The Triumphs of Maximilian
Songs and Instrumental Music

 

Musica Antiqua of London

Philip Thorby (director)
Alison Crum
John Bryan
Margaret Westlake
Rebecca Miles
John Potter


"... I think no praise is too high; they do everything with a pleasingly light touch and always with a real sensitivity to the music"

- Gramophone June 1999

    "I would recommend this disc strongly"

Early Music  Review

"... virtuoso performances tempered by the sensitive vocal interpretations of John Potter"

Early Music



Kommentar

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde in ganz Europa Musik von großer Eindruckskraft und Innovation geschaffen. Unter dem Patronat von Prinzen wie Henry VIII, Lorenzo de Medici, Isabella d'Este und Francois I kristallisierten sich eindeutig nationale Musikstile heraus, gleichzeitig jedoch wurden die besten Spieler und Komponisten immer mobiler und buchstäblich von einem Hof zum nächsten abgeworben. Die franko-flämische Polyphonie, welche die Musik über so viele Jahre beherrscht hatte, bildete weiterhin einen wichtigen Bestandteil des Repertoires, doch zumindest in der säkularen Musik verlor sie an Bedeutung. Statt dessen setzte sich ein neuer, kunstvoll einfacher, oft homophoner Stil durch, bei dem die Klarheit der Worte der Eleganz des Kontrapunkts vorgezogen wurde.

Nirgendwo ist die Mischung von Stilarten und Einflüssen eindeutiger erkennbar, als am deutschen Hof des Heiligen Römischen Kaisers Maximilian I. Altes und Neues, Polyphonie und Homophonie, Nationales und Internationales verbinden sich hier miteinander, in einem Repertoire von enormer Vielfalt und Fülle. In der Musik wie auch der bildenden Kunst war Maximilian ein Patron von ungewöhnlicher Urteilsfähigkeit: Die unzähligen Holzschnitte von Dürer und Burgmair, die Maximilian zum Fortleben seines Ruhms auch nach seiner Regierungszeit in Auftrag gab, zeugen von der Treffsicherheit seines künstlerischen Geschmacks, und die Musik seiner Hofkomponisten Isaac und Senfl setzten ihm ein großartiges Denkmal.

Heinrich Isaac (circa 1450 - 1517). Der gebürtige Flame diente Lorenzo de Medici als Hofkomponist von 1479 bis zu Lorenzos Tod 1492. Einige Jahre später trat er in den Dienst Maximilians und wurde 1497 Kapellmeister. Er verbrachte weiterhin viel Zeit in Italien (insbesondere in Ferrara und Florenz) als diplomatischer Vertreter Maximilians und er starb in Florenz.

In der sakralen Musik war Isaacs magnum opus zweifelsohne das eindrucksvolle Choralis Constantinus - Vertonungen der Offizien der Messe für jeden Tag des Jahres. Isaac starb, bevor er diese Aufgabe beenden konnte, doch die überlieferten Teile zeigen - wie auch seine anderen Messen und Motetten - die franko-flämische Polyphonie von ihrer herrlichsten Seite.

In der säkularen Musik paßte sich Isaac ebenso kunstvoll wie überzeugt den jeweiligen nationalen Stilen an. Die Karnevallieder, die er für Lorenzo in Florenz verfaßte, sind echte Beispiele florentinischer Kunst, während seine Tenorlieder für Maximilian (darunter das berühmteste von allen, Innsbruck, ich muß dich lassen) sowohl originell als auch idiomatisch sind.

Isaac ist auf dieser CD durch drei Musikstücke vertreten - das Tenorlied Ich stünd an einem morgen [27], dessen fließender, nachahmender Kontrapunkt die Tatsache verdeckt, daß die Melodie wirklich vollständig im Tenorteil vertreten ist, das ungewöhnliche Fortuna in Mi [3], das den Modus der Tenorstimme von Busnois' Kanzone durch die Abwandlung von Ganztönen zu Halbtönen und umgekehrt verändert und zwei neue Teile hinzufügt, und Der Hundt [26], ein überschwengliches Stück für drei Instrumente, das auf Fragmenten eines anonymen Liedes aufbaut und dessen erweiterte Sequenzen fast zu einer Selbstparodie führen.

