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Triumphs of Maximilian Songs and Instrumental Music
Musica Antiqua of London
Kommentar Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde in ganz Europa Musik von großer Eindruckskraft und Innovation geschaffen. Unter dem Patronat von Prinzen wie Henry VIII, Lorenzo de Medici, Isabella d'Este und Francois I kristallisierten sich eindeutig nationale Musikstile heraus, gleichzeitig jedoch wurden die besten Spieler und Komponisten immer mobiler und buchstäblich von einem Hof zum nächsten abgeworben. Die franko-flämische Polyphonie, welche die Musik über so viele Jahre beherrscht hatte, bildete weiterhin einen wichtigen Bestandteil des Repertoires, doch zumindest in der säkularen Musik verlor sie an Bedeutung. Statt dessen setzte sich ein neuer, kunstvoll einfacher, oft homophoner Stil durch, bei dem die Klarheit der Worte der Eleganz des Kontrapunkts vorgezogen wurde. Nirgendwo ist die Mischung von Stilarten und Einflüssen eindeutiger erkennbar, als am deutschen Hof des Heiligen Römischen Kaisers Maximilian I. Altes und Neues, Polyphonie und Homophonie, Nationales und Internationales verbinden sich hier miteinander, in einem Repertoire von enormer Vielfalt und Fülle. In der Musik wie auch der bildenden Kunst war Maximilian ein Patron von ungewöhnlicher Urteilsfähigkeit: Die unzähligen Holzschnitte von Dürer und Burgmair, die Maximilian zum Fortleben seines Ruhms auch nach seiner Regierungszeit in Auftrag gab, zeugen von der Treffsicherheit seines künstlerischen Geschmacks, und die Musik seiner Hofkomponisten Isaac und Senfl setzten ihm ein großartiges Denkmal. Heinrich Isaac (circa 1450 - 1517). Der gebürtige Flame diente Lorenzo de Medici als Hofkomponist von 1479 bis zu Lorenzos Tod 1492. Einige Jahre später trat er in den Dienst Maximilians und wurde 1497 Kapellmeister. Er verbrachte weiterhin viel Zeit in Italien (insbesondere in Ferrara und Florenz) als diplomatischer Vertreter Maximilians und er starb in Florenz. In der sakralen Musik war Isaacs magnum opus zweifelsohne das eindrucksvolle Choralis Constantinus - Vertonungen der Offizien der Messe für jeden Tag des Jahres. Isaac starb, bevor er diese Aufgabe beenden konnte, doch die überlieferten Teile zeigen - wie auch seine anderen Messen und Motetten - die franko-flämische Polyphonie von ihrer herrlichsten Seite. In der säkularen Musik paßte sich Isaac ebenso kunstvoll wie überzeugt den jeweiligen nationalen Stilen an. Die Karnevallieder, die er für Lorenzo in Florenz verfaßte, sind echte Beispiele florentinischer Kunst, während seine Tenorlieder für Maximilian (darunter das berühmteste von allen, Innsbruck, ich muß dich lassen) sowohl originell als auch idiomatisch sind. Isaac ist auf dieser CD durch drei Musikstücke vertreten - das Tenorlied Ich stünd an einem morgen [27], dessen fließender, nachahmender Kontrapunkt die Tatsache verdeckt, daß die Melodie wirklich vollständig im Tenorteil vertreten ist, das ungewöhnliche Fortuna in Mi [3], das den Modus der Tenorstimme von Busnois' Kanzone durch die Abwandlung von Ganztönen zu Halbtönen und umgekehrt verändert und zwei neue Teile hinzufügt, und Der Hundt [26], ein überschwengliches Stück für drei Instrumente, das auf Fragmenten eines anonymen Liedes aufbaut und dessen erweiterte Sequenzen fast zu einer Selbstparodie führen.
