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Thomas Tallis: The Complete Works
Volume 5 - Music for the Divine Office - 2
Chapelle du Roi
directed by Alistair Dixon
Andrew Benson Wilson
Organ
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What the critics said about earlier volumes: |
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"Serenely beautiful" - Ivan March,
Penguin Guide
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"a masterly performance"
D. James Ross
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"their interpretation at times almost touches the visionary"
Mary Berry, The Gramophone
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Kommentar
Diese fünfte CD mit Musik von Tallis enthält die Choräle und
Responsorien, die nicht in die vierte CD mit aufgenommen wurden. Den
Abschluss bildet Tallis' liturgische Orgelmusik: fünf Hymnen und drei
Antiphone für das Offizium, ein Hallelujah für die Marienmesse und eine
erweiterte Vertonung des Offertoriums Felix namque.
Die Choräle und Responsorien
Der Kontext, in dem sich Tallis und seine Zeitgenossen der Komposition von
Hymnen und Responsorien zuwendeten, wurde in den Anmerkungen zu CD 4
dieser Reihe erörtert. Tallis’ Ansatz beim Komponieren dieser liturgischen
Werke war zwar methodisch, dabei jedoch einfallsreich. Die Hymnen sind im
Wesentlichen Vertonungen der ursprünglichen Cantus planus-Melodien. Als
Cantus planus gesungene Hymnen werden alternatim gesungen, d.h. die beiden
Seiten des Chors singen abwechselnd Verse zur gleichen Melodie. Tallis
behielt dieser alternatim-Struktur bei, indem er nur die geraden Verse und
gewöhnlich auch die Doxologie vielstimmig vertonte, während er die anderen
Verse zur ursprünglichen Melodie singen ließ.
Tallis verfasste zwei fünfstimmige Vertonungen der Hymne Te lucis ante
terminum, von denen die eine auf der Cantus planus-Melodie aufbaut, zu der
diese Hymne an Sonntagen und bei einfachen Festen gesungen wurde, wenn der
Chor einen Leiter hatte, und die andere auf der Melodie für normale
Wochentage und Feste ohne Chorleiter. In beiden Fällen vertonte er nur den
zweiten der drei Verse vielstimmig und verlegte die einstimmige Melodie
unverziert in die höchste Stimme. Die festliche Vertonung ist die etwas
aufwändigere von beiden, die einzelnen Stimmen sind rhythmisch
unabhängiger voneinander und jede Phrase der Melodie wird in einer der
Altstimmen antizipiert, bevor der Sopran sie übernimmt, während die
feriale Vertonung keine derartige Vorwegnahme aufweist. Es ist recht
erstaunlich, dass Tallis diese Verse in zusammengesetztem geraden Takt
vertont hat, denn obwohl dieses Metrum in der englischen Musik während des
frühen 15. Jahrhunderts recht gängig war, geriet es später aus der Mode
und war seit mehr als hundert Jahren außer Gebrauch gekommen; Tallis
wählte es möglicherweise, um den Eindruck einer mündlichen Tradition zu
reproduzieren, bei der Cantus planus-Hymnen in metrischer Form gesungen
wurden.
Wie seine Hymnen, reflektieren auch die Responsorien von Tallis insofern
ihren Hintergrund des Cantus planus, als sie zwischen Ein- und
Vielstimmigkeit abwechseln und die vielstimmigen Teile gewöhnlich den
Cantus planus zitieren, den sie ersetzen. Ein einstimmiges Responsorium
ist ein relativ langatmiger Teil, der an eine Lesung anschließt, um der
Gemeinde Zeit zu geben, den Inhalt der Lesung zu verinnerlichen. Er
besteht gewöhnlich aus dem Responsorium selbst, das von Solisten begonnen
und dann vom Chor aufgegriffen wird, einem Vers, der entweder von den
Anfängern oder einer anderen Solistengruppe gesungen wird, und dem ‘Gloria
patri’, das von den Sängern des Verses übernomen wird; der Chor wiederholt
den letzten Teil oder die letzten beide Teile des Responsoriums nach dem
Vers und dann den letzten Teil noch einmal nach dem ‘Gloria patri’. Tallis
und seine Zeitgenossen vertonten Responsorien auf zwei verschiedene Weisen—entweder
wählten sie eine vielstimmige Vertonung für die Soloabschnitte und ließen
die Chorteile einstimmig singen oder sie vertonten die Chorteile
vielstimmig, während die Soloabschnitte einstimmig gesungen wurden. Die
erste Art der Vertonung ist als Solo-Responsorium bekannt, die zweite als
chorales Responsorium.
