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Guillaume Dufay:
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"It is an absorbing and revealing collection, and everything is
delivered with tonal beauty and scholarly stylishness" Andrew Clements, Early Music |
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"The Clerks' Group are now so familiar with this sort of repertoire
that their technical assurance and interpretative confidence are
unparalleled" D. James Ross, Early Music Review |
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"unexpectedly dazzling...The Clerks' Group sing beautifully"
The Sunday Times 27 October 2002 |
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"the singing ... brings a vibrant, assured presence to these ancient
works ... if you're looking for fine, clearly sung, stylistically
conscientious performances, you really can't go wrong here"
ClassicsToday.com |
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Kommentar
Das Manuskript ‘Bologna, Civico Museo Bibliografico Musicale, MS Q15’ ist eine der bedeutendsten Musikanthologien des 15. Jh., ohne die unser Verständnis der Musik der Frührenaissance hoffnungslos fragmentarisch wäre. Ihre Freunde nennen die Sammlung ganz einfach ‘Q15’—und sie hat viele Freunde, denn sie enthält Beispiele praktisch aller erdenklichen musikalischen Genres der Zeit (mit besonderem Schwergewicht auf der geistlichen Polyphonie) und Werke unzähliger Komponisten. Und selbst wenn wir uns, wie hier, nur auf eine Auswahl von Werken eines einzigen Komponisten konzentrieren, ist die Vielfalt von Formen und Stilen wirklich beeindruckend.
Dies liegt zum Teil daran, dass die Q15 nicht einfach einen Ausschnitt des musikalischen Geschmacks zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort darstellt. Vielmehr wurde sie in drei Phasen zusammengestellt, über 15 Jahre und in verschiedenen Gebieten Norditaliens, und im Zuge neuer Ansichten und Trends mehrmals umfassend überarbeitet. Margaret Bents gewissenhafte und gelehrte Detektivarbeit an diesem Manuskript hat aufgedeckt, wie Teile der ersten Bearbeitung des Manuskripts zerschnitten wurden, um das Papier für die zweite und dritte Version zu verwerten. Durch einen Vergleich des Inhalts des ersten Originalmanuskripts mit der endgültigen Version können wir erkennen, wie sich der musikalische Geschmack im Verlaufe der 15 Jahre geändert hatte. (Siehe zum Beispiel Margaret Bent, ‘A contemporary perception of early fifteenth-century style’ in Musica Disciplina 41 (1987).)
In unserer Auswahl der Werke von Guillaume Dufay aus der Q15 möchten wir die Vielfältigkeit der Genres in diesem Manuskript widerspiegeln und gleichzeitig einige der frühen—und oft vernachlässigten—Werke eines Komponisten präsentieren, der die meisten revolutionären Änderungen in der Komposition von Musik im 15. Jh. miterlebt und mitgeprägt hat. Auf seinem Sterbebett soll Dufay von den Klängen seiner Motette Ave regina coelorum getröstet worden sein, aber sein frühestes belegtes Werk—ebenfalls als Motette gekennzeichnet—ist in einem völlig anderen Stil gehalten, so dass es kaum als ein Werk des gleichen Komponisten zu erkennen wäre. Komponiert wurde Vasilissa, ergo gaude anlässlich der Hochzeit der Prinzessin Cleofe—Angehörige der Malatesta-Familie, für die Dufay tätig war—und Theodore Palaiologos II., des Sohnes des Kaisers von Konstantinopel. Dies war im Jahr 1420, und während die christlichen Herrscher im Osten verzweifelt bemüht waren, von ihren westlichen Glaubensbrüdern Hilfe gegen die Osmanische Bedrohung zu gewinnen, berief die westliche Kirche ein Konzil in Konstanz ein, um die anhaltende Spaltung der römisch-katholischen Kirche beizulegen. Zum Zeitpunkt von Dufays Tod war diese Spaltung bereits beseitigt, aber Konstantinopel war in die Hände der ‘Ungläubigen’ gefallen.
