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Wordplay
Instrumental
versions of madrigals and chansons from 16th century Italy
Musica Antiqua
Philip Thorby (director)
Jacob Heringman
Alison Crum
John Bryan
Roy Marks
Andrew Kerr
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"... played dextrously by Philip Thorby ... played
wonderfully expressively by Alison Crum ... in Jacob Heringman’s athletic rendering" Gary Higginson, Ludwig Van Web |
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"Word Play is the disc to buy...an outstanding recording."
Early Music Review
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"high standard of playing ... thoughtfulness of the
programmatic choices, and the tasteful interpretations ... the sound
is excellent" ClassicsToday.com |
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Kommentar
Für all jene, die maßgeblich an der musikalischen Renaissance
Italiens im 16. Jh. beteiligt waren, hatten Worte einen höheren
Stellenwert als Musik—Lieder waren also eine höhere Kunstform als
Instrumentalmusik. Komponisten, die der Versuchung kontrapunktischer
Affektiertheit widerstanden, waren hoch angesehen—und jene, die wie
Cipriano da Rore die natürlichen Rhythmen der italienischen Sprache
beachteten, die gleichzeitige Deklamation mehrerer Textzeilen vermieden
und in allen Stimmen ihrer Madrigale ähnliche Notenwerte verwendeten,
ernteten das höchste Lob. Graf Giovanni de Bardi, ein führendes Mitglied
der Camerata von Florenz, beschrieb die neuen Regeln, die im 16.
Jahrhundert die legendäre Kraft der Musik aus den Zeiten der Klassik
wieder aufleben lassen sollten. In seiner Abhandlung von ca. 1580 (Discorso
mandato a Giulio Caccini) gibt er die Ansichten anderer
Camerata-Mitglieder wie Vincenzo Galilei wieder: Worte sind für die
Musik, was die Seele für den Körper ist; Kontrapunkt ist nur in der
Instrumental-musik angemessen; besonders verachtet wird der
Kompositionsstil, bei dem der Sopran auf der Terrasse des Palasts der
Musik umherflattert, gekleidet in Viertelnoten und Triller, während
Signor Bass im Keller herumtrampelt und seine Schritte in Brevis und
ganzen Noten abmisst!
Angesichts dieser strengen Regeln scheint es vielleicht unsinnig, ein
Konzert reich verzierter Vocalmusik in Instrumentalfassungen zu präsentieren.
Die Einbeziehung von Werken, die auf genau jenen von Bardi so bewunderten
Neoklassizisten (Willaert und da Rore) basieren, wirkt möglicherweise gar
wie eine Beleidigung der Camerata. Doch obwohl es vielleicht widersprüchlich
anmutet, existierten die beiden Stränge minimalistischer Reinheit und
virtuoser Aufwändigkeit nebeneinander und fanden Inspiration in den
gleichen klassischen Idealen und den gleichen Komponisten.
Im Jahr 1535 veröffentlichte Sylvestro Ganassi, ein ‘Sonator’
(Instrumentalist) am Hof des Dogen von Venedig, sein erstes Werk La
Fontegara. Diese Abhandlung über die ‘wahre Kunst des Blockflötenspiels’
enthält Verzierungsanleitungen für ‘Spieler von Blas- und
Streichinstrumenten sowie jene, die Freude am Singen finden’. In dieser
Methodik für Blasinstrumente, die auch heute—nach 500 Jahren—zu den
anspruchsvollsten und detailliertesten überhaupt zählt, beschreibt
Ganassi die menschliche Stimme immer wieder als das ideale Instrument, und
zwar nicht, um den vorherrschenden Konventionen zu genügen wie seine
Nachfolger, sondern auf detaillierte und spezifische Weise. Die breite
Vielfalt von Dynamik und Ausdruckskraft, die Sänger laut Ganassi besitzen
und die ihren Ursprung in den gesungenen Texten hat, muss ganz von der
Bockflöte imitiert werden, ‘denn dazu ist sie fähig’.
Einige der Ausdrucksmittel von Sängern (dynamischer Tonumfang,
Artikulation und tonale Abwechslung) sollten dabei naturalistisch imitiert
werden, und Ganassi gibt Anweisungen, wie dies mittels unterschiedlichem
Fingersatz und Atemdruck sowie variierten Zungenstößen zu erzielen sei.