Das einzige hier aufgenommene Solo-Responsorium ist das Audivi vocem, das
achte Responsorium für die Morgenandacht zu Allerheiligen und außerdem das
erste Responsorium für die Morgenandachten bei Festen verschiedener
Jungfrauen. Das ‘Ritual von Salisbury’ schreibt bestimmte Rituale für
diesen Wechselgesang zu Allerheiligen vor: während der vorangehenden
Lesung treten fünf Knaben in Chorhemden und weißen Pelzkapuzen mit
brennenden Fackeln aus der Sakristei und stellen sich an den Chorstufen
auf; sie wenden sich zum Hochaltar, beginnen das Responsorium, singen
dessen Vers und kehren dann wieder in die Sakristei zurück. Tallis’
Vertonung besteht—wahrscheinlich aufgrund praktischer Erwägungen—aus vier
Teilen anstatt fünf: drei Sopranstimmen und eine Altstimme repräsentieren
(vermutlich ohne beabsichtigte Ironie) die weisen Jungfrauen, die von der
himmlischen Stimme angesprochen werden. Das Audivi vocem zeigt trotz
seiner bescheidenen Ausmaße eine erstaunliche Vielseitigkeit in der
Behandlung der Cantus planus-Melodie: das Responsorium und der Vers
beginnen beide mit einer symmetrischen Nachahmung, die auf dem Cantus
planus aufbaut; bei ‘clamor factus est’ im Vers wird die Melodie in langen
Noten von der höchsten Stimme über einem lebhaften, begleitenden Trio
gesungen; und bei ‘ecce sponsus venit’ werden Motive, die etwas freier vom
Cantus abgeleitet sind, auf weniger systematische Weise von einer Stimme
an die andere weiter gegeben. Vielleicht war dies Tallis’ Reaktion auf die
Bilder, die der Text heraufbeschwört: die mitternächtliche Stille wird
plötzlich von der himmlischen Stimme durchbrochen, welche die Ankunft des
Bräutigams verkündet.
In den drei choralen Responsorien auf dieser CD bildet der Cantus planus
das Rückrat der polyphonen Textur, er wird in der Tenorstimme in gleichen
Notenwerten zitiert, die etwas umfangreicher sind als die der anderen
Stimmen. Auch hier lässt das einfache Verfahren bedeutende Variationen im
Detail zu. In Candidi facti sunt (dem Responsorium der ersten Vespern für
einen oder mehrere Apostel oder einen Evangelisten in den Tagen nach
Ostern) ist der Cantus fast ausschließlich auf den Tenor beschränkt; der
Alt und Contratenor spielen nur bei ‘splendorem’ darauf an. Es scheint,
als wollte Tallis
jeglichen Anflug einer gelockerten Struktur wieder auffangen, denn die
vier Stimmen, die nicht
die Melodie tragen, weben eine ungewöhnlich anhaltende imitative Textur um
den Cantus
Planus und schaffen damit ein
Gefühl von Dichte und kompromissloser Entschlossenheit, wie wir es von
Sheppard kennen. Die Vertonung von Honor virtus et potestas (dem sechsten
Responsorium für die Morgenandacht des Dreifaltigkeitssonntags) ist
hingegen weitaus phantasievoller. Hier fallen immer wieder Stimmen aus, um
ein vielseitiges Timbre zu schaffen und einige der nachahmenden Passagen
stärker zum Ausdruck kommen zu lassen (wie etwa bei ‘unitati in trinitate’).