Vasilissa entstammt auch in musikalischer Hinsicht einer ganz anderen Welt. Das Werk wurde in einem isorhythmischen Format komponiert, bei dem die Rhythmen der zweiten Hälfte jene der ersten Hälfte genau wiederholen. Die Motette ehrt die Techniken des vorigen Jahrhunderts und lässt den Einfluss eines anderen nordeuropäischen, in Italien tätigen Komponisten—Johannes Ciconia—erkennen. In den drei weiteren isorhythmischen Motetten auf dieser CD—O gemma, lux et speculum, Supremum est mortalibus bonum und O sancte Sebastiane—wird diese Technik mit unterschiedlichem Enthusiasmus eingesetzt, aber was an Dufays Handhabung dieser vorgeschriebenen Strukturen so beeindruckt, ist seine Fähigkeit, die formalen Anforderungen mit seinem Drang zur Schaffung lyrischer, freier Melodien zu kombinieren. Es mag im Zusammenhang mit ausgereifter, geistlicher Polyphonie zwar naiv klingen, aber Dufay war stets auch ein unübertroffener Schöpfer herrlicher Melodien. Sie werden vielleicht nicht immer von einer einzigen Stimme getragen—in den vierstimmigen Werken wechseln die Oberstimmen oft verspielt ihre Rollen, wobei eine die durchgehende Linie beibehält und die andere sie umtanzt und das Material oft ausschmückt und verziert. Aber trotz all dieser vokalen Polyphonie ist eine liedartige Qualität zu erkennen, die ausgesprochen typisch und bezaubernd ist.
Diese
Bemerkungen sollten jedoch nicht zu der Annahme verleiten, Dufay habe
kritiklos alle vorgeschriebenen Formen angenommen. Supremum est
mortalibus bonum—komponiert zur Feier der Unterzeichnung eines
Friedensabkommens zwischen Papst Eugenius IV. und König Sigismund (kurze
Zeit später der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs) im Jahr 1433—ist ein
wundervolles, eklektisches Werk, das Isorhythmie (nur in der Tenorstimme)
mit ernsthaftem Fauxbourdon und deklamatorischer Homophonie verknüpft. In
anderen, als ‘Motette’ gekennzeichneten Werken lässt Dufay das
isorhythmische Prinzip völlig fallen. O beate Sebastiane ist
in einer freien Form verfasst, mit einer verzierten Oberstimme und zwei
tieferen Stimmen in begleitenden Rollen. Inclita stella maris ist
eine ganz besondere Kuriosität. Die Oberstimmen bilden einen Mensuralkanon:
sie singen die gleiche Melodie, aber mit leicht unterschiedlichem Tempo.
Auch hier sind die unteren Stimmen unbedeutend—eine von ihnen kann sogar
laut den zugehörigen Anweisungen problemlos ganz weggelassen werden.
Dies ist bei den Werken in der Q15 und anderen Manuskripten dieser Zeit gar nicht ungewöhnlich. Zusätzliche zweite Tenorstimmen wurden in drei- oder vierstimmigen Werken oft hinzugefügt oder herausgenommen, wahrscheinlich je nach den jeweiligen Vorlieben und Fähigkeiten der Sänger. Margaret Bents Arbeit an der Q15 hat aufgedeckt, wie der Geschmack des Kopisten hinsichtlich drei- und vierstimmiger Werke sich verändert hat. Im Allgemeinen—aber nicht immer—kann man davon ausgehen, dass die späteren Überlieferungen Werke eher in vierstimmiger Version präsentieren. Das Gloria- und Credo-Paar auf dieser CD besteht wahrscheinlich aus dreistimmigen Originalen, denen eine—nicht immer überzeugende—vierte Stimme hinzugefügt wurde. Wir sollten uns jedoch nicht leichtfertig zu dem Schluss verleiten lassen, die vierte Stimme sei nicht auch von Dufay, und da uns keine gegenteiligen Beweise vorliegen, haben wir die vierstimmigen Versionen aufgenommen. Dies sind lebhafte Vertonungen, die durch einige exzentrische harmonische Wendungen in den einleitenden ‘Leitmotiven’ jedes Satzes verbunden sind. Wie bei den Sanktus- und Agnus-Sätzen stammen diese Vertonungen der Abschnitte der Messe aus einer Zeit, bevor die Messordnung gewohnheitsmäßig als ein Zyklus miteinander verknüpfter Sätze vertont wurde—Komponisten kombinierten vorzugsweise das Gloria mit dem Credo und das Sanktus mit dem Agnus Dei. Das Kyrie Fons bonitatis—ohne Bezug zu anderen polyphonen Vertonungen—ist statt dessen mit dem Gesang verbunden, der heute im Liber Usualis als Kyrie II bekannt ist. Für unsere Aufnahme haben wir diesen Gesang mit der Polyphonie vermischt, um dem Satz eine traditionelle, neunfältige Struktur zu verleihen.