Wenn sich jedoch eine Änderung der Stimmung oder ein bestimmtes Wort
nicht direkt imitieren lässt, kann die Wirkung mit anderen Mitteln
wiedergegeben werden. Triller z. B. sind eine Verzierung für Stimmung
anstatt Modalität: ein Halbton oder weniger für Lieblichkeit; ein
Triller von einer Terz oder mehr für lebhafte Emotionen; und—wenn keine
bestimmte Klangfarbe erforderlich ist—ein Triller von einem Ton.
‘Passaggi’—Passagen—werden nach vier Regeln gegeben (der ganze Ton
wird neben den gewöhnlichen vier auch in fünf, sechs oder sieben
Viertelnoten unterteilt), die dem Spiel ungewöhnlich freie Rhythmen für
eine Vielfalt von Emotionen verleihen.
La Fontegara ist in vielerlei Hinsicht ein erstaunliches Werk.
Doch trotz seiner enorm hohen technischen und musikalischen Anforderungen
verweist Ganassi nirgendwo auf ein Repertoire von
Instrumentalmusik—alles ist in Bezug auf das Spielen von Vokalmusik
beschrieben. Und ungeachtet des Frontispiz (auch heute noch eines der
unverkennbarsten Symbole des Musizierens der Renaissance) wird
Ensemblespiel nur im Vorübergehen erwähnt. Es handelt sich um eine
Abhandlung über das Komponieren und Spielen von Solo-Instrumentalmusik.
Im Gegensatz zu späteren Komponisten (Diego Ortiz, [Nr. 4]; Girolamo
della Casa 1584 [Nr. 16]; Giovanni Bassano, 1591 [Nr. 5, 12] usw.) gibt
Ganassi dem Leser keine fertigen Werke, sonder zeigt vielmehr, wie die
angegebenen Passagen kombiniert werden können, um ein Madrigal oder Lied
in ein virtuoses Instrumentalsolo zu verwandelt.
In späteren Abhandlungen ist das Lehrmaterial kürzer und oberflächlicher,
während vollständig verzierte Werke—im Grunde neue
Kompositionen—mehr in den Mittelpunkt rücken. Man könnte sagen, dass
die Veröffentlichung dieser Solos in Form einer Abhandlung kaum mehr ist
als ein konventionelles Hilfsmittel. Es gab keine Tradition der Veröffentlichung
von Solowerken für Instrumente außer Laute und Tasteninstrument, und als
die Fähigkeit, Musik zu lesen und zu schreiben, die Vorrangstellung der
Improvisation allmählich unterminierte, fand eine neue Generation von
Musiker-Komponisten den akzeptablen Ausweg, ihre Kompositionen zu veröffentlichen,
indem sie sie als Beispiele zur Nachahmung präsentierten.
Obwohl La Fontegara kein ‘fertiges’ Beispiel enthält, war
Ganassi in seinen Anweisungen sehr deutlich, sowohl in künstlerischer als
auch technischer Hinsicht. Die Tatsache, dass die Anwendung seiner
Methoden auf ein Madrigal wie Willaerts ‘Cantai or Piango’ [Nr. 10]
ganz andere Resultate hervorbringt als Werke von dalla Casa oder Bassano,
sollte uns überraschen. Sicherlich ist z. B. dalla Casa in seinen
fertigen Beispielen weitaus extravaganter als in seinem recht trockenen
Lehrmaterial. Dennoch ist seine musikalische Sprache weniger vielfältig—wenn
auch eleganter—als die Ganassis. Zwischen den beiden Veröffentlichungen
liegt fast ein halbes Jahrhundert. Ganassi ist ganz in der Tradition spätmittelalterlicher
rhythmischer Überschwenglichkeit angesiedelt (man vergleiche Ebreus ‘La
Spagna’ [Nr. 2]), verbunden mit dem bewusst ausdrucksvollen Vokalstil
der frühen Renaissance.
