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Two Upon a Ground
Virtuosic duets and divisions for two viols

 

charivari agréable

Susanne Heinrich - Bass & Treble Viol
Kah-Ming Ng - Bass & Treble Viol
Lynda Sayce - Guitar & Theorbo
Susanna Pell - Keyboards

"A sunny disposition enhanced by an excelent recorded sound"

- Gramophone

    "... precise articulation and clear phrasing result in lively and effortless playing"

- Viola da Gamba-Mitteilungen (Switzerland)

"Just buy it! It is all beautifully played"

- Early Music Review



Kommentar

Die Divisions, die in der Musik so sehr gefallen, haben eine Ähnlichkeit mit dem Glitzern des Lichts, wenn Mondstrahlen auf einer Welle spielen. 

Francis Bacon, Sylva sylvarum, London 1627

Die Improvisationskunst spielte in der Musik des 17. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Was heute an virtuosen Kompositionen und Drucken überliefert ist, stellt nur einen kleinen Ausschnitt aus einem faszinierenden Panorama dar, dessen ursprüngliche Vielfalt sich uns erst allmählich erschließt. Viele Kompositionen sind oft eigentlich niedergeschriebene Improvisationen, musikalische Momentaufnahmen sozusagen, die ahnen lassen, wie lebendig und spontan es in der Musizierpraxis des 17. Jahrhunderts tatsächlich zuging.

Eine der musikalischen Formen, in denen ein Meister seines Instruments seine Improvisationskünste zeigen konnte, war die Division upon a Ground, eine Form, die besonders in England beliebt war. Sie bestand darin, über einer immer wiederkehrenden Baßfigur, dem Ground, eine Anzahl abwechslungsreicher und kunstvoller Variationen zu improvisieren. Thomas Mace, ein englischer Theoretiker des 17. Jahrhunderts, beschreibt sie folgendermaßen: Der 'Ground' ist eine bestimmte Folge von langsamen, sehr garvitätischen und würdevollen Noten, über die (nachdem sie ein- oder zweimal auf schlichte Weise gespielt worden sind) jemand, der über gute Einfälle und eine sichere Hand verfügt, eine Anzahl von Divisions zu spielen unternimmt, und das immer wieder, bis er seinen Einfallsreichtum und seine technischen Fähigkeiten gezeigt hat.

Die Kunst des Divisionspiels entwickelte sich in England während dieser Zeit zu einer Wissenschaft für sich. Das Division-Instrument par excellence war die Viola da Gamba, ein Instrument, das einerseits beweglich genug war, um die schwierigsten technischen Aufgaben bewältigen zu können, dessen großer Stimmumfang (über drei Oktaven) vielfältige Lagenwechsel zuließ, das andererseits auch über genug Ausdrucksmöglichkeiten verfügte, um verschiedene Affekte zum Klingen zu bringen. Völlig unvorbereitet ist der Gambe diese Rolle nicht zugefallen. Schon im 16. Jahrhundert gab es in Italien und Spanien eine verbreitete Improvisationspraxis auf der Gambe, wie Diego Ortiz' berühmtes Lehrwerk Tratado de glosas (Rom 1553) bezeugt. Als in der Mitte des 16. Jahrhunderts italienische Gambisten den Hof Heinrichs VIII. kamen, brachten sie diese Praxis mit nach England und machten sie dort populär. Zudem zeigen Kompositionen für Tasteninstrumente, daß es auch in England eine einheimische Tradition gab, über Grounds zu improvisieren. Schöne Beispiele dafür sind etwa What if a day und die Worster brawls von Thomas Tomkins. Cantus firmus-Bearbeitungen (wie Tomkins' Clarifica me), in denen eine aus langen Notenwerten bestehende Melodie von den übrigen Stimmen kontrapunktisch umspielt wird, können ebenfalls zu dieser Tradition gerechnet werden.

Der Berufssoldat und -exzentriker Tobias Hume war dann einer der ersten englischen Komponisten, die sich am Anfang des
17. Jahrhunderts für die solistische Verwendung der Gambe einsetzten und auch von virtuoser Division-Praxis Gebrauch machten. In Loves Farewell variiert er ein schlichtes volksliedhaftes Thema und macht zudem Gebrauch von den spezifischen Möglichkeiten der Gambe, wie etwa Sprüngen zwischen hohem und tiefem Klangregister und reichhaltigem Akkordspiel. (Ähnliches gilt auch für seine Pavan).