In Honor virtus zitieren alle fünf Stimmen den Cantus planus an zwei
wichtigen Punkten des Aufbaus: zu Beginn der gesamten Vertonung und zu
Beginn des Abschnitts ‘in perenni seculorum tempore’, der nach dem
einstimmigen Vers und dem ‘Gloria patri’ wiederholt wird. Tallis
verwendete das gleiche Verfahren in Homo quidam fecit (dem Responsorium
der ersten Vespern von Corpus Christi). Hier spielen die freien Stimmen
ganz zu Anfang und dann zu Beginn des wiederholten Abschnitts ‘Quia parata
sunt omnia’ auf den Cantus planus an. Das Homo quidam erhält ebenfalls
einen besonderen Auftrieb durch seine lebhafte Deklamation und eine Reihe
struktureller Höhepunkte, in denen ein stimmliches Trio oder Quartett auf
alle sechs Stimmen ausgeweitet wird.
Nick Sandon, 1. Oktober 1999
Thomas Tallis’ Musik für Tasteninstrumente
Das Ausmaß an schriftlichen Überlieferungen von Tallis’ Musik für
Tasteninstrumente ist gering, vor allem angesichts seines hohen Rufs und
im Vergleich zu dem von William Byrd, der als sein Schüler gilt. Dies hat
zwei sich gegenseitig nicht ausschließende Gründe: zum einen die
Möglichkeit, dass ein Großteil seiner schriftlichen Kompositionen
verschollen ist, und zum anderen die Wahrscheinlichkeit, dass seine Musik
für Tasteninstrumente in den meisten
Fällen improvisiert war. Ein Bruchteil
davon wurde in einem kleinen Buch
von Thomas Mulliner Mitte des 16. Jahrhunderts festgehalten, anscheinend
für Übungs- und (möglicherweise) Nachahmungszwecke.
Die meisten seiner überlieferten Werke basieren auf Cantus planus-Melodien,
und vor allem in diesem Kontext, d.h. als Begleitung zum
Gesangsgottesdienst, wäre die Improvisation die übliche
Kompositionsmethode gewesen. Zwei längere, von Tallis verfasste
Vertonungen des Cantus planus ragen heraus, und zwar die des Offertoriums
Felix namque, einem Messegesang während dem Darbringen der Geschenke (in
diesem Falle bei Messen zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria). Diese
Vertonungen sind mit der langjährigen Tradition in England verbunden, das
Offertorium der katholischen Messe mit Orgelmusik zu untermalen, und die
überlieferten Zeugnisse dieser Tradition basieren meistens auf diesem
bestimmten Gesang. Angesichts der Datierungen von Tallis’ Vertonungen im
Fitzwilliam Virginal Book (1562 und 1564) ist es jedoch unwahrscheinlich,
dass sie für diese Liturgie vorgesehen waren (obwohl es sich bei der von
1564 möglicherweise um die Überarbeitung einer Vertonung für diesen Anlass
handelt).
Die Musik auf dieser CD war sicher zum Großteil für die Liturgie gedacht.
Die CD bietet Rekonstruktionen, die auf den uns bekannten liturgischen
Gepflogenheiten der Zeit basieren, in der die Werke wahrscheinlich
komponiert wurden—den letzten Jahren der Regierungszeit von Henry VIII.
und der von Queen Mary I. Im Prinzip wurde die Orgel anstelle der Stimmen
eingesetzt und ersetzte den Text, der ansonsten im Cantus planus oder
mehrstimmig gesungen wurde. Meistens wechselten in dieser Kompositionsform
Orgel und Stimmen einander ab, und eine der Aufgaben von Bearbeiter und
Interpret besteht darin, dem Orgelteil (oder den Orgelteilen) die richtige
Musik zuzuordnen. Dies ist nicht immer einfach, da derartige Werke in den
Manuskripten oftmals nicht betitelt sind. Das Halleluja Per te Dei
genitrix auf dieser CD galt lange Zeit als eine ‘Fantasy’, bis seine
Verwurzelung im Cantus planus und somit seine liturgische Funktion
entdeckt wurden.