Ganassi spielte außerdem Viole und Laute, und sein zweites Buch Regola
Rubertina (1542) befasst sich mit diesen Instrumenten. Er verweist die
Leser auf La Fontegara zum Studium der Verzierung und behandelt
hauptsächlich die praktischen Aspekte des Besaitens, Stimmens und
Spielens. Es ist zwar weniger detailliert als La Fontegara, geht
aber dennoch auf die Spieltechnik ein—tonale Abwechslung durch Spielen
nahe des Stegs oder Griffbretts, Vibrato (mit der linken Hand oder dem
Bogen!) und sogar die Ausdrucksmöglichkeiten von Gesicht, Hals und Haaren
des Spielers—wobei letztere nicht leicht auf CD zu übertragen sind! Wie
bereits erwähnt, befasst sich seine erste Abhandlung ausschließlich mit
dem Solospiel. In Rubertina dagegen behandelt er die Viole
gleichermaßen als Ensemble- und Soloinstrument. Auch hier besteht das
beschriebene Repertoire aus Vokalmusik mit besonderem Schwergewicht auf
Werken ‘des würdigen Musikers’ Nicolas Gombert, sowie Adriano
(Willaert), Zierde Venedigs und Bringer des neuen Goldenen Zeitalters
(Willaerts Madrigal ‘Cantai or Piango’ wird auf Nr. 9 von sechs Violen
gespielt).
Hinsichtlich des Solospiels beschreibt Ganassi das Solo Ricercar (und führt
Beispiele an) und erklärt, wie eine Akkordbegleitung auf der Viole
gespielt wird (was man später in England mit dem Begriff ‘Lyra
fashion’ beschrieben hätte). Er erwähnt jedoch nicht die
‘bastarda’-Technik, die in späteren Sammlungen und Abhandlungen eine
wichtige Rolle einnimmt. Die ‘viola bastarda’ ist kein bestimmtes
Instrument, sondern vielmehr ein Stil angeblich improvisierender
Komposition, wobei der Spieler die harmonische Struktur eines Ensemblestücks
in einer Reihe von Laufen und Sprüngen neu interpretiert und dabei den
Tonumfang seines Instruments voll ausschöpft. Bastarda-Musik (ob für
Viole oder andere Instrumente) gehört zu den überladensten und
extremsten Solomusikstilen ihrer Zeit. Aber auch sie hält sich eng an das
klassische Ideal, da sie das Vokal-Original intakt lässt (ob von einem
Ensemble dargeboten oder für Laute oder Tasteninstrument notiert). Das
Soloinstrument (Bassviole [Nr. 6, 8, 13, 17] oder Laute [Nr. 15]) wiederum
bleibt seinem eigenen Wesen treu und reagiert auf seine virtuose Weise
entweder auf die Worte oder auf die abstrakteren Mittel der Melodie- oder
Stimmenführung des Komponisten.
Natürlich hat das Ausmaß an Verzierungen—entweder der Melodie oder
in Form eines ‘bastarda’-Stimme—eine Auswirkung auf das Spieltempo.
Bei einem Tempo, das wir heute für die unverzierte Ensemble-Aufführung
des Originals angemessen fänden, wären nur die einfacheren Passagen ausführbar.
Ungeachtet der Frage, ob unsere Auffassung vom ‘richtigen’ Tempo
historisch korrekt ist oder nicht, ist es unvorstellbar, alle Versionen
von beispielsweise ‘Ancor che col partire’ erfolgreich im gleichen
Tempo zu spielen. Bassanos elegante ‘passaggi’ [Nr. 5], Bovicellis
expressionistische ‘affetti’ [Nr. 7] und dalla Casas reflektive
‘viola bastarda’-Stimme [Nr. 6] beeinflussen vielleicht unser Verständnis
von de Rores Meisterwerk auf jeweils unterschiedliche Weise, würden sich
aber nicht radikal auf unsere Entscheidung hinsichtlich Tempo auswirken.
Rogniono dagegen [Nr. 8] verwendet das Madrigal (und vor allem dessen
harmonische Struktur) als Inspiration und Grundlage für etwas völlig
Neues. Ein langsameres und flexibleres Tempo ist angesichts der
technischen und musikalischen Herausforderungen angebracht.
