, exultate et psallite. Alleluia. Jauchzet, singt und spielt jubilierend! Halleluja. 3 Dietrich Buxtehude: Singet dem Herrn
Sinfonia [4] Daniel Purcell: Amintas
Recitative
Aria
Recitative
Aria
Rezitativ
Arie
Rezitativ
Arie [5-8] Antonio Vivaldi: Lungi dal vago volto Recitativo Aria Recitativo Aria Rezitativ Arie Rezitativ Arie [9-13] Georg Frederic Handel: Un’alma innamorata
Recitativo
Aria
Recitativo
Aria
Recitativo
Aria
Rezitativ
Arie
Rezitativ
Arie
Rezitativ
Arie [14-16] Georg Philipp Telemann: Gott will Mensch und sterblich werden Arie Rezitativ Arie |
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||