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The Fitzwilliam Virginal Book
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"an inspired concept...outstanding in
every respect" BBC Music Magazine (Disc of the Month) |
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Kommentar
Das Fitzwilliam Virginal Book wurde von Francis Tregian d. J. (1574?-1618) während seines letzten Lebensjahrzehnts zusammengestellt. Den Namen hat es von seinem jetzigen Aufbewahrungsort, dem Fitzwilliam-Museum in Cambridge, seine große Bekanntheit von der berühmten, aber mit gewisser Sicherheit ins Reich der Legenden gehörenden Geschichte, daß es während Tregians Haft im Londoner Tower entstanden ist. Was auch immer es mit dieser Geschichte auf sich hat-das Fitzwilliam Virginal Book ist eine der größten Fundgruben der englischen Musikgeschichte. Es enthält 247 Stücke auf 220 Folio-Seiten und ist dadurch schon von seinem Umfang her bemerkenswert; davon abgesehen beeindruckt die Sammlung aber auch durch ihre Qualität. In ihr sind fast alle großen Komponisten der elisabethanischen und jakobinischen Zeit vertreten, die für Tasteninstrumente geschrieben haben, manche von ihnen reichlich. So ist das Manuskript eine Hauptquelle etwa für die Werke von John Bull, William Byrd, Giles Farnaby und Peter Philips. Beinahe alle Stücke sind englischer Herkunft, obwohl es auch ein paar Ausnahmen gibt: einige Werke von Philips, die auf dem Kontinent entstanden sind, ein paar Stücke von Sweelinck, und eine einzelne Toccata von Giovanni Picchi, die Tregian wohl als bemerkenswert avantgardistisch aufgefallen war.
Wie man auch erwarten könnte, sind viele dieser Kompositionen virtuose Paradestücke für Tasteninstrumente, so etwa Pavanen, Galliarden und Allemanden, intavolierte Madrigale, Variationenfolgen, frei komponierte Stücke wie Preludien und Fantasien, und 'intellektuelle' Stücke über einem Cantus firmus oder dem Hexachord. Andere wiederum sind einfachere Arrangements von Melodien, die Teil der lebendigen Musikkultur waren und die auf vielfältige Weise auf den damals üblichen Instrumenten aufgeführt wurden. Wir haben Stücke für Tasteninstrument für die zahlreichen instrumentalen Ensembles bearbeitet, die damals populär waren; einige Besetzungen sind noch durch erhaltene Quellen bekannt, andere sind Rekonstruktionen anhand von zeitgenössischen Gemälden, auf denen instrumentale Ensembles dargestellt sind.
Es war eine übliche Praxis jener Zeit, daß ein Komponist das Stück eines anderen bearbeitete; dafür gibt es auch im Fitzwilliam Virginal Book einige Beispiele. Philips' Amarilli ist eine Bearbeitung von Amarilli mia bella von Guilio Caccini, einem römischen Sänger, Komponisten und Lautenisten, der lange Zeit seines Lebens in Florenz verbrachte, wo er einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Oper geleistet hat. Amarilli war sein berühmtestes Werk, das zuerst in seiner Nuove Musiche (Florenz 1601) veröffentlicht wurde, dann aber schnelle Verbreitung in ganz Europa fand. O Mistress Mine war ursprünglich ein simples Lied von Thomas Morley. Die Fassung in dieser Aufnahme hält sich an die Cembalo-Fassung von Byrd, wolche wir mit dem originalen Text versehen habe.
