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The Queen's Goodnight
Charivari Agréable Susanne Heinrich - Treble, Tenor and Bass Viols
Kommentar Ihre Majestät lag auf ihrem Rücken, mit einer Hand im Bett und der anderen außen. Der Bischof kniete bei ihr nieder und prüfte zuerst ihren Glauben: sie beantwortete, Punkt für Punkt, alle seine einzelnen Fragen, indem sie ihre Augen emporrichtete und ihre Hand erhob, daß es für alle Betrachtenden ein Trost war. Dann sagte ihr der gute Mann mit schlichten Worten, was sie war und was ihr widerfahren sollte; obwohl sie hier auf Erden lange Zeit eine große Königin gewesen sei, habe sie in kurzer Zeit gegenüber dem König der Könige Rechenschaft über ihr Verwalteramt zu geben. Danach begann er zu beten ... und rief zu Gott, wegen des Heils ihrer Seele: ein Rufen, das er mit einer großen Inbrunst vorbrachte. Die Königin wurde dabei, wie wir sahen, sehr freudig und gab uns allen Zeugnis von ihrem christlichen und tröstlichen Ende ... Zwischen ein und zwei Uhr am Donnerstagmorgen brachte er mir die Nachricht, daß die Königin tot sei. Soweit der Cousin der Königin, Sir Robert Carey, der in seinen Memoiren die Ereignisse des 23.-24. März 1603 und damit auch das Ende einer Epoche der englischen Geschichte aufzeichnete. Elisabeth, die letzte Herrscherin aus dem Hause Tudor, hatte England 45 Jahre lang regiert. Unter ihrem Verwalteramt hatte sich das Land von einer rückständigen Provinz am Rande Europas zu einer ernstzunehmenden Seemacht mit einem glanzvollen Hof und einem blühenden kulturellen Leben entwickelt. Für Elisabeth, die durchaus um ihre politisch prekäre Rolle als unverheiratete Frau wußte, war der Hof ein wichtiger Schutz gegen aufständische Bestrebungen innerhalb ihres Reiches. Ständige Anwesenheit bei Hofe war die Voraussetzung für königliche Gunstbezeugungen, und ein Adliger war unter diesen Umständen kaum mehr fähig, auf seinen eigenen Besitzungen in der Provinz irgendeine persönliche militärische oder politische Macht aufzubauen. Außerdem wurde von begünstigten Höflingen von Zeit zu Zeit verlangt, die Königin und ihren riesigen Hofstaat zu beherbergen, und mehr als ein Landsitz mußte schnell vergrößert werden, um den reisenden Hof aufnehmen zu können. Die ruinösen Ausgaben lasteten schwer auf dem Geldbeutel eines manchen Adligen: ein weiteres effektives Mittel, um politische Unabhängigkeitsbestrebungen unter Kontrolle zu halten. Angesichts eines solchen engen Kreises von ehrgeizigen Höflingen, die sich um die Aufmerksamkeit einer polyglotten, hochgebildeten und musikalischen Königin bemühten, war es fast unausweichlich, daß dieser Hof ein Zentrum der Künste wurde und unter Elisabeths Herrschaft besonders Musik und Literatur eine große Blüte erlebten. Die Gruppe der professionellen Musiker am Hof war zwar nicht so groß wie unter ihrem Vater Heinrich VIII, jedoch waren unter ihnen die besten Talente des Landes versammelt, die ein bis heute berühmtes Repertoire für instrumentale Ensembles, Laute und Tasteninstrumente schufen. Wir haben versucht, im ersten Teil unseres Programms repräsentative Facetten dieser wunderbaren Musik zu zeigen. Es überrascht in diesem Zusammenhang, daß nur wenige Instrumentalwerke ausdrücklich der Königin gewidmet wurden. A Dump or The Queenes Treble, ein Stück des führenden elisabethanischen Lautenisten John Johnson, besteht aus einer virtuosen Oberstimme (im Original für Laute) über einer wiederholten Akkordfolge. Johnson war einer der ‘Musicians for the Three Lutes’; und so war dieses Stück vermutlich ein Teil des