[1] Vasilissa, ergo gaude
Vasilissa, ergo gaude, quia es digna omni laude,
Cleophe, clara gestis a tuis de Malatestis,
in Italia principibus magnis et nobilibus.
Ex tuo viro clarior, quia cunctis est nobilior:
Romaeorum est despotus, quem colit mundus totus;
in prophyro est genitus a deo missus coelitus.
Juvenili aetate pollens et formositate volens,
multum genio fecunda et utraque lingua facunda
ac clarior es virtutibus prae aliis his omnibus.
Tenor:
Concupivit rex decorem tuum quoniam
ipse est dominus tuus.
Kaiserin, freue Dich, denn dir gebührt alle Ehre,
Cleofe, ruhmreich durch die Taten deines Geschlechts Malatesta, führende
Männer Italiens,
groß und edel,
Ruhmreicher noch aufgrund deines Gatten, denn er ist edler als alle; er
ist der Herrscher der Rhomaioi, er, den alle Welt verehrt, er wurde in
Purpur geboren, gesandt von Gott im Himmel.
Von jugendlicher Stärke und strahlender Schönheit, von fruchtbarem Geist
und beredsam in beiden Sprachen, und du bist noch ruhmreicher aufgrund
deiner Tugenden vor allen anderen in diesen Dingen.
Tenor:
Der König hat Sehnsucht nach deiner Schönheit entwickelt, denn er ist dein Herr.
[2] Kyrie Fons bonitatis
Kyrie eleison.
Christe eleison.
Kyrie eleison.
Herr, erbarme dich unser.
Christe, erbarme dich unser.
Herr, erbarme dich unser.
[3] O beate Sebastiane
O beate Sebastiane, magna est fides tua: intercede pro nobis ad dominum Jesum Christum ut a peste epidemie et morbo liberemur. Amen.
O gesegneter Sebastian, groß ist dein Glaube.
Bitte unseren Herrn Jesus Christus,
dass er uns von der Plage der Pest befreien möge.
Amen.
[4] Gloria
Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bone voluntatis.
Laudamus te. Benedicimus te. Adoramus te. Glorificamus te. Gratias agimus
tibi propter magnam gloriam tuam.
Domine Deus, rex celestis, Deus pater omnipotens.
Domine fili unigenite, Jesu Christe.
Domine Deus, agnus Dei, filius patris.
Qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Qui tollis peccata mundi, suscipe deprecationem nostram.
Qui sedes ad dexteram patris, miserere nobis.
Quoniam tu solus sanctus. Tu solus Dominus. Tu solus altissimus, Jesu
Christe. Cum Sancto Spiritu in gloria Dei patris. Amen.
Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden den Menschen mit gutem
Willen.
Wir loben dich, wir segnen dich, wir beten dich an, wir lobpreisen dich,
wir danken dir für deine große Herrlichkeit, O Gott der Herr, himmlischer
König, allmächtiger Gott Vater.
Herr, eingeborener Sohn Jesu Christ, O Gott der Herr, Lamm Gottes, Sohn
des Vaters, der du trägst die Sünden der Welt, erbarme dich unser. Du, der
du trägst die Sünden der Welt, höre unser Gebet.
Du, der du zur rechten Hand von Gott dem Vater sitzt, erbarme dich unser.
Denn nur du bist heilig, nur du bist der Herr, nur du, O Christe, mit dem
Heiligen Geist, stehst in der höchsten Ehre Gott des Vaters. Amen.