Man geht gewöhnlich davon aus, dass die stimmlichen Teile solcher
Kompositionen im Cantus planus gesungen wurden, doch dies kann nicht ohne
weiteres vorausgesetzt werden. So wurde u.a. argumentiert, dass
beispielsweise die polyphonen Kirchenlieder von John Sheppard sehr gut zu
bestimmten Sequenzen der Orgelverse mit den gleichen Melodien passen
würden. Einer der Gründe für diese Annahme war eine Konvention, die
ungeraden Verse vom Organisten spielen zu lassen und die geraden Verse
vielstimmig zu vertonen. Natürlich konnten beide Formen der Vertonung mit
dem Cantus planus abwechseln. Eine andere Möglichkeit ist die Verbindung
von Orgelvertonungen mit einfacher Vielstimmigkeit, bei der im 16.
Jahrhundert Improvisationen durchaus denkbar wären. Improvisationen für
drei Stimmen wurden gewöhnlich als Faburden bezeichnet, und diese CD
enthält einige Rekonstruktionen dieser Singform.
Eine Schwierigkeit bei Tallis’ Orgelvertonungen besteht darin, dass die
Anzahl der überlieferten Kirchenliedverse zu gering ist, um daraus alle
ungeraden Verse eines der relevanten Kirchenlieder zusammenzustellen. Wie
bereits erwähnt, hat Thomas Mulliner nur eine gewisse Auswahl des
Repertoires getroffen, und sein Buch war nicht für den liturgischen
Gebrauch vorgesehen. Daher wurde hier zur kompletten Rekonstruktion der
Kirchenlieder Musik von anderen Komponisten herangezogen sowie Faburden
eingebaut, um bei unzureichender Orgelmusik ein Element der Abwechslung zu
schaffen. Die überlieferten Manuskripte enthalten einige Hinweise auf das
Mischen von Elementen aus verschiedenen Quellen zur Schaffung eines
vollständigen Kirchenlieds. Uns erscheint dies als eine weniger
spekulative Methode als zeitgenössische Versuche der ‘Improvisation’.
Die Kirchenlieder auf dieser CD sind Iste confessor (für Feste von
Märtyrern), Ecce tempus idoneum (für die erste Vesper in der Passionszeit),
Jam lucis orto sidere (für die Prim, wobei die Melodie der Oktav des
Dreikönigstags entlehnt ist), Ex more docti mistico (für die zweite Vesper
in der Passionszeit) und Veni redemptor gentium (für Vespern an
Heiligabend und während der Weihnachtszeit). Bei allen stammt die Musik
für entweder einen oder zwei Versen von Tallis.
Die andere am stärksten vertretene Form ist die Antiphon. Gloria tibi
trinitas wurde als Psalm-Antiphon bei der ersten Vesper am
Dreifaltigkeitssonntag verwendet sowie für das Quicunque vult bei der Prim
an Gebetsfeiertagen oder anderen geringeren Anlässen. Wahrscheinlich war
in keinem dieser liturgischen Kontexte eine Orgelvertonung erforderlich,
und es wird keine Rekonstruktion zur Unterstützung von Tallis’ Vertonung
dieser Melodie angeboten1. Ferner wurde auch dem ungewöhnlichen kleinen
Wechselgesang ‘Natus est nobis’ für die vier Psalmen bei der Komplet in
der Weihnachtswoche keine Rekonstruktion der gesamten Psalmodie angehängt.
Mit Ausnahme von bedeutenden Kirchenfesten wurden Antiphonen gewöhnlich in
verkürzter Form vor einem Psalm oder Preislied gesungen und nur am Ende
des Gottesdienstes in ihrer Gesamtheit. Ein Beispiel dafür auf dieser CD
ist das Clarifica me pater, das mit dem Magnifikat der ersten Vesper am
Palmsonntag gesungen wurde. Tallis hat—wie einige Komponisten nach ihm—auch
eine etwas erweiterte Version dieser Melodie vertont, deren genauer Zweck
und Ursprung unbekannt sind.