Repertoires, das er und seine Kollegen für die Königin spielten. Als Johnson 1594 starb, bewarb sich der berühmteste Lautenist seiner Zeit, John Dowland, auf seine Stelle, allerdings ohne Erfolg. Der kryptische Titel von Dowlands Pavane Solus cum sola (‘ein Mann und eine Frau alleine zusammen’) ist ein Zitat aus Terenz’ Stück Der Eunuch, das im elisabethanischen England sehr bekannt war; es stammt aus einer Szene, in der sich ein Liebender unerlaubterweise Zugang zu einem Mädchen verschafft, indem er seine Kleider mit denen ihres Wächters, eines Eunuchen, vertauscht. Man fragt sich, ob diese Geschichte für die ursprüngliche Widmungsträgerin irgendeine persönliche Bedeutung hatte! Dowlands Biographin Diana Poulton vermutete, daß sich die Phrase auf die Vorstellung der ‘Flucht des Einsamen zur Einsamen’ bezieht, die auf den mystischen Philosophen Plotin zurückgeht. Sollte dies wirklich der Fall sein, ist dieser Bezug ein höchst subtiler, da in Marsilio Ficinos lateinischer Übersetzung des griechischen Originals die Phrase ‘solius ad solum’ lautet. Die wehmütige Balladenmelodie Robin war in jener Zeit außerordentlich beliebt. So zitiert Ophelia in Hamlet ein Fragment des ansonsten verlorenen Textes: ‘for bonny sweet Robin is all my joy’. Die Ballade könnte auf die Königin und ihre Höflinge anspielen: Sir Walter Ralegh schrieb 1586 an Robert Dudley, Earl of Leicester, daß ‘die Königin sehr gut auf dich zu sprechen ist, und ... du bist wieder ihr süßer Robin’. Johnsons Medley existiert in zwei Versionen für Laute und für Tasteninstrument, die jeweils John und Edward Johnson zugeschrieben sind. Edward bot ‘Jhonsons Medley’ 1594 der Universität Cambridge als Prüfungsstück an, um damit den Grad eines B.Mus. zu erlangen; jedoch wird das Stück schon 1588 in Mundays Banquet of Daintie Conceyts erwähnt. Überdies findet es sich als Lautenfassung ohne ‘divisions’ in Matthäus Waissels Tabulatura (Frankfurt an der Oder, 1591), und die englischen Versionen bewahren die auffälligerweise kontinentalem Geschmack entsprechende und recht archaische Suitenform mit Pavanen-, Galliarden- und Saltarelloabschnitten, die jeweils durch Änderung der Taktvorzeichnung als solche gekennzeichnet sind. Dies ist höchst ungewöhnlich, da einem kontinentale Stücke nicht gerade häufig in elisabethanischen Quellen auftauchen. Wir führen das Stück als ein Duett von Laute und Virginal auf, eine Kombination, die häufig auf Gemälden der Zeit zu sehen ist und von der wir hoffen, daß sie bei Elisabeth, einer anerkannten Spielerin beider Instrumente, Anklang gefunden hätte. Allison’s Knell war ursprünglich für den bemerkenswerten elisabethanischen Ensembletyp des ‘broken consort’ geschrieben, in dem der Diskantgambe und der Laute die Aufgaben von Melodieinstrumenten zukamen. In unserer Adaption haben wir diese beiden Stimmen beibehalten und für die Gambe noch einige ‘divisions’ hinzugefügt. Die übrigen Stimmen, die im Original für Flöte und Baßgambe gedacht waren, werden mit einer Orgel wiedergegeben, welche auch die Akkorde realisiert, die sonst von Cittern und Bandora gespielt würden. Die Laute und die Gambe tauschen Phrasen aus, die an Glockenklänge erinnern; daneben gibt es weitere Anklänge an das Wechselläuten, die in der Struktur des polyphonen Satzes verborgen sind. Der ‘dump’ war ein populäres Genre jener Zeit, ein Stück, das über einer sich wiederholenden, zumeist sehr einfachen Akkordfolge geschrieben war. A Dump or The Queenes Treble verwendet drei Akkorde; im anonymen Artheres Dump, dem vermutlich ältesten Stück dieser Aufnahme, wechseln