[5] O gemma, lux et speculum
Triplum
O gemma, lux et speculum
totum perlustrans seculum,
vas almum Italie,
modo presens oraculum
tuum trahat spectaculum
nostro in levamine.
Sponte relinquens Greciam
duceris in Apuliam
Barinam gubernando.
Ab hoste tuens patriam
celestem tu per gloriam
inhabitas letando.
Pro expulsis langoribus
fugatisque demonibus
populus en iubilat.
Exaltatis clamoribus
manat liquor marmoribus:
liniti gradiuntur,
priscis dantur fervoribus;
qui carebant iam motibus
salutem sorciuntur.
Motetus
Sacer pastor Barensium,
regula pontificium,
Nicolae presul, audi
has voces supplicantium
conferendo presidium,
ut hiscant tue laudi.
Abstulisti opprobria
talenti fulvi gratia,
duplicata redidisti
et Deo celi serviens;
et populo subveniens,
cereres impartisti.
In marisque naufragio
plebis in te devocio
succrescit, et collata
habet vires oracio,
ac per te fraudis actio
discedit inse data.
Triplum
O Edelstein, Licht und Spiegel,
der du über der ganzen Welt erstrahlst, lebensspendendes Gefäß Italiens,
möge unser jetziges Gebet deinen Blick
auf unsere Erlösung lenken.
Du verließest Griechenland aus deinem eigenen Willen und wurdest
geführt nach Apulia, um Bari zu regieren.
Du schützt das Land vor dem Feind,
in himmlischem Ruhm wohnst du dort
und freuest dich.
Da du Krankheit vertrieben
und Teufel in die Flucht geschlagen hast,
höre! daher frohlockt das Volk.
Es ertönen Rufe,
ein Balsam fließt aus dem Marmor;
sie werden gesalbt und gehen wieder einher, ihnen wird ihre frühere Wärme
zurückgegeben, sie, die sich nicht länger bewegen konnten, gesunden wieder.
Motetus
Heiliger Hirte der Baresi,
Herrscher für Prälaten,
Bischof Nikolaus, höre
diese Stimmen deiner Bittsteller,
und gewähre ihnen deinen Schutz,
so dass sie ihre Munde zu deinem Lobe öffnen.
Du hast ihre Schande mit der Gnade
des goldenen Talents getilgt
und ihnen das Zweifache zurückgegeben,
im Dienste des Herrn im Himmel;
und du kamst dem Volk zu Hilfe,
indem du die Kornvorräte verteiltest.
Und im Schiffbruch auf der See
betet dich das Volk
stärker noch an
und ihrem Gebet wird Stärke verliehen,
und durch dich
verschwindet arglistige Täuschung.
[6] Credo
Credo in unum Deum, patrem omnipotentem, factorem coeli et terrae,
visibilium omnium et invisibilium.
Et in unum Dominum Jesum Christum filium Dei unigenitum. Et ex patre natum
ante omnia saecula.
Deum de Deo, lumen de lumine, Deum verum de Deo vero. Genitum, non factum,
consubstantialem patri: per quem omnia facta sunt.
Qui propter nos homines, et propter nostram salutem descendit de coelis.
Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine: et homo factus est.
Crucifixus etiam pro nobis: sub Pontio Pilato passus, et sepultus est. Et
resurrexit tertia die, secundum scripturas. Et ascendit in coelum: sedet
ad dexteram patris.
Et iterum venturus est cum gloria, judicare vivos
et mortuos: cujus regni non erit finis.
Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem: qui ex patre filioque
procedit. Qui cum patre et filio simul adoratur et conglorificatur: qui
locutus est per prophetas.
Et unam sanctam catholicam et apostolicam ecclesiam. Confiteor unum
baptisma in remissionem peccatorum.
Et exspecto resurrectionem mortuorum. Et vitam venturi saeculi. Amen.
Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles
geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem
Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt,
nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles
geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und
ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden
nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel und sitzt zur Rechten des
Vaters.
Und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die
Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Und ich glaube an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der
aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten.
Und ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Und ich erwarte die
Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.
[7] Supremum est mortalibus
Supremum est mortalibus bonum
pax, optimum summi dei donum.
