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Master of Musicians:
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Als Fürst Ercole I d’Este 1502 einen neuen Maestro di cappella für seine Hofmusik in Ferrara suchte, schickte er seine Höflinge als ‘Kopfjäger’ aus. Einer seiner Agenten sandte einen Bericht über seine Ermittlungen zurück, in dem er zwei der berühmtesten Komponisten ihrer Zeit miteinander verglich: ‘Isaac kommt besser mit seinen Kollegen aus und ihm geht das Komponieren neuer Werke schneller von der Hand. Josquin ist zugegebenermaßen der bessere Komponist, doch er komponiert nur, wenn es ihm paßt, anstatt sich den Wünschen anderer zu fügen, und er fordert ein Gehalt von 200 Dukaten, während Isaac mit 120 zufrieden ist, doch Euer Ehren werden die richtige Entscheidung treffen.’
Fürst Ercole traf die riskantere und teurere Wahl und sicherte sich damit für das nächste Jahr die musikalischen Dienste eines der größten künstlerischen Genies der europäischen Renaissance, einen Mann, der von seinen Zeitgenossen mit Raphael und Michelangelo verglichen wurde. Doch der Geniekult kann zu falschen Vorstellungen und Irrtümern führen: Kopisten und Druckverlage des 16. Jahrhunderts haben zahlreiche Werke fälschlicherweise Josquin zugeschrieben, und Musikwissenschaftler streiten sich bis heute über die Authentizität vieler ‘seiner’ Stücke. Doch zweifelsohne war Josquins Musik Zeit seines Lebens sehr gefragt. Seine Motetten, seine Vertonungen des Ordinariums missae und seine Lieder mit italienischen und französischen Texten tauchen in buchstäblich hunderten von Quellen aus der Zeit auf. Josquins Ruhm wurde außerdem durch die neue Technologie der Druckpresse weit verbreitet. Seine Stücke sind in vielen Anthologien aus dem 16. Jahrhundert enthalten, und die erste Sammlung von Messen, die 1502 von Petrucci in Venedig veröffentlicht wurde, war nur Josquins Vertonungen gewidmet. Seine Musik wurde im Verlauf des Jahrhunderts immer wieder verlegt—selbst lange nach seinem Tod, was zwar nicht nur ungewöhnlich war, doch ein weiterer Beweis dafür ist, welch hohen Rang er in der Musikwelt einnahm.
Obwohl Josquin ein so berühmter und gefragter Komponist war, wissen wir erstaunlich wenig über sein Leben. Bis vor kurzem herrschte die Meinung, daß er seine Karriere als erwachsener Sänger im Mailänder Dom begann, an den er 1459 berufen wurde. Daraus wurde geschlossen, daß er um 1440 geboren sein mußte. Doch wir wissen jetzt, daß dieser Sänger ein völlig anderer Musiker mit dem gleichen Namen war. Unser Josquin muß um 1455 in Picardy geboren sein. Die erste Aufzeichnung, die wir kennen, besagt, daß er in der Mitte der 70er Jahre des 15. Jahrhunderts am Hofe Königs René von Anjou tätig war und dann möglicherweise der Sainte-Chapelle von Louis XI in Paris beitrat. Obwohl viele Jahre seines Lebens nicht dokumentarisch belegt werden können, hat Josquin mit Sicherheit einige Zeit in Italien verbracht und stand 1484 in Verbindung mit Kardinal Ascanio Sforza von Mailand. Von 1489 bis mindestens 1495 war Josquin Mitglied der päpstlichen Kapelle in Rom und kehrte daraufhin möglicherweise an den französischen Hof von Louis XII zurück, bevor er nach Ferrara berufen wurde. Nach 1504 ging Josquin zurück nach Flandern und wurde dort Probst der Stiftskirche von Notre Dame in Condé, eine Stellung, die er bis zu seinem Tod im Jahre 1521 bekleidete. Während dieser letzten Jahre komponierte er weiterhin Kirchenmusik sowie einige spätere Chansons, die möglicherweise für die schwermütige Marguerite von Österreich gedacht waren.