Ludwig Senfl (1489 - 1543) war Isaacs Nachfolger als Maximilians Kapellmeister. Der in der Schweiz geborene Senfl diente nicht nur Maximilian, sondern auch Herzog Wilhelm IV von Bayern, und leitete somit zwei der
bedeutendsten Kapellen in Deutschland. Wie Isaac - bei dem er studierte - war auch Senfl ein äußerst vielseitiger Komponist, doch seine Vielfältigkeit zeigt sich in der Handhabung verschiedener Repertoires innerhalb eines
einzigen (deutschen) nationalen Stils. In der sakralen Musik gelang es ihm, großartige lateinische Motetten für den Heiligen Römischen Kaiser zu komponieren, obwohl er gleichzeitig einen lebenslangen Briefwechsel mit Martin Luther unterhielt.

Er läßt jedoch seine protestantischen Sympathien nicht durchblicken - ein Beispiel dafür ist seine sechsstimmige epische Umarbeitung von Josquins einfachem vierstimmigen Ave Maria. Neben einem derart glänzenden katholischen Repertoire treffen wir auf strengere, aber tief empfundene mund-artliche Werke geistlicher Natur, wie etwa seine Vertonung von die sieben letzten Worte, die auf einer lutherischen Melodie aufbauen. Senfl beherrscht beide Stilrichtungen ebenso mühelos wie meisterhaft.

Diese CD ist jedoch in erster Linie Senfls säkularem Werk gewidmet. Die Form des Tenorlieds mag nicht unbedingt ein lohnendes Medium für Einfallsreichtum scheinen. Eine Melodie - entweder neu komponiert oder ein cantus prius factus, manchmal volkstümlicher Abstammung - muß in der Tenorstimme vorgestellt werden, die dann von zwei bis vier freie Stimmen umgeben wird. Der Theoretiker Heinrich Glarean hat zwischen den Fähigkeiten eines Phonascus, der neue Tenorlieder erfinden konnte, und denen des Symphoneten, der bereits komponierte Melodien vertonen konnte, unterschieden. Er bezeichnet Senfl als einen Symphoneten von außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Die Untersuchung von fast dreihundert überlieferten Tenorliedern von Senfl bestätigt dies. Am einen Ende der Skala steht Will niemand singen [1], in dem drei hohe Stimmen in einem ausgedehnten Vorspiel einander umtanzen, was dem endlichen Einfall des Tenors mit Will niemand singen, so tue ich es! eine leicht streitsüchtige Note verleiht. Am anderen Ende der Skala finden wir das Patientiam müss ich han [19], ein vierstimmiges Tenorlied von äußerster Knappheit und Intensität.

Doch es ist vielleicht die Vertonung von Ich stünd an einem Morgen [30-34], die uns am deutlichsten vermittelt, welch ein geschickter Symphonet Senfl war. Die zwei Vertonungen für drei Stimmen [30 und 32] sind wahrscheinlich für Instrumente bestimmt, doch im Gegensatz zu sonstigen Carmina dieser Art, behalten sie die vollständige Originalmelodie in einer Stimme bei. Die Vertonung für drei hohe Instrumente [30] bietet zwei freien Stimmen die Gelegenheit, jede Phrase vorwegzunehmen, zu erforschen und umzuarbeiten, bevor sie in ihrer Gesamtheit von der Tenorstimme vorgetragen wird. Die tiefe Vertonung [32] besitzt außerordentliche, schwebende Rhythmen, angefüllt von bezaubernder und träumerischer Vieldeutigkeit.

Die vierstimmige Vertonung [33] verleiht drei der Stimmen eine sprunghafte parallele Bewegung, während die vierte Stimme (Alt) frei meditiert. Die leichte, gepflegte Polyphonie der instrumentalen Stimmen in der fünfstimmigen Vertonung [31] geht über in eine ausdrucksvolle homophonische Begleitung in der zweiten Hälfte.