Ludwig Senfl (1489 - 1543) war Isaacs Nachfolger als Maximilians Kapellmeister. Der in der Schweiz geborene Senfl diente nicht nur Maximilian, sondern auch Herzog Wilhelm IV von Bayern, und leitete somit zwei der Er läßt jedoch seine protestantischen Sympathien nicht durchblicken - ein Beispiel dafür ist seine sechsstimmige epische Umarbeitung von Josquins einfachem vierstimmigen Ave Maria. Neben einem derart glänzenden katholischen Repertoire treffen wir auf strengere, aber tief empfundene mund-artliche Werke geistlicher Natur, wie etwa seine Vertonung von die sieben letzten Worte, die auf einer lutherischen Melodie aufbauen. Senfl beherrscht beide Stilrichtungen ebenso mühelos wie meisterhaft. Diese CD ist jedoch in erster Linie Senfls säkularem Werk gewidmet. Die Form des Tenorlieds mag nicht unbedingt ein lohnendes Medium für Einfallsreichtum scheinen. Eine Melodie - entweder neu komponiert oder ein cantus prius factus, manchmal volkstümlicher Abstammung - muß in der Tenorstimme vorgestellt werden, die dann von zwei bis vier freie Stimmen umgeben wird. Der Theoretiker Heinrich Glarean hat zwischen den Fähigkeiten eines Phonascus, der neue Tenorlieder erfinden konnte, und denen des Symphoneten, der bereits komponierte Melodien vertonen konnte, unterschieden. Er bezeichnet Senfl als einen Symphoneten von außergewöhnlichen Fähigkeiten. Die Untersuchung von fast dreihundert überlieferten Tenorliedern von Senfl bestätigt dies. Am einen Ende der Skala steht Will niemand singen [1], in dem drei hohe Stimmen in einem ausgedehnten Vorspiel einander umtanzen, was dem endlichen Einfall des Tenors mit Will niemand singen, so tue ich es! eine leicht streitsüchtige Note verleiht. Am anderen Ende der Skala finden wir das Patientiam müss ich han [19], ein vierstimmiges Tenorlied von äußerster Knappheit und Intensität. Doch es ist vielleicht die Vertonung von Ich stünd an einem Morgen [30-34], die uns am deutlichsten vermittelt, welch ein geschickter Symphonet Senfl war. Die zwei Vertonungen für drei Stimmen [30 und 32] sind wahrscheinlich für Instrumente bestimmt, doch im Gegensatz zu sonstigen Carmina dieser Art, behalten sie die vollständige Originalmelodie in einer Stimme bei. Die Vertonung für drei hohe Instrumente [30] bietet zwei freien Stimmen die Gelegenheit, jede Phrase vorwegzunehmen, zu erforschen und umzuarbeiten, bevor sie in ihrer Gesamtheit von der Tenorstimme vorgetragen wird. Die tiefe Vertonung [32] besitzt außerordentliche, schwebende Rhythmen, angefüllt von bezaubernder und träumerischer Vieldeutigkeit. Die vierstimmige Vertonung [33] verleiht drei der Stimmen eine sprunghafte parallele Bewegung, während die vierte Stimme (Alt) frei meditiert. Die leichte, gepflegte Polyphonie der instrumentalen Stimmen in der fünfstimmigen Vertonung [31] geht über in eine ausdrucksvolle homophonische Begleitung in der zweiten Hälfte. Die letzte sechsstimmige Vertonung [34] erbindet Ich stünd mit der Melodie Es taget vor dem Walde über einem dritten Lied Kein Adler. Dies ist eine atemberaubende Komposition, die auch interessante Spekulationen über die Wortkombinationen zuläßt: Sind das Abschied nehmende Paar in Ich stünd vielleicht Käthe und Ihr Liebhaber in Es taget? Führt die Ruhelosigkeit des Dichters im letzteren Lied schließlich zu seinem Abschied im ersten? Sicherlich fordert uns Senfl durch die Verbindung dieser Texte dazu auf, diese Resonanzen wahrzunehmen. Deutschland erfreute sich im 16. Jahrhundert der Kunstfertigkeit vieler große Komponisten - wie z.B. Heinrich Finck und Thomas Stolzer, die beide auf dieser CD vertreten sind. Doch die Wiederbelebung früher Musik hat Ludwig Senfl noch nicht den herausragenden Platz verschafft, der ihm gebührt. Ich hoffe, daß diese Aufnahme zu einer Änderung dieser Situation beitragen wird. Philip Thorby [1] Will niemand singen Will niemand singen, so sing' aber ich. Ich sing' ein Lied, das will ich aufgeben. Wer soll ein' bessere Pflegerin sein? Wer soll des Annelein Helfer sein? [6-14] Elslein & Es taget vor dem Walde (Ach) Elslein, liebstes Elselein, Das bringt mir große Schmerzen, Hoff, Zeit werd es wol enden, Es taget vor dem Walde, stand auf, Kätterlein! Es taget in der Aue, stand auf, Kätterlein, Es taget vor dem Holze, stand auf, Kätterlein, [15-17] Ein frolyk Wesen Ein frolyk Wesen Wann es nun kem [18-19] Pacienta Patientiam muess ich han, Patiencia überwind' Patientia, nun lass ab! [21-24] Entlaubet ist der Walde Entlaubet ist der Walde Was lässt du mir zue Letze Sei weis', lass dich nit affen! [25-26] Der Hundt Der Hundt mir vor dem licht umb gat Thu was ich wöl, so hasst er mich So denk ich doch einr gutten zeit [27-34] Ich stünd an einem Morgen Ich stünd an einem Morgen Herzlich ich hab vernummen Das Fräulein das schrei: 'Morte! |
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