Das Manuskript stellt aber auch eine große Fundgrube an Balladenmelodien dar, für die die englische Musik zu Recht berühmt ist. Hier gibt es eine beträchtliche Überschneidung mit dem Repertoire der solistischen Lautenmusik, des Violenconsort und des gemischten Consort. Die meisten dieser Melodien sind ursprünglich zu sehr einfacher Begleitung gesungen worden; im Fitzwilliam Virginal Book dienen sie jedoch als Grundlage für virtuose Variationen. Dazu gehören Byrds Variationen über die sanfte und lyrische Ballade Walsingham, Farnabys außergewöhnliche Variationen über Daphne, die eine große rhythmische Vielfalt aufweisen, und schließlich seine kontrapunktischer gearbeitete Variationenreihe über Loth to Depart. (Die letztere erinnert an den Klang von John Dowlands großartigem Lautensolo, dem dieselbe Melodie zugrundeliegt). Sie erklingt hier in einem Arrangement für Lautenduett, das eines der populärsten kammermusikalischen Besetzungen jener Zeit darstellt. Lord Zouches Mask und Up Tails All sind Beispiele für etwas ausgelassenere Melodien; beide sind in zahllosen Bearbeitungen überliefert, besonders für Laute und gemischtes Consort. William Inglotts Variationen über The Leaves bee greene weben
in verschiedenen Stimmlagen ein kontra-punktisches Netz um diese schwermütige Melodie, ein Verfahren, das an Byrds Bearbeitung desselben Themas für Consort erinnert: Auch dort wird die Melodie zwischen den einzelnen Stimmen herumgereicht. Thematisch paßt das Stück The Fall of the Leafe gut dazu, eines von nur vier überlieferten Virginalstücken Martin Peersons, der ein profilierter Komponist von Songs und Anthems war.
Rowland ist der niederländische Titel eines Stückes, das in England besser als My Lord Willoughby's Welcome Home bekannt ist: ein triumphierendes und fröhliches Lied, geschrieben zur Feier der erfolgreichen Heimkehr von Peregrine Bertie, des elften Barons Willoughby de Eresby, der in den Niederlanden gekämpft hatte. Eine Bearbeitung für zwei Lauten ist besonders populär geworden. Wir haben das Stück hier für zwei Gamben bearbeitet, die 'lyra way', also akkordisch spielen, etwa in der Art der Duette Tobias Humes. Dieselbe Behandlung erfährt eine anonyme Alman, die thematisch ähnlich geartet ist.
Tanzformen, besonders Pavane und Galliarde, waren in der Musik der elisabethanischen Zeit von zentraler Bedeutung. Es war damals üblich, ein thematisch verwandtes Paar zu komponieren, bei dem auf eine feierliche Pavane im geraden Takt eine lebhaftere Galliarde im Dreiertakt folgte. Eine Pavane und eine Galliarde von William Byrd sind hier im Stil von John Dowlands Lachrymae-Druck von 1604 arrangiert, in der Besetzung mit Streichern und Laute, wobei die Laute in jedem Abschnitt zunächst einen Auszug des Streichersatzes mitspielt und dann bei den Wiederholungen Divisions hinzufügt.
Orlando Gibbons ist im Fitzwilliam Virginal Book etwas unterrepräsentiert, jedoch ist das Buch eine bedeutende Quelle für sein berühmtestes Stück, The Lord of Salisbury his Pavan. Das Manuskript überliefert eine ungewöhnliche, aber vollkommen kohärente Version, an der wir uns orientiert haben, statt das Werk zugunsten von anderen Quellen abzuändern. Es wird hier auf der Laute gespielt, nach dem Beispiel des großen Lautenisten Francis Cutting, der viele für Tasteninstrument geschriebene Stücke für sein eigenes Instrument bearbeitete.
Es bot sich an, Bulls programmatisches Stück The King's Hunt für ein farbiges gemischtes Consort zu arrangieren. Hier und in dem an Folkmusik erinnernden Gipseis' Round von William Byrd haben wir von der rustikalen Klangfarbe einer Flaute, einer Violine und einer Cittern Gebrauch gemacht, die zum Klang der Violen, der Laute und des Tasteninstruments hinzukommen. Bull ist außerdem durch ein Stück vertreten, das sich in seinem Charakter von den vorigen stark unterscheidet: seine Fantasie Ut re mi fa sol la beruht auf dem Hexachord, einer Tonleiter aus sechs Tönen, die man während des ganzen Stückes aufsteigen und fallen hören kann. Bull, der sich keineswegs damit begnügt, einen strengen Kontrapunkt um diese Tonleiter herumzuweben, konstruiert ein Stück von großer kompositorischer Rafinesse. Zunächst erprobt er die Möglichkeiten, die in der Veränderung des Hexachords liegen, indem er ihn transponiert: dadurch gerät das Stück in eine Reihe recht entlegener Tonarten. Sind diese Möglichkeiten einmal erschöpft, kehrt er zu seinem thematischen Ausgangspunkt zurück und beginnt erneut, indem er diesmal mit ihm verschiedene rhythmische Veränderungen vornimmt. Der Gipfel der Komplexität ist erreicht, wenn jede Stimme in einer verschiedenen Taktart verläuft. Völlig zu Recht ist dieses Stück mit 'Doctor Bull' signiert!