Pace vero legum praestantia
viget atque recti constantia;
pace dies solutus et laetus,
nocte somnus trahitur quietus;
pax docuit virginem ornare
auro comam crinesque nodare;
pace rivi psallentes et aves
patent laeti collesque suaves
pace dives pervadit viator,
tutus arva incolit arator.
O sancta pax, diu expectata,
mortalibus tam dulcis, tam grata,
sis eterna, firma, sine fraude,
fidem tecum semper esse gaude.
Et qui nobis, o pax, te dedere
possideant regnum sine fine:
sit noster hic pontifex eternus
Eugenius et rex Sigismundus.
Amen.
Das höchste Gut der Sterblichen ist Friede,
das beste Geschenk von Gott im Himmel.
In Friedenszeiten hat das Gesetz
Macht und Beständigkeit; in Friedenszeiten
sind die Tage sorgenfrei und glücklich, und nachts ist der Schlaf lange
und ruhig;
der Friede hat der Jungfrau gelehrt, ihr Haar mit Gold zu schmücken und
aufzubinden;
in Friedenszeiten frohlocken die Bäche und Singvögel und die lieblichen
Hügel;
in Friedenszeiten erreicht der wohlhabende Reisende sein Ziel und der
Ackersmann pflügt seine Felder in Sicherheit.
O heiliger, lange erwarteter Friede,
so süß und heilsam für Sterbliche,
sei ewig, fest, ungestört und freue dich immer, dass guter Glaube bei dir
ist.
Und mögen jene, die dich uns geschenkt haben, o Friede, ihre Reiche in
Ewigkeit behalten;
lasse Eugenius auf ewig unser Papst auf Erden sein und Sigismund unser
König.
Amen.
[8] Sanctus & Benedictus
Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus sabaoth. Pleni sunt celi et
terra gloria tua. Osanna in excelsis.
Benedictus qui venit in nomine Domini. Osanna in excelsis.
Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zabaoth.
Alle Lande sind seiner Ehre voll.
Hosianna in der Höhe.
Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.
[9] Inclita stella maris
Inclita stella maris, nescia virgo maris
alteriusque paris, quae sine labe paris
almifluo clamore, subveniendo more
nos revellens a ve per Gabrielis ave.
Verbigenamque solum, quem colit omne solum
in Sathanae collum tis acuendo colum,
per decus ingenuum proripis in genium
quo stupet ingenium, dum fluat in senium.
Schema novae legis disseris atque legis,
ut genitrix regis caelica summa regis
praecipiens superis atque sedens super hiis
daemoniis dominans, hiis inhibendo minans.
Quique throno parent, hinc tibi vota parent
tis adigenda seris, quae bona tanta seris.
Dum cinis eveniam, te precor inveniam,
ferre mihi veniam desuper, ut veniam.
Amen.
Berühmter Stern des Meeres, Jungfrau, unberührt vom Menschen und ohne Gleichen, unbefleckt im Empfängnis, über alle Maßen weise, unser Beistand, wenn wir zaudern, Befreierin von unserem Leid durch Gabriels Gruß,
die du als Einzige durch das Wort empfangen hast, die alle Welt anbetet, du schärfst deine weiblichen Waffen gegen den Teufel, durch deine keusche Schönheit dringst du in den Geist ein, worüber die Seele erstaunt, da sie dem Alter entgegeneilt.
Du erklärst die Form des neuen Gesetzes und legst sie aus, als die Mutter des Königs herrschst du über den Himmel, befiehlst du die Engel und sitzest über ihnen, du bezwingst die Dämonen, indem du sie durch Drohungen zurückhältst.
Und daher lass die Untertanen deines Throns dir ihre Gebete senden, so dass von den Strahlen aufgefangen werden, die so viel Gutes tun. Ich bete, dass wenn ich zu Asche werden, du mir Gnade von oben bringst, so dass ich zu dir kommen kann. Amen.
[10] Agnus Dei
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi: miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi: miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi: dona nobis pacem.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: gib uns deinen Frieden.
[11] Gloria “Spiritus et alme”
Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bone voluntatis.
Laudamus te. Benedicimus te. Adoramus te. Glorificamus te. Gratias agimus
tibi propter magnam gloriam tuam.