Den Höhepunkt virtuosen Division-Spiels stellen die Kompositionen Christopher Simpsons und John Jenkins' dar. Sie entsanden etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts, gehören zum technischen Anspruchsvollsten, was für Gambe je geschrieben wurde und zeigen auf beeindruckende Weise, auf welch hohem Niveau man damals zu improvisieren verstand. Simpson veröffentlichte 1665 sein grundlegendes Lehrbuch The Division-viol, or, the Art of Playing 'Ex tempore' upon a Ground, in dem er die Kunst der Improvisation systematisch darlegt und auch einige Musikbeispiele bietet (die er freilich nur als Anregung zu eigener Improvisation verstanden wissen will). Tatsächlich liefert dieses Buch wertvolle Informationen über damalige Musizierpraxis und gibt ein lebendiges Bild davon, wie etwa "Jam-Sessions" des 17. Jahrhunderts verlaufen sein könnten. Besonders interessant wird es dort, wo Simpson praktische Ratschläge für das Division-Spiel von zwei Gamben über einem Ground gibt. Von Anfang an sind die Rollen der Spieler klar verteilt: Eine Gambe fungiert als Begleitung und spielt den Ground, während die andere dazu eine Oberstimme improvisiert. Diese Rollen werden bei jeder Wiederholung ausgetauscht. Ein Solo des Tasteninstruments schließt die erste Phase der Divisions ab, bevor sich eine kompliziertere anschließt: Nun spielen beide Gamben entweder parallele Divisions oder antworten sich gegenseitig auf musikalische Phrasen. Die Verständigung über das jeweilige Vorhaben erfolgt durch Zurufen, z.B. der Notenwerte, die eine Phrase dauern sollte. Den Abschluß bildet, nach einem erneuten Solo des Tasteninstruments, entweder ein furioses Finale in rauschenden Tonkaskaden (wie sie beispielsweise in Jenkins' brillanten Divisions in C-Dur zu hören sind) oder ein leises Ausklingenlassen des Ground-Motivs (wie in Simpsons G-Dur-Divisions).

Jenkins und Simpson zählten beide zu den größten Gambisten ihrer Zeit. Zudem waren sie befreundet: Jenkins schrieb für Simpsons Division Viol ein höchst schmeichelhaftes Widmungsgedicht, wohingegen Simpson es sich nicht nehmen ließ, seinen Freund am Schluß des Buches einen ever Famous and most Excellent Composer, in all sorts of Modern Musick zu nennen. Gehört viel Phantasie dazu, sich ein Duo Jenkins-Simpson als umjubelten Höhepunkt einer privaten musikalischen Soiree vorzustellen? Viele wird es damals nicht gegeben haben, die ihre anspruchsvollen und technischen höchst schwierigen Kompositionen zu spielen vermochten.

Die Division-Praxis beschränkte sich nicht nur auf Grounds. Sie beeinflußte auch andere Bereiche zeitgenössischer Kammermusik. Ein Beispiel hierfür bietet die Suite g-moll von William Lawes. Lawes verwendet hier eine Suite aus dem populären "Royal Consort" als Grundlage einer Bearbeitung, in der die Orgel das Grundgerüst des ursprünglich vierstimmigen Streichersatzes übernimmt und die beiden Gamben, quasi improvisatorisch, das vorhandene musikalische Material variieren. In einer ähnlichen, wenngleich weniger komplizierten Division-Technik sind auch Matthew Lockes Fantazia und Courante c-moll aus seinen "Duos for two basse-Viols" (1652) geschrieben. Hier gibt es einen ständigen Austausch zwischen Unter- und Oberstimme, gewagte Sprünge, Chromatik und kühne tonale Rückungen, die auch sonst für Lockes Kompositionen charakteristisch sind.

Mit Beginn der Restaurationszeit gewann die Violine auch in England immer mehr an Bedeutung und machte der Gambe allmählich ihre Vorrangstellung streitig. Divisions für Gambe wurden oft einfach für Violine bearbeitet und in für diese günstigere Lagen transponiert. Auch die Blockflöte - ein weiteres Instrument, das sich am Ende des 17. Jahrhunderts zunehmender Beliebtheit erfreute - wurde mit Divisions bedacht. In einem Stück dieser Aufnahme wird diese Entwicklung umgekehrt: Henry Purcells Two in one upon a Ground (aus seiner Semi-Oper Dioclesian), eigentlich für zwei Blockflöten und Baß geschrieben, wird hier mit zwei Diskantgamben statt Flöten gespielt. Ein besonderer Reiz dieses kurzen (und höchst melancholischen) Stückes liegt darin, daß die Variationen über dem fallenden Baßmotiv als Kanon komponiert sind.

