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Jupiter
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| "... it is certainly rewarding to hear Forqueray's
deserving music opened up in such lively and infectious performances" - Gramophone
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| "All the playing is first rate with exemplary
intonation, phrasing, ornamentation and all round good taste" - Early Music Review
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| "This is revelatory recording marrying scholarship with vivd,
risk-taking imagination - highly recommended" - Early Music News |
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Kommentar
Warum hätte Jean-Baptiste Forqueray, der größte Gambist seiner Generation, seine fortschrittlichen, im Stil des mittleren 18. Jahrhunderts geschriebenen Stücke unter
dem Namen seines verstorbenen Vaters veröffentlichen sollen? Jean-Baptiste war
ein musicien du Roy und Lehrer der Tochter Ludwigs XV. Er trat mit den führenden Instrumentalisten seiner Zeit auf: im Jahre 1737 spielte er Telemanns Pariser Quartette zusammen mit dem Komponisten, der sich in seiner Autobiographie voller Begeisterung
an dieses Ereignis zurückerinnert: 'Die
Bewunderungswürdige Art, mit welcher die Quatuors von den Herren Blavet, Traversisten; Guignon, Violinisten; Forcroy der Sohn, Gambisten; und Edouard, Violoncellisten, gespielt wurden, verdiente, wenn Worte zulänglich wären, hier eine Beschreibung.' Von Jean-Baptistes Virtuosenkunst berichtet d'Acquin: 'Die allerschwierigsten Stücke bereiten ihm keine Mühe; er spielt sie mit jener Leichtigkeit, die einen großen Spieler ausmacht: Unter seinen Fingern wird alles zu einem
chef-d'oeuvre de délicatesse & d'élégance'.
Das Rätsel verdichtet sich noch, wenn man erfährt, daß Jean-Baptistes Vater Antoine (1672-1745), ebenfalls ein meisterhafter Gambist, auf das Talent seines Sohnes so eifersüchtig wurde, daß er ihn, nach einiger körperlicher Züchtigung, in das Gefängnis von Bicêtre einsperren ließ (eine Möglichkeit, die französischen Vätern bis kurz vor dem zweiten Weltkrieg offenstand) und ihn schließlich 1725 unter Androhung der Todesstrafe für zehn Jahre aus dem Land verbannte. Glücklicherweise hatte Jean-Baptiste bereits Schüler mit gesellschaftlichem Einfluß, die ihn mit Briefen unterstützten und auf das Unrecht von Antoines Maßnahmen hinwiesen.
Außerordentlich zufrieden bin ich mit Ihrem hervorragenden Benehmen, das ich während Ihres Unterrichts stets erfahren habe. Gern will ich Ihnen daher alle Zeichen der Dankbarkeit
erweisen, die Sie verdienen... Meine Mutter teilt meine Gefühle. (Le Marquis de
Villars)
Die Grausamkeit des Vaters ist offenkundig: Es geht um einen Sohn, den er mit 15 auf die Straße gesetzt und dem er seit 10 Jahren keinen Pfennig mehr gezahlt hat. Seine Züchtigung und väterliche Gerechtigkeit kennt nichts anderes als Verbannung aus dem Königreich unter Androhung der Todesstrafe.
(Monsieur de Monflambert)
Angesichts solcher Zeugnisse revidierten die zuständigen Behörden das Urteil, und Jean-Baptiste konnte zwei Monate später im Februar 1726 wieder nach Frankreich zurückkehren. Bezeichnenderweise setzte sich Antoine vier Jahre später zur Ruhe, verließ Paris und ging nach Mantes. Sein letzter Wille jedoch gibt einigen Grund zur Annahme, daß der große Bruch zuletzt in gewissem Maße wieder gekittet worden war: Jean-Baptiste erbte die kostbaren Gamben seines Vaters (eine von ihnen, die für ihren kräftigen Ton gerühmt und für die beste im ganzen Reich gehalten wurde, gehörte ursprünglich dem Kurfürsten von Bayern, die andere dem Regenten) und teilte ein nicht unbeträchtliches Vermögen mit seiner Schwester.