Die letzte sechsstimmige Vertonung [34] erbindet Ich stünd mit der Melodie Es taget vor dem Walde über einem dritten Lied Kein Adler. Dies ist eine atemberaubende Komposition, die auch interessante Spekulationen über die Wortkombinationen zuläßt: Sind das Abschied nehmende Paar in Ich stünd vielleicht Käthe und Ihr Liebhaber in Es taget? Führt die Ruhelosigkeit des Dichters im letzteren Lied schließlich zu seinem Abschied im ersten? Sicherlich fordert uns Senfl durch die Verbindung dieser Texte dazu auf, diese Resonanzen wahrzunehmen. Deutschland erfreute sich im 16. Jahrhundert der Kunstfertigkeit vieler große Komponisten - wie z.B. Heinrich Finck und Thomas Stolzer, die beide auf dieser CD vertreten sind. Doch die Wiederbelebung früher Musik hat Ludwig Senfl noch nicht den herausragenden Platz verschafft, der ihm gebührt. Ich hoffe, daß diese Aufnahme zu einer Änderung dieser Situation beitragen wird.

Philip Thorby

Gesangstexte

[1] Will niemand singen

Will niemand singen, so sing' aber ich.
Es wirbt ein junger Knab' um mich.

Ich sing' ein Lied, das will ich aufgeben.
Ach, Herre Gott, wer soll sein pflegen?

Wer soll ein' bessere Pflegerin sein?
Das Annelein, das soll die Pflegerin sein.

Wer soll des Annelein Helfer sein?
Der Hans, der soll der Helfer sein.

[6-14] Elslein & Es taget vor dem Walde

(Ach) Elslein, liebstes Elselein,
wie gern wär ich bei dir.
So sein zwei tiefer Wasser
wol zwischen dir und mir.

Das bringt mir große Schmerzen,
herzallerliebster Gsell!
Red' ich von ganzem Herzen
habs für groß Ungefäll.

Hoff, Zeit werd es wol enden,
hoff, Glück werd kommen drein,
sich in alls Guts verwenden,
herzliebstes Elselein.

Es taget vor dem Walde, stand auf, Kätterlein!
Die Hasen laufen balde, stand auf, Kätterlein,
Holder Buehl! heiaho, Du bist mein und ich bin dein, stand auf, Kätterlein!

Es taget in der Aue, stand auf, Kätterlein,
Schöns Lieb, lass dich anschauen! stand auf, Kätterlein, Holder Buehl!.....

Es taget vor dem Holze, stand auf, Kätterlein,
Die Jäger hürnen stoltze, stand auf, Kätterlein, 
Holder Buehl!.....

[15-17] Ein frolyk Wesen

Ein frolyk Wesen
hab ich erlesen 
und seh mich um
wo ich hin kum 
in fremde land
wirk mir bekant 
mer args dan gut
durch senens flut
gleich heur ass ferd
auf dieser erd 
tu ich mich gleich erkennen.

Wann es nun kem
das mir gezem
ging wie es wolt
was ich solt 
recht willig gern
in zucht und ern 
für mein person
auf guten won 
in treuer pflicht
on args geschicht
doch kummert mich gross senen.

[18-19] Pacienta

Patientiam muess ich han,
Wohl kann,
Mocht's anders sein. 
Wär' auch wohl mein
Mein's Gmüet's Begehr,
Will jetz nit her.
Unfall auf mir
Liegt nach der Schwer. 
O patiencia, o patiencia!

Patiencia überwind'
senft lind
der Werlte Neid, 
wie wohl sie meid't
und Kurzweil passt, 
all G'sellschaft hasst
ob sie wurd' quitt
ihrs Unfalls Last. 
O patiencia, o patiencia!

Patientia, nun lass ab!
ich hab'
dein wahrlich gnueg. 
Zeuch hin mit Fueg
aus meinem Haus! 
Ich hab' ein Graus.
Fahr', wo du wilt!
Der Dienst ist aus. 
O patiencia, o patiencia!

[21-24] Entlaubet ist der Walde

Entlaubet ist der Walde
Gen diesem Winter kalt,
Beraubet werd ich balde
Meins Liebs, das macht mich alt;
Dass ich die Schön' muss meiden
Die mir gefallen
Bringt mir mangfätig Leiden
Macht mir ein schweren Mut.

Was lässt du mir zue Letze
Mein schwarz brauns Maidlein fein
Das mich dieweil ergetze
So ich von dir muess sein?
Hoffnung tuet mich ernähren
Nach dir so werd' ich krank
Tue bald herwieder kehren
Die Zeit ist mir zue lang.