Arne Spohr 1998

Auf dieser CD sind nicht nur die Ersteinspielungen einiger Divisions von Simpson und Jenkins, sondern auch drei höchst interessante Instrumente zu hören. Das Cembalo (Antwerpen 1623) wurde von Andreas Ruckers gebaut. Andreas war der jüngere Sohn von Hans Ruckers d.Ä., dem Gründer einer einflußreichen und berühmten Familie von Cembalobauern. Das Instrument hatte ursprünglich ein transponierendes Dopplemanual (Umfang des oberen: C/E - c3; Umfang des unteren: GG/H1 - f3) mit einer Disposition von 1x8' und 1x4' Registern. Es ist bemerkenswert gut erhalten, scheint bis in die Zeit der Romantik gespielt worden zu sein und besitzt noch viele alte Saiten, die von der Erweiterung stammen, die Jacob Kirckman um 1770 vorgenommen hat. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Kasten im englischen Geschmack der Zeit mit Mahagoni furniert. Das Spinett (London ca. 1680) wurde von einem der profiliertesten englischer Spinettbauer des späten 17. Jahrhunderts, Stephen Keene, gebaut. Es hat einen Umfang GG/H1- d3 mit geteilten Tasten. Darüber hinaus besitzt es einen originalen Ständer, und auch die Springer und die Polsterung auf dem Rahmen sind noch im originalen Zustand.

Bei der Theorbe, die hier gespielt wird, handelt es sich nicht um das gebräuchliche italienische Instrument, sondern um eine Rekonstruktion eines charakteristischen englischen Typs mit Doppelsaiten und G-Stimmung. Gebaut wurde es von David van Edwards (Norwich 1995), auf der Grundlage von Maßangaben im Talbot-Manuskript (um 1700) und Beschreibungen in Thomas Maces "Musick's Monument" (London 1676). Weitere Details über dieses Instrument lassen sich in zwei Aufsätzen nachlesen, die Lynda Sayce in "Early Music Review" (März 1995) und in "Early Music" (November 1995) veröffentlicht hat.

Es gibt kein Solo-Repertoire für die englische Theorbe in dieser Stimmung, jedoch schreibt Thomas Mace, daß man Musik dafür arrangieren kann: "...Du kannst Stücke auf ihr spielen, genauso perfekt wie auf der französischen Laute, vorausgesetzt, diese Stücke sind ihr angemessen und passen zur Würde des Instruments (denn es ist sehr unpassend, leichtfüßiges und tändelndes Zeug darauf zu spielen)..." Ennemond 'le Vieux' Gaultiers La Pompe Funebre (Das Begräbnis) scheint besonders angemessen zu sein, wegen der offenkundigen Würde dieser Komposition und nicht zuletzt auch wegen Gaultiers Popularität in England. Eine Beschreibung seiner Person, die Mary Burwells Lautenlehrer um 1670 gibt, zeigt das Ansehen, in dem er damals stand: "Viele musikalische Lichter sind in Frankreich aufgegangen, unter denen eines als die Sonne unter den Sternen die Bewunderung und den Lobpreis der ganzen Welt auf sich gezogen hat. Es ist der erste Gaultier, den man in Hinsicht auf sein hohes Alter und seine Verdienste den alten Gaultier nennt, an dem das Glück weder taub noch blind vorübereilte, und der durch die Gunst von Königen, Königinnen und Prinzen mit Ehren gekrönt und mit Reichtümern überhäuft wurde."

Lynda Sayce & Kah-Ming Ng

 

 

 
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Credits
Charivari Agréable
 
Release date: September 1998
Order code: SIGCD007
Barcode: 635212000724
 
 
 
1 Christopher Simpson: Division in A [5:41]
2 Christopher Simpson: Division in F [5:10]
3 Thomas Tomkins: Voluntary [1:34]
4 Christopher Simpson: Division in F [2:20]
5 Godfrey Finger: Division in C [3:45]
6 John Jenkins: Division in C [4:44]
7 Ennemond Gaultier: La pompe funèbre [4:58]
8 Matthew Locke: Fantazia [1:42]
9 Matthew Locke: Courant [1:25]
10 Christopher Simpson: Division in G [5:46]
11 Godfrey Finger: Sonata solo in G [7:02]
12 Tobias Hume: Loves farewell [4:12]
13 William Lawes: Suite in g - Pavan [6:36]
14 William Lawes: - Ayre 1  [1:28]
15 William Lawes: - Ayre 2 [2:27]
16 Thomas Tomkins: Prelude [0:50]
17 Thomas Tomkins: What if a Day [1:22]
18 Thomas Tomkins: Worster brawls [2:16]
19 Tobias Hume: Pavan [5:49]
20 Henry Purcell: Two in one upon a Ground [3:43]
21 John Jenkins: Division in A [4:59]
 
Total running time: [78:28]