sich lediglich Akkorde in C und G ab. Beide ‘dumps’ klingen erstaunlich modern, vor allem deshalb, weil ihre charakteristischen Figurationen und einfachen harmonischen Muster bis heute typische Eigenarten der Folkmusik-Tradition geblieben sind. Thomas Robinsons Schoole of Musicke wurde 1603 gedruckt, gerade zum rechten Zeitpunkt, um der verstorbenen Königin mit seinen bewegenden Stücken Twenty Waies upon the Bels und The Queen’s good Night zu gedenken; beide sind im Original für zwei Lauten geschrieben. Die Baßstimmen beider Stücke stellten populäre harmonische Gerüste dar, über denen ‘divisions’ improvisiert wurden. Dowlands Galliarde, gewidmet ‘The most Sacred Queene Elizabeth’, ist eine Bearbeitung eines älteren Stückes, das ursprünglich mit ‘K[atherine] Darcyes Galliard’ betitelt war und für die Publikation 1610 mit neuem Titel versehen wurde. Die transparente Einfachheit von Farnabys Rest erinnert an Careys beinahe tröstliche Beschreibung vom Tod der Königin. Auf der anderen Seite bringen die ausgedehnten und gefühlvollen Lamentations Tobias Humes (eine typischere Darstellung elisabethanischer Melancholie) auch die Trauer zum Ausdruck, die ihre Zeitgenossen sicher gefühlt haben. Glocken—’die einzige Musik des armen Mannes’—begleiteten alle bedeutenden Ereignisse im Leben eines Menschen. Dazu gehörten natürlich auch staatliche Feierlichkeiten; und so begrüßen wir mit dem veritablen Geläute von William Byrds Bells König James VI von Schottland auf dem englischen Thron. Tobias Hume sorgt in seiner nachdenklichen Fantasie über Deth mit ihrem düsteren Refrain noch für einen lange nachklingenden letzten Abschiedsgruß an Elisabeth und ihr Zeitalter, entläßt uns aber schließlich mit einem insgesamt zuversichtlicheren und optimistischeren Blick auf Life. Krönungen sind stets Gelegenheiten für verschwenderische Musikdarbietungen: wir heben dieses Ereignis mit einer meisterhaften Orgelfantasie von Orlando Gibbons hervor, der bei Hofe in höchstem Ansehen stand und schließlich sowohl Organist der Chapel Royal wie auch der Westminster Abbey wurde. Zu den neuen musikalischen Moden, die am Hof Jacobs I gepflegt wurden, gehörte die Technik, die Gambe ‘lyra way’ (d.h. akkordisch, wie eine Lyra) zu spielen. Wir sind bereits der ‘lyra viol’-Musik Tobias Humes begegnet, in der eine reguläre Gambenstimmung verwendet wird; sein Zeitgenosse William Corkine jedoch erreicht in seinen Variationen über dem Volkslied Whoope, doe me no harme, goode man einen ganz anderen Effekt, indem er die sehr weite Skordatura-Stimmung namens ‘Fifths’ oder ‘Alfonso Way’ (in unserem Fall G’ D G d g c’) verwendet. Hier haben wir Corkines Gambensolo und Gibbons' Variationen derselben Melodie als Duett kombiniert. Die meisten wichtigen Entwicklungen des Musiklebens zur Zeit Jacobs I geschahen in den Haushalten der musikliebenden Prinzen Henry und Charles, denn die Hauptleidenschaft ihres Vaters war die Jagd und nicht die Musik. John Johnsons The New Hunt is Upp könnte kaum einen passenderen Titel haben. Wir beschließen unser Programm mit einer weiteren musikalischen Jagd, diesmal repräsentativ für die keltische Musik, die dem Monarchen aus dem Hause Stuart nach Süden folgte und nach Jacobs Thronbesteigung in englischen Manuskripten begegnet. Die Scottish Huntsupe ist der Versuch eines anonymen Lautenisten zur Zeit Jacob’s I, das Pfeifen der Dudelsäcke bei einem ‘ceilidh’ nachzuahmen: die thematisch verwandte Jigg ist eine dazugehörige Version für Tasteninstrument. Lynda Sayce, 2002 |
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