Das einzige Musikstück für die Messe (abgesehen von den Vertonungen des
Felix namque, falls relevant) ist das Halleluja mit dem Vers Per te Dei
genitrix für Messen zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria. Hier übernimmt
die Orgel die Rolle des ‘Chorleiters’—d.h. sie spielt die Teile des
Gesangs, die normalerweise von diesem übernommen werden, während der Rest
als Chorgesang dargeboten wird.
Tallis’ schriftliche Musik für die Liturgie ist ebenso schlicht wie
reizvoll. (Dies ist ein weitere Grund für die Annahme, dass die Felix
namque-Stücke nicht liturgisch sind.) Normalerweise ist der Cantus planus
etwas kunstvoller angelegt und wird durch das vielstimmige Umfeld verdeckt.
Bei dem Gloria tibi trinitas handelt es sich um ein für Tallis recht
ungewöhnliches, karges zweiteiliges Idiom, in dem der Cantus planus im
Bass sehr verdeckt ist. Dadurch zeichnet es sich von den übrigen Stücken
ab, deren sanfter, fast stimmlicher Stil darauf hindeutet, dass sie aus
den kurzen Regierungsjahren (1553-8) von Mary stammen. Dies trifft weniger
auf die in dieser Aufnahme verwendeten ‘importierten’ Stücke zu, von denen
einige noch in die Zeit von Henry VIII. fallen. Doch wie gesagt, findet
man häufig eine Mischung von Stilen in den zusammengeflickten
Kompilationen der größeren Quellen. Eine unter ihnen, das ‘Additional MS
29996’ in der British Library, enthält drei liturgische Sammlungen, deren
Kirchenliedern unsere zusätzlichen Stücke entnommen sind.
1Es ist denkbar, dass John Blithemans sechs Vertonungen des ‘Gloria tibi
trinitas’ (Mulliner Book, Nr. 91-96) als eine Sammlung für das ‘Quicunque
vult’ für die Prim montags bis samstags vorgesehen war. In dem Fall könnte
das Stück von Tallis auch als liturgisch gelten. Der seltsame Untertitel
im Manuskript (Oxford, Christ Church, Mus. 371) - ‘ij parts on a rownd
tyme’ - ist ungeklärt.
John Caldwell, July 2001
Das Aufzeichnen der Orgelwerke von Tallis erfordert eine Reihe schwieriger
Entscheidungen—nicht zuletzt die Wahl der Orgel. Es gibt keine erhaltenen
englischen Orgeln aus dem 16. Jahrhundert und nur ganz wenige aus dem 17.
Jahrhundert. Wir wissen nicht, wie die Tallis bekannten Orgeln klangen,
obwohl einige schriftliche Quellen sowie die kürzliche Entdeckung von
Resonanzböden zweier kleiner Orgeln aus dem frühen 16. Jahrhundert
faszinierende Anhaltspunkte über Größe und Anzahl der Pfeifen geben.
Die Orgel der spätmittelalterlichen Privatkapelle von Knole, einem
riesigen Gut in Kent, ist möglicherweise die älteste spielbare Orgel in
England. Knole befand sich zu Tallis’ Lebzeiten im Besitz von sowohl dem
Erzbischof Cranmer als auch Henry VIII., die beide seine Dienstherren
waren, zum einen in der Canterbury Cathedral und zum anderen in der Chapel
Royal. Die Orgel steht zu ebener Erde im liturgischen ‘Westende’ der
Kapelle unter einer hölzernen Galerie, während der Rest des Kapelle in
Form eines Stiftchors angelegt ist. Sie besitzt vier Pfeifenreihen aus
Eichenholz (Stopped Diapason 8, Principal 4, Twelfth 22/3 und Fifteenth 2)
in einer rechteckigen, verzierten Truhe mit der Klaviatur in Handhöhe.