Was ist das Besondere an Josquins Musik, das ihm solchen Ruhm bei seinen Zeitgenossen eingetragen hat, und haben diese besonderen Merkmale auch heute noch eine Wirkung auf uns als Darbietende und Zuhörer? Eine Antwort darauf gibt uns vielleicht die treffende Bemerkung von Martin Luther: ‘Josquin ist Meister der Noten, die das ausdrücken müssen, was er befiehlt, während andere Komponisten das tun müssen, was die Noten vorschreiben’. Josquins Fähigkeit, Texte mit einer melodischen Stimme und ausdrucksvoller Geschmeidigkeit zu vertonen, wird von seinen Zeitgenossen nur selten erreicht: das genau ausgewogene Ansteigen und Fallen seiner Stimmen und die subtile Flexibilität seiner Rhythmen unterstreichen die Worte mit einer kunstvollen Natürlichkeit, die bereits auf die Motetten und Madrigale von Verfassern der Hochrenaissance verweist. Josquins Beherrschung von Textur und Kontrapunkt untermauert diese Stimmen, so daß Strukturen geschaffen werden, die wunderbar ausgewogen und völlig ungekünstelt klingen, ob er nun einen strengen Kanon benutzt, in dem eine Stimme der anderen genau folgt, oder einen freieren nachahmenden Stil wie der des Mille regretz—ein Chanson, den er gegen Ende seiner Karriere verfaßt haben muß. Hier kontrastiert Josquin zwei hohe und zwei tiefe Stimmen oder verbindet alle vier zu einer sich ständig verändernden Textur, wobei er sie manchmal unabhängige Stränge weben läßt und dann wieder alle zusammenführt, um die Stimmungswechsel des vertonten Gedichts hervorzuheben.
Das frühe 16. Jahrhundert war ein großes Zeitalter der musikalischen Adaption und Bearbeitung: die moderneren Konzepte der Originalität mußten sich erst noch gegen die mittelalterliche Vorstellung von der Autorität existierenden Materials durchsetzen. Durch die Erweiterung eines bereits vorhandenen Musikstückes—entweder durch improvisierte Verzierungen oder durch dessen Dekonstruktion und anschließende Verquickung gewisser alter Elemente mit neuen—konnten Künstler oder Komponisten nicht nur ihre eigenen Fähigkeiten unter Beweis stellen, sondern auch auf den Werken ihrer Vorgänger aufbauen und diese ehren. So entwickelte Josquin beispielsweise Motive des anonymen Plusieurs regretz in seinem ergreifenden Mille regretz, das dann seinerseits von Tielman Susato zu einer (in Antwerpen veröffentlichten) dreistimmigen Version zusammengezogen wurde. Außerdem arbeitete Susato das Stück zu einer Pavane um, während der Nürnberger Lautenmacher, Theoretiker und Komponist Hans Gerle es für die Laute mit zarten idiomatischen Verzierungen intabulierte.
Bei andern Werken lassen sich die Verbindungen weniger leicht verfolgen: Susatos Basse-danse Bergeret sans roche, der hier von einem ‘großen’ Consort von Krummhörnern gespielt wird, erinnert in mehreren Zügen an die Melodien von Josquins Bergerotte savoysienne. Drei Lieder aus sehr verschiedenen Traditionen teilen alle die gleiche populäre Melodie, bekannt unter dem Namen La Triquotée: sie erscheint in dem scheinbar unschuldigen anonymen Rondeau Belle, tenes moi la promesse als Tenorstimme in zyklischer Wiederholung und taucht dann wieder in der oberen Stimme zu Beginn von Alonsos weitaus anzüglicherem Stück aus dem spanischen Cancionero Musical de Palacio auf. In Josquins Je me complains tritt es in versteckter Form gegen Ende des Chansons kurz vor Beginn der Vespern in Erscheinung, im Anschluß an eines der herrlichsten Beispiele von Josquins Kontrapunktierung, basierend auf einem gesungenen Kanon, zwei frei schwebenden Instrumentalstimmen und einem unterstützenden Baß.
Der Kontrast zwischen Stimmen im strengen Kanon und jenen, die frei improvisieren dürfen, bildet den Kern vieler Lieder Josquins. In Comment peult avoir joye folgt der Tenor dem Superius genau eine Oktave tiefer, während zwei Violen die beiden jubelnd umkreisen. Heinrich Isaac übertrumpft Josquin, indem er die gleiche Melodie als einen dreistimmigen Kanon beim Unisono im Agnus Dei aus seiner Missa Wohlauf gesell von hinnen behandelt und sie mit zwei unabhängigen Stimmen verbindet, wobei eine davon einen ungewöhnlich großen Tonumfang aufweist. Von ganz besonderem Einfallsreichtum ist Josquins doppelter Kanon von Recordans de mia segnora, wo die beiden notierten Stimmen zwei weitere hervorbringen, um eine zarte aber kompakte Miniatur zu schaffen. Recordans teilt seine Melodie mit Se congié prens, das hier in Josquins schwungvoller und komplexer sechsstimmiger Vertonung zu hören ist sowie in einfacheren Versionen von Johannes Japart und Alexander Agricola. Japart war wie Josquin gebürtiger Flame und arbeitete auch mehrere Jahre um 1480 für Fürst Ercole I in Ferrara; Agricola gehört der vorherigen Generation an und verwendet im allgemeinen klischeehaftere ornamentale Stimmen als Josquin.