In der Widmung an seine königliche Schülerin Henriette von Frankreich schreibt Jean-Baptiste von seiner Absicht, 'ihm [Antoine] Unsterblichkeit zu sichern'. Sollten wir diese Bemerkung vielleicht für bare Münze nehmen und die Publikation als eine Hommage des Sohnes an den Vater verstehen? Immerhin war im Jahre 1747 der Stern der Viola da Gamba im Sinken begriffen-es fehlte ihr an Klangvolumen, um in den großen Konzerthallen mit der Violine und dem Violoncello konkurrieren zu können-und Jean-Baptistes Auftrag war es, sie wieder in den Stand ihrer früheren Berühmtheit zu setzten. Dachte er etwa, daß die Verbindung seiner Veröffentlichung mit dem Namen seines Vaters, des vielleicht herausragendesten Interpreten der Gambe zur Zeit ihres Ruhms, seinem Ziel behilflich sein könnte? Oder geschah die Nennung von Antoines Namen hauptsächlich aus finanziellen Gründen? Es war sicherlich ein geschickter Schachzug, gleichzeitig die Stücke in Bearbeitung für das Cembalo zu veröffentlichen, das, anders als die Gambe, sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich großer Beliebtheit erfreute. (Die instrumentengerechte Transkription geht vermutlich auf das Konto von Jean-Baptistes Frau Marie-Rose du Bois, einer begabten Cembalistin, die Marpurg an der Spitze der damaligen 'Amateurliga' einstufte.)
Was immer die Gründe für die Nennung des Vaters als Autor der Sammlung gewesen sein mögen-Die zweiunddreißig Stücke tragen jedenfalls die Namen von Zeitgenossen des Sohnes: Pierre Buisson war mit Jean-Baptistes älterer Schwester Charlotte verheiratet. Martin Bouron und sein Sohn François waren die Anwälte der Familie Forqueray. Dr. Théodore Tronchin, ein Subskribent von Telemanns Nouveaux Quatuors von 1738, hielt sich im Kreis um den berühmten Unternehmer La Riche de la Pouplinière auf. Cottin d.J. subskribierte ebenfalls die Nouveaux Quatuors, wie auch Bellemont und de la Tour (denen zwei weitere Stücke des Komponisten gewidmet sind; beide sind nicht auf dieser CD zu hören) und schließlich Jean-Baptiste selbst. Bei Regard d'Aubonne und Louis-Philippe Du Vaucel handelt es sich um financiers, die wahrscheinlich Jean-Baptiste und seine Frau zu ihrer musikalischen Unterhaltung beschäftigten. (Du Vaucel starb 1794 unter der Guillotine.) In seinen Memoiren erinnert sich der Duc de Luynes an eine Abendgesellschaft 'dans la petite maison de Mme de Lauraguais, dans l'avenue de Paris', die für M. le Dauphin und Mme la Dauphine gegeben wurde und bei der Herr und Frau Forqueray gemeinsam musizierten:
Die Musik dauerte etwa zwei Stunden und wurde von fünf Musikern aufgeführt: von Forcroy und seiner Frau, er mit der Baßgambe, sie am Cembalo, von Blavet auf der Traversflöte, und [den Sängern] Jéliotte und Mme Le Maure... Die drei Instrumentalisten führten ein Trio aus... dann spielten Baßgambe und Cembalo einige Stücke zusammen, mit einem Geschmack und einer Präzision, die Bewunderung verdienen.
Zwei Jahre nach der Hochzeit der Forquerays bewies der 'Professeur de Clavecin & bon compositeur' Charles-François Clément (1720-um 1782) ihren beiden Talenten Anerkennung, indem er ihnen seine Sonates en trio pour un clavecin et un violon (Paris 1743) widmete:
A MONSIEUR ET MADAME FORQUERAY SCHÜLER APOLLS, Orakel seiner Gesetze, Forqueray, dessen Geschmack, sich mit seinem Genie vereinend, erschafft, uns zu verzaubern, aus dem Schoße der Harmonie diese hinreißenden Konzerte, die unter Euren Fingern entstehen...
Der herausragende Geiger seiner Zeit, Jean-Marie Leclair (1697-1764) war ein enger Freund der Forquerays: Jean-Baptiste war Trauzeuge bei Leclairs Hochzeit und Mme Leclair stach Forquerays Veröffentlichungen in Kupfer. Interessanterweise gibt es viele technische und harmonische Gemeinsamkeiten in den Werken beider Komponisten. Beide waren von Virtuosität fasziniert, experimentierten mit ungewöhnlichen Akkorden und zeigten ihre Vorliebe für verminderte Septen, augmentierte Dreiklänge und Dominantseptnonakkorde. Ferrand hielt Forqueray für genauso einzigartig auf der Baßgambe wie Leclair auf der Violine.