Sweelinks Praeludium Toccata ist dasjenige Stück dieser Aufnahme, das am fremdartigsten klingt; wir haben es deshalb konsequenterweise für ein fremdartiges Klangmedium bearbeitet: das virtuose Passagenwerk erklingt auf einer Gambe im 'viola bastarda'-Stil, wobei sämtliche Register des Instruments ausgeschöpft werden und die Theorbe eine einfache akkordische Begleitung hinzufügt. Dies war in Tregians England in jeder Hinsicht ebenso ungewöhnlich wie die Musik selbst.
Lynda Sayce, 1999
Die Vorstellung vom armen und müßigen Kopisten, der wegen religiösen Abweichlertums im Fleet-Gefängnis inhaftiert war und sich dort mit dem Abschreiben von Kompositionen die Zeit vertrieb, hält der näheren Überprüfung nicht stand. Die Tregians stammten aus einer Familie mit weitreichenden Verbindungen, die sich mit Verwandten in den Adelshäusern von Arundel, Stourton, Stanley und Grey schmücken konnte. Der sture Charakter des konservativen Katholiken aus Cornwall, der die Inhaftierung jedem Kompromiß vorzog, paßt eher zu dem älteren Francis Tregian. Obgleich die Ländereien des jüngeren Tregian beschlagnahmt wurden, war seine Armut nicht ausschließlich dadurch bedingt, sondern war auch eine Folge des allgemeinen Durcheinanders jener Zeit und späterer katholischer Legendenbildungen, die einen Märtyrer aus ihm machen wollten. Seine Schuld von £200 im Fleet müssen vor dem Hintergrund der schrecklichen Haftbedingungen gesehen werden: zu jener Zeit wurden Gefängnisinsassen dazu getrieben, die Bezahlung von Unterkunft und Verpflegung aus Protest zu verweigern, wobei andere in weitaus größeren Zahlungsrückstand gerieten als Tregian. Jedoch wurde es Insassen auch oft erlaubt, das Fleet unter Aufsicht zu verlassen, freilich nur unter Kaution. Um Zugang zu der Vielzahl an Quellen zu bekommen, die er für die Zusammenstellung seiner Virtuosenstücke brauchte, muß er dem Gefängnis einige finanzielle Sicherheit geboten haben, um sich frei bewegen zu können. Obwohl Tregian wahrscheinlich das Manuskript nur erstellt, und nicht geschrieben hat, zeigen sich in der Samlung gelehrte Sachkenntnis und ein kultiviertes Wissen um die neuesten ausländischen musikalischen Entwicklungen. Mit dieser Aufnahme wollen wir nicht nur auf das enorme Spektrum und die bemerkenswerte Vielfalt des Fitzwilliam Virginal Book aufmerksam machen, sondern auch auf die fortschrittliche und geistig offene Haltung, die hinter Tregians Auswahlprozeß steht. Zu diesem Zweck setzen wir die bewährte Tradition von charivari agréable fort und präsentieren einige Stücke aus dem Fitzwilliam Virginal Book in neuen Arrangements und Adaptionen, indem wir in manchen Fällen auf die mutmaßlichen älteren Consort-Versionen zurückgreifen und in anderen auf der Grundlage der historischen Aufführungspraxis klangliche Innovationen bieten.
Kah-Ming Ng, 1999
[3] O Mystress Myne
O mistress mine where are you roaming?
O stay and hear your true love's coming
That can sing both high and low.
Trip no further pretty sweeting,
Journeys end in lovers meeting,
Every wise man's son doth know.
What is love, 'tis not hereafter
Present mirth hath present laughter.
What's to come is still unsure
In delay there is no plenty
So come kiss me sweet and twenty,
Youth's a stuff will not endure.
O Schatz! Auf welchen Wegen irr Ihr?