Der Ausgangspunkt für viele von Josquins Chansons war der Cantus prius factus: eine Melodie, die bereits existierte. Dabei handelte es sich oft um ein populäres Lied wie das leicht ländliche Petite camusette oder das eingängige Si j’ay perdu mon amy. Eine von Josquins großen Stärken war seine Fähigkeit, der direkten und einfachen Melodik dieser populären Lieder gerecht zu bleiben, selbst wenn er in seinen Vertonungen komplizierte nachahmende oder kanonartige Techniken verwendete—wie bei einem kostbaren Schmuck, wo die Fassung den Edelstein erst richtig zur Geltung bringt, anstatt ihn zu überwältigen. In anderen Fällen ist Josquins Ausgangspunkt die ‘Kunstmelodie’ eines anderen Komponisten. Hayne van Ghizeghems De tous biens pleine wurde von seinen Zeitgenossen und Anhängern in jeder nur erdenklichen Form bearbeitet: Josquins dreistimmige Version fügt Ghizeghems Superius zwei tiefere Stimmen in engem Kanon hinzu, während die vierstimmige Vertonung eine kompositorische Glanzleistung ist, in der dem Tenor und Superius des ursprünglichen Liedes beim Unisono ein Kanon für zwei Baßstimmen hinzugefügt wird, von denen die zweite der ersten nach nur einem schnellen Taktschlag hinterher jagt, wie die Jünger Petrus und Johannes zu Christus leerem Grab eilen—laut der Anweisung der lateinischen Liturgie.
Josquin war sich anscheinend durchaus seines Wertes bewußt, als er ein höheres Gehalt als Isaac forderte, und es ist daher vielleicht nicht allzu erstaunlich, daß sich mehrere seiner Lieder um finanzielle Angelegenheiten drehen. Adieu mes amours, dessen beiden tieferen Stimmen als Kanon beginnen, aber dann unabhängiger werden, wurde von dem italienischen Virtuosen Francesco Spinacino 1507 für die Laute intabuliert und ist möglicherweise eines seiner frühesten Lieder. El grillo nimmt eine Sonderstellung unter den Liedern Josquins ein, und zwar nicht nur durch die Verwendung eines italienischen Gedichts, sondern vor allem durch seinen homophonen Stil und seine urwüchsige Direktheit. Josquins fünfstimmige Vertonung von Faulte d’argent—strotzend von rhythmischem Witz und Energie—basiert auf einem Kanon auf der Quinte, der zu starker Spannung zwischen zwei rivalisierenden tonalen Zentren führt. Die gleiche Melodie wurde von mehreren anderen Komponisten benutzt, wie Antoine de Févin (der, wie Josquin, mit dem französischen Hof von Louis XII assoziiert war) und Adrian Willaert (der einer späteren Generation angehörte, dessen Karriere jedoch der Josquins sehr ähnelte). Willaert stammte aus Flandern und war ebenfalls am Hof von Ferrara tätig, bevor er in seiner Rolle als Maestro di capella an der Basilika von San Marco in Venedig einer der einflußreichsten nordeuropäischen Komponisten in Italien wurde.
Daß Josquin ebenso von großer Literatur inspiriert werden konnte wie von populären Liedern oder den Werken früherer Komponisten, zeigen seine zwei Vertonungen aus Virgils Äneis. Diese deuten auf die enge Beziehung zwischen Worten und Musik voraus, von der spätere Komponisten und Theoretiker des 16. Jahrhunderts so besessen waren. Fama malum beginnt mit Fanfarenstößen, da die Schicksalsgöttin in der humanistischen Symbolik ihre Trompete in der Hand hielt, während in Dulces exuviae die Klage der sterbenden Dido mit größter Einfühlsamkeit vertont ist—sowohl ihre Verzweiflung als auch ihre Resignation erfahren hier einen unmittelbaren Ausdruck.