Einige von Forquerays Kompositionen sind pièces caracterisées. Jupiter, der dieser Aufnahme seinen Namen gegeben hat, ist vielleicht das bemerkenswerteste Beispiel für diese Kategorie. Die große Anlage dieses Stückes, die dem König der römischen Götterwelt durchaus angemessen erscheint, zeigt Jean-Baptiste von seiner harmonisch kühnsten Seite. Das vierte und letzte couplet beginnt, wie erwartet, mit der Tonika in c-moll, sinkt aber plötzlich zum Molltonika-Gegenklang (As-Dur) herab, von wo aus der Komponist in seltsam eigenwilliger Weise nach Es-Dur weitermoduliert. Die nächste Phrase beginnt plötzlich, aber konsequent in b-moll, da Jupiter zornig darin fortfährt, seine Blitze vom Olymp herabzuschleudern.
Lucy Robinson 1999
Zum dreihundertsten Geburtstag Jean-Baptiste Forquerays erscheint eine Interpretation seiner Pièces de viole, die ein neues Licht auf diese Musik wirft, angebracht. Viele Aspekte seines Werkes passen gut zu charivari agréables künstlerischem Anspruch, innovative Projekte, auf historischer Aufführungspraxis basierend, zu realisieren. Abgesehen von der Frage der Autorschaft der Pièces, die hier von Dr. L. Robinson, Autorin der Lexikonartikels über die Forqueray-Familie im Standardwerk des New Grove, zugunsten von Jean-Baptiste entschieden wird, werden auf dieser CD einige aufführungspraktische Innovationen geboten: die pardessus de viole, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Paris als ein Instrument für junge Damen, die nach Virtuosität strebten, in Mode war, wird auf der Titelseite der Pièces als Alternative zur Baßgambe genannt. (In dieser Aufnahme verwenden wir die spätere Version der pardessus, die als quinton bekannt ist.) Die Tatsache, daß viele der theatralischen Stücke wie eine komprimierte Kurzpartitur aussehen, brachte uns auf die Idee, sie für ein typisch französisches fünfstimmiges Streichensemble zu orchestrieren; dies wird durch das Hinzukomponieren von parties de remplissage [d.h. füllenden Mittelstimmen] und die Verwendung einiger Elemente von du Bois' Cembalo-Version ermöglicht. Das Ensemble umfaßt Instrumente der Violin- und Gambenfamilie, von der pardessus geleitet. Schließlich haben wir die Stücke nach symbolischen Kriterien umgruppiert, dabei jedoch die Anordnung nach Tonarten beibehalten: wir beginnen unser Programm mit Jupiter (dem letzten Stück in Forquerays Sammlung) und schließen mit der Chaconne La Morangis, dem Stück, mit dem charivari agréable ihr Debüt für den BBC und in der Wigmore Hall machte und 1993 Preisträger des International Early Music Network Wettbewerbs wurde.
Kah-Ming Ng 1999
| Title Page Programme Notes Commentaire Kommentar Reviews Credits Charivari Agréable |
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| Release date: | 1st April 1999 | |
| Order code: | SIGCD008 | |
| Barcode: | 635212000823 | |
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| Premier Divertissement | ||
| 1 | Jupiter modérément | [5:50] |
| 2 | La Silva très tendrement | [4:54] |
| 3 | Chaconne La Buisson gracieusement | [10:42] |
| Deuxième Divertissement | ||
| 4 | La Bouron vivement et détaché | [4:28] |
| 5 | La Dubreüil louré | [4:15] |
| 6 | La Leclair très vivement et détaché | [3:20] |
| Troisième Divertissement | ||
| 7 | La Clément noblement et détaché | [7:04] |
| 8 | Sarabande La d'aubonne | [3:47] |
| 9 | La Sainscy gracieusement et avec esprit | [5:04] |
| Quatrième Divertissement | ||
| 10 | La Tronchin mouvement aise | [6:40] |
| 11 | La Cottin galamment sans lenteur | [2:57] |
| 12 | La Angrave tres vivement | [3:09] |
| 13 | La Du Vaucel très tendrement | [6:18] |
| 14 | Chaconne La Morangis ou la Plissay | [8:27] |
| Total running time: | [77:32] | |