Domine Deus, rex celestis, Deus pater omnipotens.
Domine fili unigenite, Jesu Christe.
Spiritus et alme orphanorum paraclite.
Domine Deus, agnus Dei, filius patris, primo genitus Mariae virginis
matris, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Qui tollis peccata mundi, suscipe deprecationem nostram, ad Mariae gloriam.
Qui sedes ad dexteram patris, miserere nobis.
Quoniam tu solus sanctus, Mariam sanctificans.
Tu solus Dominus, Mariam gubernans.
Tu solus altissimus, Mariam coronans, Jesu Christe, cum Sancto Spiritu in
gloria Dei patris.
Amen.
Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden den Menschen mit gutem
Willen.
Wir loben dich, wir segnen dich, wir beten dich an, wir lobpreisen dich,
wir danken dir für deine große Herrlichkeit, O Gott der Herr, himmlischer
König, allmächtiger Gott Vater.
Herr, eingeborener Sohn Jesu Christ,
O auch du Heiliger Geist, Tröster der Hinterbliebenen, O Gott der Herr,
Lamm Gottes, Sohn des Vaters, Eingeborener Sohn der Jungfrau Maria der du
trägst die Sünden der Welt, erbarme ich unser. Du, der du trägst die
Sünden der Welt, höre unser Gebet, zur Ehre Maria.
Du, der du zur rechten Hand von Gott dem Vater sitzt, erbarme dich unser.
Denn nur du bist heilig, der du Maria segnest, nur du bist der Herr, der
du Maria leitest, nur du bist der Höchste, der Maria krönt, O Christe, mit
dem Heiligen Geist, stehst in der höchsten Ehre Gott des Vaters. Amen.
[12] O sancte Sebastiane
Triplum
O sancte Sebastiane,
semper, vespere et mane,
horis cunctis et momentis,
dum adhuc sum sanis mentis
me protege et conserva
et a me, martyr, enerva
infirmitatem noxiam
vocatam epidemiam.
Tu de peste huiusmodi
me defende et custodi
et omnes amicos meos,
qui nos confitemur reos
Deo et sanctae Marie
et tibi, o martyr pie.
Tu Mediolanus civis
hanc pestilentiam, si vis,
potes facere cessare
et ad Deum impetrare,
quia a multis est scitum,
quod de hoc habes meritum.
Zoe mutam tu sanasti
et sanatam restaurasti
Nicostrato eius viro,
hoc faciens modo miro.
In agone consolabas
martyres et promittebas
eis sempiternam vitam
et martyribus debitam.
Amen.
Motetus
O martyr Sebastiane,
tu semper nobiscum mane
atque per tua merita
nos, qui sumus in hac vita,
custodi, sana et rege
et a peste nos protege
presentans nos trinitati
et virgini sanctae matri.
Et sic vitam finiamus,
quod mercedem habeamus
et martyrum consortium
et Deum videre pium.
Contra
O quam mire refulsit gratia
Sebastianus, martyr inclytus,
qui militis portans insignia,
sed de fratrum palma sollicitus
confortavit corda palentia
verbo sibi collato celitus.
Triplum
O Sankt Sebastian,
alle Zeit, morgens und abends,
zu allen Stunden und Minuten,
während ich noch bei Sinnen bin,
schütze und errette mich,
und O Märtyrer, erlöse mich
von der schrecklichen Krankheit
der Pest.
Verteidige und schütze mich
und all meine Freunde
vor der Pest,
obwohl wir uns als schuldig erklären
vor Gott und der Heiligen Jungfrau
und Dir, gnädiger Märtyrer.
Du, ein Bürger von Mailand,
hast die Macht, wenn du willst,
diese Pest niederzukämpfen
und eine Gunst von Gott zu erbitten,
denn viele wissen, dass du Gnade
vor seinen Augen gewonnen hast.
Du hast Zoe die Stumme geheilt
und sie gesund
an ihren Gatten Nicostratus zurückgegeben,
und dies in wunderbare Weise geschafft.
Im Kampf hast du
die Märtyrer getröstet
und ihnen ewiges Leben versprochen,
wie es Märtyrern gebührt.
Amen.