Anläßlich Josquins eigenem Tod verfaßten eine Reihe von Komponisten musikalische Nachrufe, ein weitere Beweis dafür, wie hoch er von seinen eigenen Berufskollegen geschätzt wurde. Der flämische Komponist Hieronymus Vinders verbindet die gewichtigen Worte O mors inevitabilis mit Teilen von Text und Gesang aus der Totenmesse in einer klangvollen siebenstimmigen Textur. Diesem ist auf dieser Aufnahme Le villain vorangestellt, ein vierstimmiges ‘Lied ohne Worte’ aus einem deutschen Manuskript, das sich wunderbar für die getragene Klangwelt der Violen aus der Renaissance eignet. Le villain hat vieles mit Pleine de deuil gemeinsam, ein meisterhaftes Beispiel von Josquins knapper Kontrapunktierung, bei der jede Note zählt, angefangen von dem ersten Motiv des Glockengeläutes bis zu dem letzten Beharren auf der Molltonart. Wenn wir Stücke wie dieses hören, in denen Worte, Melodie und Struktur sich zu einem organischen Ganzen zusammenfügen, können wir vielleicht verstehen, warum Fürst Ercole d’Este von Ferrara die Musik Josquins so sehr bewunderte und warum dieser geniale Musiker uns auch noch nach Jahrhunderten so tief berührt.
John Bryan, Februar 2000
[2] & [3] Comment peult avoir joye
Comment peult avoir joye,
Qui Fortune contient?
L’oysiau qui pert sa proye
De jeusne lui souvient :
Au boys sur la verdure
N’a point tout son desir :
De chanter il n’a cure
Qui vit en desplaisir.
Wie kann der freudig sein,
Der vom Schicksal eingeengt wird?
Der Vogel, der seine Beute verliert,
Denkt ans Fasten:
Im grünen Wald
Findet er nicht seine Lust.
Keiner will singen,
Der in Enttäuschung lebt.
[4] & [7] Se congié prens
Se congié prens de mes belles amours
Vray amoureulx ne m’en veullez blasmer.
J’en ay souffer de plus griefves douleurs
Quel ne font ceulx qui naigent en la mer.
Car tant l’aymer m’est toujours tant amer,
Qu’avoir ne puis d’elle ung tout seul regard,
Fors que rigeur pour mon cueur entamer
Qui prens congié avant qu’il soit plus tard.
Wenn ich meinen holden Geliebten Ade sage,
Würden es mir wahre Liebende nicht verdenken.
Ich habe größere Schmerzen erlitten,
Als das Meer sie zu halten vermag.
Denn tief zu lieben verursacht mir bittere Pein.
Wenn von der Liebe nichts mehr bleibt
Außer dem Entschluß, mein Herz zu brechen,
Dann Ade, bevor es zu spät ist.
[8] Si j’avoye Marion
Si j’avoye Marion, helas,
du tout a mon plaisir,
La belle au corps mignon, helas,
que mon cueur a choisi;
Au bois je la merroye dancer ung tourdion, et ho!
Et puis la remerroye tout droit en sa maison.
Ach, wenn ich Marion hätte!
Ganz zu meinen Freuden,
Die schöne Dame mit ihrem reizenden Leib,
Die mein Herz erwählt hat,
Ich würde sie in den Wald führen,
Und eine Tourdion tanzen, un Ho!
Und dann nähme ich sie
sofort nach ihrem Hause zurück.
[10] Petite camusette
Petite camusette, a la mort m'avez mis
Robin et Marion s’en vont au bois joly,
Ilz s'en vont bras a bras, ilz se sont endormis,
Petite camusette, a la mort m’avez mis.
Die kleine Camusette trieb mich in den Tod.
Robin und Marion gingen in den hübschen Wald,
Sie gingen Arm in Arm davon, sie schliefen ein.
Die kleine Camusette trieb mich in den Tod.
[11] Fama malum
Fama malum qua non aliud velocius ullum:
Mobilitate viget viresque adquirit eundo:
Parva metu primo,
Mox sese attollit in auras
Ingrediturque solo
Et caput inter nubila condit.
Das Gerücht ist die schnellste aller Plagen.
Seine Macht liegt in der Freiheit seiner Bewegung,
Und es sammelt Kraft in der Fortbewegung.