Derartige Holzpfeifenorgeln scheinen Teil einer Tradition zu sein, die
spätestens um 1500 begann und sich bis ans Ende des 17. Jahrhundert
fortsetzte. Die Knole-Orgel hat eine bewegte Geschichte. Wir wissen nicht,
wer sie gebaut hat, wann sie gebaut wurde, wann sie das erste Mal in Knole
auftauchte und wo sie davor gewesen sein könnte. Ein frühes Handbuch
verweist darauf, dass die Orgel das Datum 1623 trägt, doch ein solches
Datum ist heute nicht mehr auf ihr erkennbar. Stilistische Merkmale,
insbesondere das Gehäuse, sprechen dafür, dass sie aus dem frühen 17.
Jahrhundert stammt. Die Datierung um 1620 ist eine Mutmaßung und
möglicherweise wurden einige ihrer Teile, einschließlich des
Resonanzbodens und ein paar der Pfeifen, früher erbaut. Die Orgel wurde
innerhalb des Hauses mehrmals umgestellt, und verschiedene Reparaturen,
Änderungen und Ergänzungen haben ihre Spuren hinterlassen. Gleich einem
alten Familienfaktotum legt sie gewisse Altersschwächen an den Tag und
kann etwas launisch und unberechenbar sein. Ihr Knochengerüst ist nicht
mehr das, was es einmal war, und neigt zum Rasseln. Sie zeigt auch
manchmal gewisse Atembeschwerden, doch das regelmäßige Ächzen beim Pumpen
der Bälge (mit dem Fuß) ist ein beruhigendes Zeugnis ihrer
vorelektronischen Vergangenheit. Ihr Ton ist hoch (A460 Hz). Aufgrund
ihrer mitteltönigen Viertelkomma-Temperierung mit den reinen Terzen ist
sie gut für die Musik aus dieser Periode geeignet. Was auch immer ihre
Herkunft, der Klang dieser Orgel in der Akustik der Knole-Kapelle ähnelt
wahrscheinlich dem, was Tallis in der Chapel Royal kannte.
Was den Interpreten betrifft, so muss er beim Spielen eine Reihe von
Interpretations-entscheidungen treffen. In England wurden beispielsweise
bis Mitte des 17. Jahrhunderts als einzige Verzierungszeichen einfache
oder doppelte Querstriche durch die Notenhälse verwendet. Es gibt zwar
verschiedene Theorien über die Bedeutung dieser Zeichen, doch leider keine
eindeutigen Beweise. Häufig werden die Zeichen als Abwechslung zwischen
oberen und unteren Noten interpretiert oder als Angabe der erforderlichen
Wiederholungen. Der einfache Querstrich könnte aber auch ein Glissando zu
der markierten Note anzeigen, wie dies später im 17. Jahrhundert der Fall
war. Doch keine dieser Theorien ist durchweg überzeugend—nicht einmal
innerhalb eines Musikstückes. Gleichermaßen verwirrend ist die Frage, ob
die Verzierungen—vor allem im Felix namque—original sind. Es herrschen
Unstimmigkeiten zwischen den Quellen, und viele der Verzierungen wurden
wahrscheinlich von anderen Musikern hinzugefügt. Ebenfalls problematisch
ist die Anwendung von Vorzeichen, darunter die für die Tudorzeit so
typische Verwendung falscher Beziehungen (das gleichzeitige Erklingen
eines Tons und seiner chromatischen Veränderung, gewöhnlich eine Oktave
auseinander) sowie andere Aspekte der musica ficta. Dies ist ein
bedeutendes Charakteristikum in Tallis’ Musik, das insbesondere im letzten
Vers von Ex more docti und Clarifica me pater II vernehmlich ist. Wie so
oft, blieben viele Aspekte der Interpretation dem Orgelspieler überlassen.
Andrew Benson-Wilson, January 2002 Texts Audivi vocem de coelo R.