Sei weis', lass dich nit affen!
Der Klaffer seind zue viel.
Halt dich gen mir racht g'schaffen!
Treulich dich warnen will.
Hüet dich vor falschen Zungen
Darauf sei wohl bedacht!
Sei dir, schöns Lieb, gesungen
Zue tausend gueter Nacht.

[25-26] Der Hundt

Der Hundt mir vor dem licht umb gat
fru und auch spat
hab ich kein ru
wie ich im thu
das richtet als der klaffer zu.

Thu was ich wöl, so hasst er mich
vil herter stich
gibt er mir gschwind
als judas kind 
ich wolt das er im iar erblindt.

So denk ich doch einr gutten zeit
die mich erfreut
hab keinen grauß
unfall sei auß 
ich hoff mein katz fach auch ein mauß.

[27-34] Ich stünd an einem Morgen

Ich stünd an einem Morgen
heimlich an einem Ort,
do hett ich mich verborgen
Ich hort viel klägliche Wort
Von einem Fräulein was hübsch und fein
Sie sprach zu ihrem Bühlen:
'Es muß gescheiden sein'. 

Herzlich ich hab vernummen
du wöllst von hinnen schier.
Wann willt du wieder kummen? 
Das sollt du sagen mir!
'Merk, mein feins Lieb, was ich ihr sag:
Mein Zukunft tuest du fragen,
ich weiß weder Stund noch Tag'. 

Das Fräulein das schrei: 'Morte!
Mord über alles Leid!
Mich krenken deine Worte
Herzlieb, von mir nicht scheid!
Für dich, da setz' ich Guet und Ehr'
und sollt ich mit dir ziehen
kein Weg wär mir zue ferr'.

 
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Credits
 
Release date: 1st February 1999
Order code: SIGCD004
Barcode: 635212000427
 
 
 
 
1 Will niemand singen: Ludwig Senfl  [2:36]
Fortuna Desperata
2 Fortuna Desperata à 4: after Busnois [1:14]
3 Fortuna in Mi à 3: Heinrich Isaac [1:06]
4 Fortuna à 3: Josquin des Pres [1:07]
5 Exemplum: Ludwig Senfl [1:58]
Elslein/Es taget vor dem Walde
6 Elslein: anon [1:31]
7 Elslein à 3: anon [0:33]
8 Es taget à 5: Ludwig Senfl [1:19]
9 Elslein à 2: Georg Rhaw [0:34]
10 Elslein à 3: anon [1:05]
11 Elslein à 3: Sixtus Dietrich [0:37]
12 Es taget à 5: Ludwig Senfl [0:55]
13 Elslein à 4: Ludwig Senfl/Hans Gerle [1:02]
14 Elslein/Es taget à 4: Ludwig Senfl [0:49]
Ein frolyk wesen
15 à 3: Barbireau [0:48]
16 à 3: Johannes Ghiselin [0:53]
17 à 4: Arnt von Aich [2:12]
Pacienta
18 Quis Separabit: Josquin des Pres [3:06]
19 Patientiam müss ich han: Ludwig Senfl [5:13]
Tandernaken
20 Quattuor à 4: Ludwig Senfl [2:33]
21 à 4: Thomas Stolzer [1:20]
22 à 4: Ludwig Senfl [1:35]
23 Canon Diskant & Tenor à 4: Ludwig Senfl [1:10]
24 à 4: Caspar Othmayr [1:26]
Der Hundt
25 à 4: anon [1:10]
26 à 3: Heinrich Isaac [4:04]

Ich stünd an einem Morgen
27 à 4: Heinrich Isaac [1:33]
28 à 2: Georg Rhaw [2:33]
29 à 4: Heinrich Finck [1:29]
30 à 3: Ludwig Senfl [3:42]
31 à 5: Ludwig Senfl [2:06]
32 à 3: Ludwig Senfl [2:11]
33 à 4: Ludwig Senfl [1:33]
34 Ich Stünd/Es Taget/Kein Adler à 6: Ludwig Senfl [1:55]
Total running time: [60:09]

 

 

 

[images/index.htm] 30 June 2008