In diesem Fall ist das Madrigal zum musikalischen Äquivalent eines
Tenors aus dem 15. Jh. wie ‘La Spagna’ geworden, von dem drei
Bearbeitungen das vorliegende Konzert beginnen. Die Melodie [Nr. 1] hat
ihre Anfänge vermutlich in dem Lied ‘Il Re de Spagna’ und war höchstwahrscheinlich
sowohl rhythmisch als auch recht schnell. Im Laufe der Zeit wurde es
verlangsamt und der Rhythmus formalisiert und es erhielt so eine völlig
neue Rolle als langsame, strukturelle Grundlage einer Komposition, in der
die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf die sie umschlingenden, ausgeschmückten
Linien gelenkt wird. Die früheste Vertonung dieser CD (von dem
Tanzmeister Ebreu aus dem 15. Jh.) [Nr. 2] ist den Improvisationen einer
Tanzkapelle wahrscheinlich am nächsten; aber allein die Tatsache, dass
sie schriftlich vorliegt, bedeutet, dass sie den Tanzboden bereits
verlassen hat. Für den Lautenspieler Vincenzo Capirola [Nr. 3] und den
Violinisten Diego Ortiz [Nr. 4] war ‘La Spagna’ als Tanz schon kaum
mehr in Gebrauch—sie verwandelten den fast völlig veralteten Tenor in
Musik der hohen Kunst, die die lebhaften Synkopierung der Kapellen aus dem
15. Jahrhundert nur sehr versteckt wiedergibt.
Die Werke auf dieser CD decken zwei Jahrhunderte ab, in denen das
Entleihen und Umarbeiten der Musik früherer Komponisten als kreativ und
schöpferisch galt—ja sogar als ein Zeichen der Ehrung und des Respekts.
‘Petit Jacquet’ [Nr. 15] ist Giovanni Antonio Terzis
‘bastarda’-Lautenversion eines Satzes von Correggio, die auf einem
Lied von Jean Courtois basiert. Die Passagen in ‘Susanne ung jour’
[Nr. 12, 13, 14] basieren alle auf einem Lied, das wahrscheinlich Orlando
de Lassus’ berühmtestes ist. Davor erscheint jedoch nicht dieses Lied,
sondern das frühere vierstimmige Werk von Didier Lupi, das vielleicht als
Inspiration für Lassus’ fünfstimmiges Werk diente. Als Bartolomeo de
Selma y Salaverde im Jahr 1638 seine Version von ‘Vestiva i colli’
schuf, brauchten die überladenen Clichés der Soloinstrumentalisten nicht
einmal mehr ein vorhandenes Werk: Weil Selmas Satz derart stark an
italienische Canzone und Sonaten des 17. Jh. erinnert, erkennt man nur mit
Mühe, dass die Orgelstimme, die die beiden Solisten begleitet, keine
continuo-Stimme ist, sondern eine genaue Übertragung der ersten Stimme
eines fünfstimmigen Madrigals von Palestrina.
Philip Thorby, Januar 2001 |
| La Spagna |
|
| 1 |
anon |
[0:29] |
| 2 |
Ebreu |
[1:09] |
| 3 |
Capirola |
[2:36] |
| 4 |
Ortiz |
[2:49] |
| Ancor che col partire |
| 5 |
Bassano |
[3:05] |
| 6 |
dalla Casa |
[2:56] |
| 7 |
Bovicelli |
[3:50] |
| 8 |
R. Rogniono |
[4:28] |
| Cantai or piango |
| 9 |
Willaert |
[6:03] |
| 10 |
Ganassi/Thorby |
[8:06] |
| Susanne ung jour |
|
| 11 |
Lupi |
[2:33] |
| 12 |
Bassano |
[3:54] |
| 13 |
F. Rognoni |
[4:30] |
| 14 |
dalla Casa |
[4:38] |
| Petit Jacquet |
|
| 15 |
Terzi |
[4:19] |
| Vestiva i colli |
|
| 16 |
dalla Casa |
[6:10] |
| 17 |
Bassani |
[4:33] |
| 18 |
Selma |
[3:12] |
|
|
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Total running time: |
[70:14] |
|