Audivi vocem de coelo venientem: venite omnes virgines sapientissimae;
oleum recondite in vasis vestris dum sponsus advenerit. V. Media
nocte clamor factus est: ecce sponsus venit. R. Oleum recondite
in vasis vestris dum sponsus advenerit. Candidi facti sunt
R. Candidi facti sunt Nazarei ejus, alleluia; splendorem Deo dederunt,
alleluia; et sicut lac coagulati sunt, alleluia. V. In omnem
terram exivit sonus eorum: et in fines orbis terrae verba eorum.
R. Et sicut lac coagulati sunt, alleluia. V. Gloria Patri et
Filio et Spiritui Sancto. R. Et sicut lac coagulati sunt,
alleluia. Honor virtus et potestas R. Honor, virtus, et
potestas, et imperium sit Trinitati in Unitate, Unitati in Trinitate, in
perenni saeculorum tempore. V. Trinitati lux perennis, Unitati
sit decus perpetim. R. In perenni saeculorum tempore. V.
Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto. R. In perenni
saeculorum tempore. Homo quidam fecit coenam R. Homo
quidam fecit coenam magnam, et misit servum suum hora cenae dicere
invitatis ut venirent, quia parata sunt omnia. V. Venite,
comedite panem meum, et bibite vinum quod miscui vobis. R. Quia
parata sunt omnia V. Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto.
R. Quia parata sunt omnia. Te lucis ante terminum Te
lucis ante terminum,
Rerum Creator poscimus
Ut solita clementia
Sis praesul et custodiam.
Procul recedant somnia
Ex noctium phantasmata
Hostemque nostrum comprime
Ne polluantur corpora.
Praesta, Pater omnipotens,
Per Jesum Christum Dominum;
Qui tecum in perpetuum
Regnat cum Sancto Spiritu. Amen. Natus est nobis hodie
Natus est nobis hodie salvator qui est Christus dominus in civitate
David. Veni redemptor gentium Veni Redemptor gentium
ostende partum virginis
miretur omne seculum
talis decet partus Deum.
Non ex virile semine
sed mystico spiramine
verbum Dei factum caro
fructusque ventris floruit. Alvus tumescit virginis
claustra pudoris permanent
vexilla virtutum micant
versatur in templo Deus. Procedens de thalamo suo
pudoris aula regia
gemine gigas substantie
alacris ut currat viam. Egressus eius a Patre
regressus eius ad Patrem:
excursus usque ad inferos:
recursus ad sedem Dei. Equalis eterno Patri
carnis tropheo accingere
infirma nostri corporis
virtute firmans perpetim. Presepe iam fulget tuum
lumenque nox spirat novum
quod nulla nox interpolet
fide quo iuge luceat. Deo Patri sit gloria
eiusque soli Filio
cum Spiritu Paraclyto
nunc et in perpetuum. Amen. Jam lucis orto sidere Jam
lucis orto sidere
Deum precemur supplices:
ut in diurnis actibus
nos servet a nocentibus. Linguam refrenans temperet
ne litis horror insonet
visum fovendo contegat
ne vanitates hauriat. Sint pura cordis intima
absistat et vecordia
carnis terat superbiam
potus cibique parcitas. Ut cum dies abscesserit
noctemque sors reduxerit
mundi per abstinentiam
ipsi canamus gloriam. Deo Patri sit gloria
eiusque soli Filio
cum Spiritu Paraclyto
nunc et in perpetuum. Ecce tempus idoneum
Ecce tempus idoneum
medicina peccaminum
quibus Deum offendimus
corde verbis operibus
Qui pius et propitius
nobis pepercit actibus
ne nos cum nostris perderet
tantis iniquitatibus
Hunc igitur ieiuniis
cum precibus et lacrimis
multisque bonis aliis
placemus devotissimi Ut nos a cunctis sordibus
purgans ornet virtutibus
angelicis et cetibus
coniungat in caelestibus Sit benedictus genitor
eiusque unigenitus
cum Spiritu Paraclyto
trinus et unus Dominus. Amen. Ex more docti mistico Ex
more docti mistico
servemus hoc jejunium
deno dierum circulo
ducto quater notissimo Lex et prophetae primitus
hoc praetulerunt postmodem
Christus sacravit omnium
Rex atque factor temporum. Utamor ergo parcius
verbis cibis et potibus
Somno iocis et articus
perstemus in custodia. Vitemus autem pessima
quae subruunt mentes vagas
Nullumque demus callidi
Hostis locum tyrannidi. Dicamus omnes cernui
Clamemus atque singuli
ploremus ante iudicem
flectamus iram vindicem. Nostris malis offendimus
tuam Deus clementiam
effunde nobis desuper
remissor indulgentiam. Memento quod sumus tui
licet caduci plasmatis
ne des honorem nominis
tui precamur alteri. Laxa malum quod fecimus
auge bonum quod poscimus
placere quod tandem tibi
possimus hic et perpetim. Praesta beata trinitas
concede simplex unitas
ut fructuosa sint tuis
ieiuniorum munera. Amen. Clarifica me pater
Magnificat: anima mea Dominum.