Zunächst ist es ein kleines und zaghaftes Geschöpf, und obwohl es am Boden
geht,
verbirgt es seinen Kopf in den Wolken.
[12] Dulces exuviae
Dulces exuviae,
Dum fata deusque sinebat,
Accipite hanc animam
Meque his exsolvite curis.
Vixi et quem dederat cursum fortuna
Peregi, et nunc magna mei
Sub terras ibit imago.
Süße Relikte,
Süß, solange es Gott und das Schicksal gewährten,
Empfangt nun meinen Lebensatem,
Und erlöst mich von diesem Leiden.
Ich habe mein Leben gelebt und den Kurs beendet, den mir das Schicksal bestimmt hat.
Nun wird mein Geist in die Unterwelt eingehen.
[15] Belle, tenes moy la promesse
Belle, tenes moy la promesse,
Que vous me feistes pieca
Car jamais mon cuer ne fera,
Nouvelle amour n’autre maistresse.
Se j’ay du mal j’aray léesse,
Toutes les fois qu’il vous plaira.
Belle tenés moy la promesse,
Que vous me feistes pieca
Et s’aucune dolour me blesse,
Douls penser me confortera,
Et seul de vouloir me donra,
Pour plus honour et de noblesse.
Mein Schatz, halte das Versprechen,
Das du mir einst gegeben hast,
Denn in meinem Herzen wird niemals
Eine andre Geliebte wohnen.
Tust du mir weh, werde ich freudig sein
Gerade so oft, wie es dir gefällt.
Mein Schatz, halte das Versprechen,
Das du mir einst gegeben hast,
Und wenn ich von Leid geplagt bin,
Werden mich süße Gedanken trösten,
Und mich nur wünschen lassen,
Dich mehr zu ehren.
[16] Je me complains
Je me complains de mon amy
Qui me souloit tant venir veoir
La fresche matinée,
Or est il prime, et c’est midi,
Et si n’oy nouvelle de luy,
S’aproche la vesprée,
La tricoton, la tricoton, la belle tricotée.
Ich klage meine Liebste an,
Die mich so spät erst besucht
Diesen Morgen.
Nun ist es Vormittag, nun Mittag,
und wenn ich von ihm nichts höre,
wird es bald Abend sein.
Die Maid, die Maid, die holde Maid.
[17] La tricotea
La tricotea,
Sa Martin la vea.
Abres un poc al agua y senalea.
La bota senbru tuleta,
La señal d’un chapiré.
Ge que te gus per mundo spesa.
La botilla plena,
Dama, qui maina,
Cerrali la vena,
Orli, cerli, trun, madama,
Cerlicer, cerrarliben,
Botr’ ami contrari ben.
Niqui, niquidon, formagidon, formagidon.
Yo so monarchea de grande nobrea.
Dama, por amor,
Dama, bel se vea,
Dama, yo la vea.
Heiliger Martin, mach es drei
oder leg was drauf
und mach ‘ne Sechs daraus.
Es fließt das Faß,
Zu Hölle mit den Frommen.
Geht hin, wo ihr wollt,
Nehmt mit, was ihr könnt!
Mädel, es leckt,
Schlag den Zapfen ins Loch.
Ein Tropfen, zwei Tropfen, viele mehr,
Halt es auf, Mädel, sonst geht’s daneben.
Dein Freund fühlt sich betrogen,
Köstlich, köstlicher Käse, Herr Käse.
Der König bin ich, von noblem Geblüt.
Mädel, sei so gut,
Mädel, zeig mir,
Mädel, laß mich sehn.
[18] Bergerotte savoysienne
Bergerotte savoysienne
Qui garde moutons aux praz
Dy moy se vieulx setre mienne
Je te donray uns soulas
Et ung petit chaperon
Dy moy se tu m’aymeras
Ou par la merande ou non.
Schäferin von Savoy,
Hüterin der Schafe auf den Feldern,
Sag mir, ob du mein sein willst.
Ich werde dir Glück geben
Und einen kleinen Schäferstab.
Sag mir, ob du mich liebst,
Ob ich deiner würdig bin oder nicht.
[24] Mille regretz
Mille regretz de vous habandonner
Et d’eslonger vostre fach amoureuse.
J’ay si grand deuil et paine douloureuse
Quon me vera brief mes jours deffiner.
Welch tausendfach' Bedauern, daß ich dich lassen muß
Und dein liebendes Gesicht so fern von mir sein wird.