O bleibt und hört! Der Liebste girrt hier,
Sing in hoh- und tiefem Ton.
Hüpft nicht weiter, zartes Kindlein!
Liebe find't zuletzt ihr Stündlein,
Das weiß jeder Muttersohn.
Was ist Lieb'? Sie ist nicht künftig;
Gleich gelacht ist gleich vernünftig;
Was noch kommen soll, ist weit.
Wenn ich zögre, so verscherz' ich;
Komm denn, Liebchen, küss' mich herzig!
Jugend hält so kurze Zeit.
[8] Daphne
When Daphne from faire Phoebus did flie,
the West winde most sweetly did blow in her face.
Her silken scarf scarce shaddowed her eyes,
the God cried, O pitie, and held her in chace.
Stay Nimph, cryes Apollo,
Tarry and turn thee, sweet Nimph stay.
Lion nor Tyger doth thee follow,
Turne thy faire eyes and look this way.
O turne O prettie sweet
And let our red lips meet:
Pittie, O Daphne, O pitty me.
Als Daphne dem schönen Phoebus entfloh,
Blies ihr der Westwind gar lieblich ins Gesicht.
Kaum beschattete ihr seidener Schal ihre Augen,
Der Gott rief, hab' Mitleid, und jagte ihr nach.
Halt ein, Nymphe, ruft Apollo,
Verweile, drehe dich um, süße Nymphe, halt ein.
Weder Löwe noch Tiger folgen dir,
Wende deine schönen Augen in diese Richtung.
Dreh' dich um, O liebliche Schöne,
so daß sich unsere roten Lippen treffen.
Hab' Mitleid, O Daphne, hab' Mitleid mit mir.
[17] Amarilli di Julio Romano
Amarilli mia bella
Non credi o del mio cor dolce desio
D'esser tu l'amor mio?
Credilo pur e se timor t'assale
Prendi questo mio strale
Aprim'il petto
e vedrai scritto in core,
Amarilli è'l mio amore.
Credilo pur e se timor t'assale
Dubitar non ti vale
Aprim'il petto
e vedrai scritto in core,
Amarilli è'l mio amore.
Meine liebliche Amarilli
Glaubst du nicht, süße Sehnsucht meines Herzens,
Daß ich dich liebe?
Glaube mir, und dann, wenn dich Angst überfällt,
Nimm diesen meinen Pfeil,
Öffne meine Brust
Und du wirst auf meinem Herzen lesen:
Ich liebe Amarilli.
Glaube mir, und dann, wenn dich Angst überfällt
Und Zweifel dich quälen,
Öffne meine Brust
Und du wirst auf meinem Herzen lesen:
Ich liebe Amarilli.
| Title Page Programme Notes Commentaire Kommentar Reviews Credits Charivari Agréable |
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| Release date: | 1st September 1999 | |
| Order code: | SIGCD009 | |
| Barcode: | 635212000922 | |
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| 1 | William Byrd - Walsingham | [5:52] |
| 2 | Giles Farnaby - Loth to depart | [3:43] |
| 3 | Thomas Morley (arr. William Byrd) - O Mystress Myne | [4:16] |
| 4 | Giles Farnaby - Lord Zouches Maske | [2:27] |
| 5 | John Bull - Ut re mi fa sol la | [5:33] |
| 6 | William Byrd - Pavana | [4:04] |
| 7 | William Byrd - Galiarda | [1:22] |
| 8 | Giles Farnaby - Daphne | [5:16] |
| 9 | Giles Farnaby - Up [T]ails All | [5:17] |
| 10 | William Inglott - The Leaves bee greene | [3:35] |
| 11 | Martin Peerson - The Fall of the Leafe | [1:11] |
| 12 | John Bull - The King's Hunt | [3:50] |
| 13 | Orlando Gibbons - The Lord of Salisbury his Pavan | [6:13] |
| 14 | William Byrd - Rowland | [2:18] |
| 15 | Anonymous - Alman | [1:44] |
| 16 | Jan Pieterszoon Sweelinck - Praeludium Toccata | [5:50] |
| 17 | Peter Philips - Amarilli di Julio Romano | [3:26] |
| 18 | William Byrd - Gipseis Round | [3:25] |
| Total running time: | [70:17] | |