Et exsultavit spiritus meus: in Deo salutari meo.
Quia respexit humilitatem ancillae suae: ecce enim ex hoc beatam me dicent
omnes generationes.
Quia fecit mihi magna qui potens est: et sanctum
nomen ejus.
Et misericordia ejus a progenie in progenies:
timentibus eum.
Fecit potentiam in brachio suo: dispersit superbos mente cordis sui.
Deposuit potentes de sede: et exaltavit humiles.
Esurientes implevit bonis: et divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum: recordatus
misericordiae suae.
Sicut locutus est ad patres nostros: Abraham et
semini ejus in saecula.
Gloria Patri et Filio: et Spiritui Sancto.
Sicut erat in principio et nunc et semper: et in
secula seculorum. Amen.
Clarifica me pater apud temetipsum claritate quam habui priusquam mundus
fieret. Alleluja. Gloria tibi trinitas Gloria tibi
trinitas equalis una deitas
et ante omnia secula et nunc et in perpetuum. Iste confessor
Iste confessor Domini sacratus
festa plebs cuius celebrat per orbem
hodie letus meruit secreta
scandere celi. Qui pius prudens humilis pudicus:
sobrius castus fuit et quietus
vita dum presens vegetavit ejus
corporis artus. Ad sacrum cujus tumulum frequenter
membra languentum modo sanitati
quolibet modo fuerint gravati
restituuntur. Unde nunc noster chorus in honore
ipsius hymnum canit hunc libenter
ut piis ejus meritis iuvemur
omne per aevum.
Sit salus illi decus atque virtus
qui supra celi residet cacumen
totius mundi machinam gubernat
trinus et unus. Amen. Alleluia: per te Dei genitrix
Alleluia: per te dei genitrix nobis
est vita perdita data
que celo suscepisti prolem
et mundo genuisti salvatorem.
|
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| 1 |
Audivi Vocem de Coelo |
[3:29] |
| 2 |
Candidi Facti Sunt |
[4:32] |
| 3 |
Honor Virtus et Potestas |
[5:49] |
| 4 |
Homo Quidam Fecit Coenam |
[5:05] |
| 5 |
Te Lucis Ferial |
[1:35] |
| 6 |
Te Lucis Festal |
[2:07] |
| 7 |
Natus Est nobis hodie |
[0:52] |
| 8 |
Veni Redemptor genitum |
[7:35] |
| 9 |
Jam Lucis orto sidere |
[4:04] |
| 10 |
Ex more docti mistico |
[7:13] |
| 11 |
Ecce tempus idoneum |
[4:12] |
| 12 |
Magnificat & Clarifica me pater |
[4:33] |
| 13 |
Clarifica me pater (II) |
[1:03] |
| 14 |
Clarifica me pater (III) |
[1:10] |
| 15 |
Gloria Tibi Trinitas |
[1:50] |
| 16 |
Alleluia: Per te Dei genitrix |
[5:01] |
| 17 |
Felix Namque (II) |
[12:29] |
| |
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Total running time: |
[77.53] |
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