Ich erleide so große und schwere Schmerzen,
Daß meine Tage bald gezählt sein werden.
[28] Pleine de deuil
Pleine de deuil,
Et de melancolie,
Voyant mon mal
Qui toujours multiplie,
Et qu’en la fin
Pluz ne le puis porter,
Constrainte suis
Pour me reconforter
Me rendre a toy
Le surplus de ma vie.
Je te requiers et humblement supplie,
Pour les douleurs de quoy je suis ramplie,
Ne me vouloir jamais abandonner.
Puisqu’a vous suis la reste de ma vie.
Voller Trauer
Und Melancholie,
Sehend, daß mein Leiden
Immer größer wird
Und daß ich zuletzt
Es nicht mehr ertragen kann,
Bin ich gezwungen,
Um mich selbst zu erhalten
Dir zu schenken
Den Rest meines Lebens.
Ich flehe dich mit Demut an,
Erbarme dich meiner zahllosen Leiden,
Verlasse mich nie,
Da ich dir für den Rest meines Lebens gehöre.
[29] Pauper sum ego
Pauper sum ego
et in laboribus
a juventute mea
exaltatus autem
humiliatus sum
et conturbatus.
Ich war arm
Und belastet
Seit meiner Jugend;
Man hat mich erhöht
Und erniedrigt
Und in Verwirrung gestürzt.
[30] Faulte d’argent
Faulte d’argent c’est douleur non pareille
Sy je le dis, las je scay bien pourquoy
Sans de quibus il se fault tenir quoy,
Le temps le doit, ce n’est pas de merveille.
Je suis aymé d’une fille tant belle,
Je l’ayme bien aussi fait elle moy.
Marry je suis quant point je ne la voy.
En ce pays n’en y a point d’autelle.
Kein Geld zu haben, ist der größte aller Schmerzen.
Wenn ich das sage, sage ich es aus Erfahrung:
Wer nicht das nötige Kleingeld hat, muß einfach schweigen;
Die Zeiten erfordern es, und das ist kein Wunder.
Mich liebt ein schönes Mädchen.
Ich liebe sie und sie liebt mich.
Ich bin sehr betrübt, wenn ich sie nicht sehe.
Im ganzen Land gibt es keine wie sie.
[31] Faulte d’argent
Mes compaignons, a tous je vous conseille
Que ne prenez femme s’el n’a de quoy.
Raison pourquoy? las, je la vous diray :
Quant elle dort, pour l’argent on l’esveille.
Freunde, ich gebe euch meinen Rat.
Nehmt keine Frau, die kein Geld hat.
Warum? Ich werde es euch sagen:
Wenn sie schläft, müßt ihr sie aufwecken, um Geld zu verdienen.
[32] Faulte d’argent
Se povre suis, ce n’est pas de merveille,
Car mon argent g’ya ay tout despendu.
Il ne m’en chault, je n’ay pas tout perdu :
Car j’ay acquis vostre amour non pareille.
Daß ich keinen Heller besitze, ist nicht erstaunlich,
Denn ich habe alles ausgegeben [für Liebe];
Mir macht das nicht viel aus - ich habe nicht alles verloren:
Ich habe deine herrliche Liebe gewonnen.
[33] Adieu mes amours
Adieu mes amours, a Dieu vous command,
Adieu je vous dy jusquez au printemps
Je suis en souci de quoy je vivray
La raison pour quoy je le vous diray :
Je n’ay plus d’argent, vivray je du vent,
Se l’argent du roy ne vient plus souvent.
Adieu, meine Geliebten, ich empfehle euch dem Herrn.
Adieu, sage ich, bis zum Lenz.
Ich weiß nicht, von was ich leben soll.
Warum? Ich verrate es euch:
Ich habe kein Geld. Soll ich von Luft leben, wenn das Geld des Königs nicht öfters
kommt?
[35] El grillo
El grillo, el grillo è buon cantore,
Che tiene lungo verso.
Dale beve grillo canta,
El grillo, el grillo è buon cantore.
Ma non fa come gli altri ucelli,
Come li han cantato un poco,
Van de fatto in altro loco:
Sempre el grillo sta pur saldo,
Quando l'a maggior el caldo
Alhor canta sol per amore.
Grillen sind gute Sänger
und singen einen langen Ton.
Die Grillen singen vom Trinken.
Grillen sind gute Sänger
aber sind Sie nicht wie andere Vögel,
die woanders hin gehen,
sobald sie ein wenig gesungen haben.