Motetus
O Märtyrer Sebastian,
bleibe immer bei uns
und durch dein Vorbild behüte,
heile und lenke uns in diesem Leben
und beschütze uns vor der Pest,
indem du Fürbitte für uns bei der Heiligen Dreifaltigkeit und der Jungfrau
Maria einlegst.
Und mögen wir unser Leben so beenden,
dass wir als Belohnung in die Gemeinschaft
der Märtyrer eintreten
und den gnädigen Gott erschauen können.
Contra
O mit welch wunderbarer Gnade
erstrahlte Sebastian, der berühmte Märtyrer, der, den Rock eines Soldaten
tragend,
doch bemüht um die Siegespalme des Märtyrertums für seine Brüder,
ihre blutleeren Herzen tröstete mit dem Wort, das ihm der Himmel schenkte.
Anmerkungen zu Aufnahme und Versionen
Die für diese Aufnahme
gewählten Versionen beruhen auf den musikalischen und literarischen Texten,
die Heinrich Besseler in der Serie Corpus Mensurabilis Musicae
transkribiert und bearbeitet hat. In einigen Fällen wurden diese Versionen
nach Verweis auf Faksimiles des Manuskripts Bologna Q15 abgeändert,
während Textgrundlage und Musica ficta in den Proben stark abgeändert
wurden. Vor allem die tieferen Stimmen wurden—wo möglich und angemessen—mit
Texten versehen, denn Inclita stella maris war das einzige Werk,
bei dem die unteren Stimmen ganz vokalisiert sind. Damit haben wir in den
Aufnahmen das verwirklicht, was David Fallows spekulative Kommentare in
seiner bedeutenden Untersuchung Dufay (London, 1982, S. 132) über
dieses Werk mutmaßten.
Leider habe ich Leofranc Holford-Strevens’ Artikel über Dufays
literarische Texte (in Early Music History, xvi—1997) erst nach
Abschluss der Aufnahmen entdeckt und gelesen. Er schlägt darin
Berichtigungen der Motettentexte vor, die zwar keinen bedeutenden Einfluss
auf das Hörerlebnis dieser Werke haben, aber in zukünftigen Ausgaben und
Aufnahmen unbedingt berücksichtigt werden sollten. Es ist zu hoffen, dass
all jene, die CD-Begleittexte wie diesen im Rahmen ihrer Studien dieser
Werke verwenden, die neuen Erkenntnisse beachten und in Zukunft solche
Fehler vermeiden werden.
Nach den Anregungen von Charles W. Fox und in jüngster Zeit auch Timothy
J. McGee (The Sound of Medieval Song, Oxford, 1998) haben wir die
Zeichen, die in modernen Notationen Pausen bedeuten, als Hinweis auf eine
Gelegenheit für ‘cantus coronatus’ interpretiert—eine Form improvisierter
Verzierung. Diese Ausschmückung ist ein wenig experimentell, war aber zum
Teil von der Art der Ausschmückung beeinflusst, die man in italienischen
Vokalwerken des frühen Barock findet und die wahrscheinlich auf Praktiken
aus der Renaissance beruht.
Edward Wickham, juli 2001
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| Release date: | 26th April 2002 | |
| Order code: | SIGCD023 | |
| Barcode: | 635212002322 | |
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| 1 | Vasilissa, ergo gaude | [2:47] |
| 2 | Kyrie Fons bonitatis | [6:58] |
| 3 | O beate Sebastiane | [2:59] |
| 4 | Gloria (Bol. Q15 no. 107) | [4:47] |
| 5 | O gemma, lux et speculum | [4:37] |
| 6 | Credo (Bol. Q15 no. 108) | [6:29] |
| 7 | Supremum est mortalibus | [6:25] |
| 8 | Sanctus & Benedictus (Bol. Q15 no. 104) | [6:21] |
| 9 | Inclita stella maris | [4:07] |
| 10 | Agnus Dei (Bol. Q15 no. 105) | [3:26] |
| 11 | Gloria “Spiritus et alme” | [6:03] |
| 12 | O sancte Sebastiane | [5:01] |
| Total running time: | [68:42] |
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[images/index.htm] | 02 August 2008 |