Die Grillen bleiben standfest:
wenn das Wetter heißer ist,
singen sie aus Liebe.
[37] Lamentatio super mortem Josquin
O mors inevitabilis,
Mors amara, mors crudelis,
Josquin des Pres dum necasti,
Illum nobis abstulisti,
Qui suam per harmoniam,
Illustravit eccleasiam
Propterea tu musicae,
Dic requiescat in pace.
Requiem aeternam
Dona ei Domine,
Et lux perpetua luceat ei
Propterea tu musicae,
Dic requiescat in pace.
Oh, unentrinnbarer Tod,
Oh, bitterer Tod, oh, grausamer Tod.
Indem du Josquin de Pres dahingerafft,
Hast du uns beraubt um den,
Der durch seine Harmonie
Der Kirche Ehre erwiesen hat,
Deshalb sprechet zur Musik:
‘Möge er in Frieden ruhn’.
‘Gib ihm ewige Ruhe,
Oh, Herr,
Und laß ihn in ewigem Licht erstrahlen.
Deshalb sprechet zur Musik:
‘Möge er in Frieden ruhn’.
| Title Page Programme Notes Commentaire Kommentar Reviews Credits |
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| Release date: | 22nd May 2000 | |
| Order code: | SIGCD025 | |
| Barcode: | 635212002520 | |
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| Comment peult avoir joye: | ||
| 1 | Agnus Dei: Missa Wohlauf gesell von hinnen à 5 - Isaac | [2:04] |
| 2 | à 3 - Isaac | [1:11] |
| 3 | à 4 - Josquin | [1:11] |
| Se congié prens: | ||
| 4 | à 4 - Japart | [1:25] |
| 5 | à 3 - Agricola | [1:35] |
| 6 | Recordans de mia segnora - Josquin | [1:27] |
| 7 | à 6 - Josquin | [2:01] |
| Robin et Marion: | ||
| 8 | Si j'avoye Marion à 3 - Josquin | [1:00] |
| 9 | Tordion - Le Roy | [0:49] |
| 10 | Petite camusette à 6 - Josquin | [0:51] |
| Dido: | ||
| 11 | Fama malum à 4 - Josquin | [1:51] |
| 12 | Dulces exuviae à 4 - Josquin | [2:34] |
| De tous biens pleine: | ||
| 13 | à 3 - Josquin | [1:09] |
| 14 | à 4 - Josquin | [1:14] |
| La Triquotée: | ||
| 15 | Belle, tenes moi la promesse à 3 - anon | [2:50] |
| 16 | Je me complains à 5 - Josquin | [2:32] |
| 17 | La tricotea à 3 - Alonso | [2:06] |
| Bergerotte savoysienne: | ||
| 18 | Bergerotte savoysienne à 4 - Josquin | [1:41] |
| 19 | Bergeret sans roche/Reprise à 4 - Susato | [2:21] |
| Si j'ay perdu mon amy: | ||
| 20 | à 4 - de Orto | [1:24] |
| 21 | à 3 - Josquin | [2:25] |
| 22 | à 4 - Josquin? | [0:58] |
| Mille regretz: | ||
| 23 | Plusieurs regretz à 4 - Anon | [2:35] |
| 24 | Mille regretz à 4 - Josquin | [2:02] |
| 25 | Mille regretz - Gerle | [2:17] |
| 26 | à 3 - Susato | [1:58] |
| 27 | Pavan Mille regretz à 4 - Susato | [1:39] |
| Pleine de deuil: | ||
| 28 | à 5 - Josquin | [3:09] |
| Pauper sum ego: | ||
| 29 | Pauper sum ego à 3 - Josquin | [1:29] |
| 30 | Faulte d'argent à 3 - Févin | [1:02] |
| 31 | Faulte d'argent à 5 - Josquin | [1:25] |
| 32 | Faulte d'argent à 6 - Willaert | [1:50] |
| 33 | Adieu mes amours à 4 - Josquin | [1:25] |
| 34 | Adieu mes amours - Spinacino | [2:37] |
| 35 | El grillo à 4 - Josquin | [1:17] |
| Epitaphium Josquin: | ||
| 36 | Le villain - Josquin | [2:32] |
| 37 | Lamentatio super morte Josquin des Pres - Vinders | [3:00] |
| Total running time: | [68:21] | |
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[images/index.htm] | 30 June 2008 |